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Ende einer Odyssee Edward Snowden legt Eid ab und bekommt russischen Pass

Edward Snowden posiert in einem Interview mit der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter
Edward Snowden posiert in einem Interview mit der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter am 21. Oktober 2015 in Moskau. In Russland führt er ein zurückgezogenes Leben. 
© LOTTA HARDELIN / AFP
Einst deckte Edward Snowden einen gigantischen Geheimdienstskandal auf. Heute lebt er an einem unbekannten Ort in Russland – und ist nun russischer Staatsbürger. 

Neun Jahre ist es her, dass Edward Snowden nach einer Hollywood-reifen Flucht aus den USA Asyl in Russland bekam. Seit dem vergangenen Freitag ist der Whistleblower nun offiziell russischer Staatsbürger. "Edward hat gestern den Pass eines Bürgers der Russischen Föderation erhalten und einen Eid in Übereinstimmung mit dem Gesetz abgelegt“, teilte sein Anwalt Anatoli Kutscherena der russischen Nachrichtenagentur Interfax mit. 

"Er ist natürlich froh und der Russischen Föderation dafür dankbar, dass er die Staatsbürgerschaft erhalten hat. Jetzt ist er ein vollwertiger Bürger der Russischen Föderation. Und das Wichtigste: Nach der russischen Verfassung kann er jetzt nicht mehr an einen fremden Staat ausgeliefert werden", erklärte der Anwalt. 

Personen, die die russische Staatsbürgerschaft erhalten wollen, müssen schwören, die "Verfassung und Gesetzgebung der Russischen Föderation, die Rechte und Freiheiten ihrer Bürger zu achten, die Pflichten eines Bürgers der Russischen Föderation zum Wohle des Staates und der Gesellschaft zu erfüllen, die Freiheit und Unabhängigkeit der Russischen Föderation zu schützen, Russland gegenüber loyal zu sein und seine Kultur, Geschichte und Traditionen zu respektieren". 

Edward Snowden seit 2013 auf der Flucht 

2013 hatte Snowden Journalisten im großen Stil vertrauliche Dokumente über massive Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA und anderer Dienste zugespielt. Seine Enthüllungen wirken bis heute nach. Zunächst war Snowden damals von Hawaii nach Hongkong geflohen. Dann flog er weiter nach Moskau. Eigentlich wollte er in der russischen Hauptstadt nur umsteigen. Doch die USA hatten seinen Pass in der Zwischenzeit für ungültig erklärt. Snowden saß fest – im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo. 

Der CIA-Mitarbeiter ersuchte in zahlreichen Ländern um Schutz, auch in Deutschland. Am 1. August 2013 gewährte ihm aber Russland Asyl.

Im Oktober 2020 erhielt Snowden eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis in Russland. Ende September unterzeichnete der russische Präsident Wladimir Putin schließlich ein Dekret, das Snowden die russische Staatsbürgerschaft zuerkannte. 

Snowden gibt den USA die Schuld an seinem Aufenthaltsort 

"Ich bin in Russland, weil das Weiße Haus mit Absicht meinen Pass annulliert hat, um mich hier festzusetzen", begründete Snowden auf Twitter seine Entscheidung, die russische Staatsbürgerschaft anzunehmen. "Sie haben das diplomatische Flugzeug des Präsidenten von Bolivien runtergeholt, um zu verhindern, dass ich das Land verlasse und behindern bis zum heutigen Tag meine Bewegungsfreiheit."

Der 39-Jährige hatte immer wieder deutlich gemacht, dass er notgedrungen in Russland Asyl beantragt hat, weil ihm in anderen Staaten die Auslieferung an die USA droht. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, erklärte jedoch am Freitag, dass Snowden bereits seit langem Russland seine Treue signalisiert habe. Eine russische Staatsbürgerschaft würde diesen Status noch bestätigen, sagte Price.

Leben in der russischen Provinz 

Inzwischen hat Snowden zwei Söhne, die automatisch die russische Staatsbürgerschaft erhalten haben. Die Frau des Whistleblowers, Lindsay Mills, soll die russische Staatsbürgerschaft beantragen. Die Familie lebt an einem unbekannten Ort in der russischen Provinz. 

Snowden hatte im September erklärt: "Nach Jahren der Trennung von unseren Eltern haben meine Frau und ich keine Lust, von unseren Söhnen getrennt zu werden. Nach zwei Jahren des Wartens und fast zehn Jahren im Exil wird ein wenig Stabilität für meine Familie einen Unterschied machen. Ich bete um Privatsphäre für sie – und für uns alle."

Snowden selbst hatte 2016 angedeutet, er würde gern in die USA zurückkehren. Voraussetzung sei aber, dass ihm dort ein fairer Prozess gemacht werde. Er hatte an Trumps Vorgänger, Präsident Barack Obama appelliert, seine Begnadigung in Erwägung zu ziehen, jedoch vergeblich. 

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