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Ein Jahr Hollande - eine Stilkritik: Seine Frauen, seine Weine, seine Pluderhosen

Innerhalb eines Jahres hat er seinen Vorgänger übertrumpft: in Sachen Unbeliebtheit. Alles, was Francois Hollande anpackt, scheint ihm zu misslingen - der Präsident Frankreichs in der Stilkritik.

Von Niels Kruse

Seine Ausgangslage

Hätte nicht besser sein können. Vermutlich wäre auch ein Engländer zum Präsidenten gewählt worden, so verzweifelt rangen die Franzosen am Ende mit Nicolas Sarkozy. Also kam Francois Hollande, sah und siegte. Und machte Hoffnung auf das Ende von Vetternwirtschaft, Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Sein knackigster Slogan "Ich als Präsident werde…" kommt zwar nicht an Obamas "Change" und dergleichen ran, aber das war vor einem Jahr auch egal – schlimmer konnte es nicht mehr kommen. Dachte das Land damals…

Der Krisenmanager

Doch es kam schlimmer. Die Arbeitslosigkeit ist mittlerweile die höchste seit 16 Jahren und auch sonst hat Frankreich gute Chancen, zum nächsten kranken Mann Europas zu werden. Was also macht Monsieur Le President? Sparen, klar. Obwohl er einen strengen Sparkurs ablehnt. Etwas Geld könnte von den Vermögenden kommen, die er mit einer Reichensteuer zu triezen gedenkt. Gleichzeitig sollen Unternehmen entlastet werden. Wie das zusammenpasst? Gar nicht. Obwohl, vielleicht doch: Hatte Hollande nicht im Wahlkampf versprochen, allen Franzosen dienen zu wollen? Egal, ob sie links oder rechts stehen? So gesehen: Versprechen gehalten.

Sein Auftreten

Gütig und intelligent, bieder und pluderhosig: Als wohlmeinendes Staatsoberhaut präsentiert sich Hollande seinem Volk. Zufrieden ist es damit nicht. Seine Umfragewerte: schlechter noch als die Sarkozys. Geschafft hat er das innerhalb nur eines Jahres. Sein Vorgänger hatte in einer ähnlichen Situation die Model-Chansonnaire Carla Bruni geheiratet und geschwängert. Weil ihm das aber auch nicht half, taugt diese PR-Aktion kaum zur Nachahmung. Auch Hollandes Versuch, den Fokus der Empörung durch die Einführung der Homeehe abzuleiten, half ihm nur ein paar Tage lang. Was also bleibt? Sich aus Angela Merkel und ihre Austeritätsumklammerung zu lösen. Mit dem italienischen Neu-Regierungschef Enrico Letta hat er immerhin schon einen Verbündeten gefunden.

Das Fingerspitzengefühl

Die Franzosen und ihr Wein - eine glückliche Ehe, geschaffen für die Ewigkeit. Sollte man meinen. Doch dann das: Ausgerechnet der Weinkeller des Elysée-Palastes soll verschachert werden, immerhin 1200 von 12.000 Flaschen. Jeder Cent, der über dem jährlichen Budget in Höhe von 250.000 Euro für die "Vitrine der französischen Identität" liegt, soll in den maroden Staatshaushalt fließen. Hollande mag sich als nüchterner Pragmatiker sehen - aber wie soll man jemanden trauen, dem gar nichts heilig zu sein scheint?

Der Berater

Er ist so etwas wie der Steffen Seibert Frankreichs: Jahrelang berühmt als Nachrichtenmann aus dem Fernsehen, nun dafür verantwortlich, die Regierungspolitik zu verkaufen. Besser gesagt: den Mann, der dafür verantwortlich ist - Francois Holland. Keine leichte Aufgabe, denn der Präsident ist nicht gerade jemand, den die Kameras lieben: Steif und unbeteiligt wirkt er bei seinen zahllosen Terminen und daran konnte bislang auch Claude Serillon, der oberste Kommunikationsberater, nichts ändern. Beibringen aber könnte er dem Staatschef vielleicht eines: Wie man herzlich lacht. Damit ist Serillon bekannt geworden und das könnte ein Anfang sein.

Seine Frau(en)

Fast wäre Hollande der erste Gatte im Staate gewesen. Wenn seine Ex Segolene Royal, Sozialist wie er, 2007 gegen Sarkozy gewonnen hätte. Doch sie verlor und das Paar trennte sich. Nun ist Hollande mit Valérie Trierweiler zusammen und irgendwie werden sie und die Franzosen nicht warm miteinander. Was auch daran liegen könnte, dass sie gerne klagt: etwa gegen Fotos von ihr im Badeanzug und gegen eine ihrer Biografien. Zuletzt sagten zwei Drittel der Franzosen: Valerie Trierweiler? Mögen wir nicht. Immerhin: Sie ist billiger als Vorgängerin Carla Bruni. Ihre zwei Angestellte und drei Beamten schlagen nur mit knapp 20.000 Euro monatlich zu Buche. Im Gegensatz zur Ex-Premiere-Dame. Ihre acht Mitarbeiter plus einige Dienstleister verschlangen fast 60.000 Euro.

Sein Kabinett

Sarkozy feierte einst seinen Wahlsieg auf der Yacht eines betuchten Freundes. Schlimm, fanden Hollande und die meisten anderen Franzosen. Eine untadelige Republik versprach er deshalb dem Volk - und ernannte mit Jerome Cahuzac einen Minister, der dem Präsidenten und den Franzosen seine Auslandskonten verheimlichte. Der musste dann zurücktreten. Das Vertrauen in die Reformwilligkeit des Kabinetts dürfte auch nicht gerade gewachsen sein, als bekannt wurde, dass ein nicht gerade kleiner Teil seiner Mannschaft wohlsituierte Multimillionäre sind. Der Slogan "President normale", mit er im Wahlkampf warb, erscheint jedenfalls nun in einem anderen Licht.

Die Aussicht

Nach nur einem Jahr steht der "Flamby" wie er spöttisch genannt wird, in der Buhmannecke. Unentschlossen und unglaubwürdig sei er, der einstige Hoffnungsträger. Laut Umfragen würden 61 Prozent der Franzosen im Fall einer Stichwahl mittlerweile sogar wieder Sarkozy wählen. Wie er da wieder rauskommt? Vermutlich gar nicht, wenn die Wirtschaft in Euroland nicht endlich wieder anspringt. Da helfen ihm auch keine französischen Anti-Islamisten-Militäreinsätze in Mali. Er könnte seinen Leuten in einer großen Rede vielleicht auch mal erklären, was er eigentlich will und wie er es zu erreichen gedenkt. Aber der gutmütige Monsieur Hollande will es allen recht machen. Und verdirbt es sich mit jedem.