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Frankreich Streit um Homo-Ehe droht zu eskalieren


Kurz vor der Schlussabstimmung zur Homo-Ehe entzündet sich der Konflikt in Frankreich erneut: Bei Demonstrationen kam es zu Ausschreitungen. Präsident Hollande verurteilte die "Homo-Feindlichkeit".

In mehreren Städten Frankreichs hatten am Mittwochabend erneut tausende Menschen gegen die von den Sozialisten geplante Einführung der Homo-Ehe demonstriert. In Paris griffen einige Demonstranten die Polizei an, die Tränengas einsetzte. Laut Innenminister Manuel Valls wurden Fahrzeuge sowie öffentliches Mobiliar auf dem Prachtboulevard Champs-Elysées beschädigt.

Valls rief die Gegner der Homo-Ehe dazu auf, rechtsextreme Gruppierungen bei ihren Demonstrationen nicht zu tolerieren. Elf Menschen wurden laut Polizei in Paris bei den Protesten festgenommen. Zuvor waren laut Polizei bereits 24 festgenommen worden, die eine Gegendemonstration veranstalten wollten.

Heftige Diskussionen im Parlament

Präsident François Hollande hob bei einem Termin am Donnerstag am Flughafen Roissy bei Paris hervor, dass keine Demonstration "ausarten" dürfe. Er kritisierte die Eskalation im Zusammenhang mit der Debatte um die Homo-Ehe: "Es gibt homosexuellenfeindliche Taten. Es gibt Gewalttaten, die begangen werden." Es sei inakzeptabel, dass Abgeordnete oder Minister bei öffentlichen Auftritten am Reden gehindert würden. Parlament, Gesetz und die Wahl vom vergangenen Jahr, aus der die Sozialisten siegreich hervorgegangen waren, müssten respektiert werden.

In der Nationalversammlung, wo seit Mittwochabend die zweite Lesung des Gesetzentwurfs stattfindet, prallten Befürworter und Gegner der Homo-Ehe hart aufeinander. Die sozialistische Justizministerin Christiane Taubira hielt der konservativen Opposition vor, sie schüre in der Bevölkerung ein Klima, das an einen "Spaghetti-Western" erinnere.

Der UMP-Abgeordnete Guillaume Larrivé warf ihr daraufhin "Vulgarität" vor. Zu einem Aufruhr kam es aber vor allem, als der UMP-Abgeordnete Philippe Cochet der Regierungsmehrheit wegen der Homo-Ehe vorhielt: "Sie sind dabei, Kinder umzubringen!"

Angriff auf Schwulenbar

Zwei sozialistische Abgeordnete aus dem westfranzösischen Département Vendée wurden indes wegen ihres Engagements für die Homo-Ehe bedroht. Sie sei per Post mit Entführung und einem Sprengstoffattentat bedroht worden, sagte Sylviane Bulteau. Ihrem Kollegen sei die Verwüstung seines Hauses angedroht worden.

Innenminister Valls verurteilte zudem den Angriff auf eine Schwulenbar am Mittwochabend in der nordfranzösischen Stadt Lille. Drei Angestellte wurden dort nach Angaben des Barbesitzers durch vier junge Männer mit kahlrasierten Schädeln leicht verletzt. Die Verdächtigen wurden wenig später festgenommen.

Die Einführung der Homo-Ehe in Frankreich ist so gut wie beschlossen. Nationalversammlung und Senat haben das Vorhaben der Regierung bereits in erster Lesung verabschiedet. Die zweite Lesung gilt als reine Formsache. Die Schlussabstimmung dürfte am nächsten Dienstag stattfinden. Die Regelung schließt auch ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ein. Auch in Neuseeland wurde die Einführung der Homo-Ehe kürzlich beschlossen.

juho/DPA DPA

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