VG-Wort Pixel

Ermittlungen gegen Sohn Jetzt legt sich Erdogan auch mit Italien an

Nach Deutschland nimmt Erdogan jetzt auch Italien ins Visier
Nach Deutschland nimmt Erdogan jetzt auch Italien ins Visier
© Kayhan Ozer/AFP
Recep Erdogan ist mal wieder empört - diesmal, weil die italienische Justiz wegen des Verdachts auf Geldwäsche gegen seinen Sohn Bilal ermittelt. Die Untersuchung könnte die Beziehungen zwischen den beiden Ländern gefährden, droht der türkische Präsident.

Nach der deutschen Justiz knöpft sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nun auch Italiens Richter vor. "Die italienischen Richter sollen sich mit der Mafia befassen, nicht mit meinem Sohn", sagte Erdogan am Dienstag dem Sender RaiNews24. Gegen seinen Sohn Bilal, der in Bologna sein Promotionsstudium abschließen will, wird seit Februar wegen Verdachts der Geldwäsche ermittelt.

Wie die Zeitung "Corriere della sera" schreibt, habe der Sohn das Land bereits im März verlassen - angeblich "aus Sicherheitsgründen". Im Jahr 2006 habe der heute 35-Jährige demnach an der Johns Hopkins University in Bologna sein Studium der Internationalen Beziehungen aufgenommen. Derzeit hält er sich der Zeitung zufolge in der Türkei auf und kann daher seine Promotion nicht fortsetzen.

Sein Sohn könne nicht zurückkehren, weil ihm dann eine Festnahme drohe, empörte sich Erdogan nun im italienischen Fernsehen. Er selbst werde in Bologna als Diktator beschimpft, und es gebe Demonstrationen für die von Ankara als Terrororganisation eingestuften Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). "Das soll Rechtsstaatlichkeit sein? Diese Angelegenheit könnte unsere Beziehungen zu Italien beeinträchtigen."

"Das nennt man Rechtsstaatlichkeit"

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi reagierte gelassen auf den Angriff Erdogans. "In diesem Land folgen die Richter dem Gesetz und der italienische Verfassung, und nicht dem türkischen Präsidenten. Das nennt man Rechtsstaatlichkeit", schrieb er auf Twitter. 

Auch ein Vertreter des italienischen Richterverbandes "Associazione nazionale magistrati" meldete sich der Zeitung "La Repubblica" zufolge zu Wort: "Statt mögliche Risiken für die Beziehungen zu Italien anzukündigen und sich aus persönlichen Gründen in die italienische Justiz einzumischen, sollte sich Präsident Erdogan lieber darum kümmern, den Rechtsstaat in seinem Land wiederherzustellen, indem er dafür sorgt, dass Tausende Richter und andere zu Unrecht festgehaltene Personen in der Türkei wieder aus der Haft entlassen werden."

Die Beziehungen der Türkei zu ihren westlichen Verbündeten befinden sich in einer Krise, seitdem Ankara mit aller Härte gegen mutmaßliche Unterstützer des gescheiterten Putschversuchs vom 15. Juli vorgeht. Erdogan warf dem Westen am Dienstag vor, "Terror" und Putschisten zu unterstützen. Zudem attackierte er die deutsche Justiz, die ihm untersagt hatte, sich während der Kölner Großdemonstration am Sonntag per Videobotschaft an seine Anhänger zu richten.

car AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker