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Berlin³: US-Strafzölle gegen die EU: Der Krieg beginnt

Wer bislang den Schuss nicht gehört hat – hier ist er. Die USA verhängen Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe. Der EU bleibt nur, auf die Zeit nach Trump zu warten.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (l.) und US-Präsident Donald Trump

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (l.) und US-Präsident Donald Trump

AFP

Jetzt geht es also los. Naiv, wer geglaubt hatte, es noch verhindern zu können. Die USA werden die EU mit Strafzöllen auf Stahl- und Aluminium-Importe belegen. So hat es US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross heute in Washington angekündigt. Ab Mitternacht würden die neuen Zölle für die EU, Kanada und Mexiko gelten.

Man muss nun nichts mehr künstlich dramatisieren. Es ist das vorläufige Ende eines am gegenseitigen Interesse orientierten Welthandels. Die Regeln von gestern, sie gelten nicht mehr. Es ist die bislang schmerzhafteste Variante jenes "America first" eines geschichtsvergessenen Donald Trump, die Europa nun zu spüren bekommt. Gibt es auch noch gute Nachrichten? Nein, die gibt es nicht.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die US-Strafzölle in einer ersten Reaktion als "vollkommen inakzeptabel" bezeichnet. "Das ist ein schlechter Tag für den Welthandel." Die EU werde in den kommenden Stunden mit Vergeltungszöllen auf die neuen Zölle reagieren. Der Krieg beginnt.

Ein Rennen, das Europa nicht gewinnen kann

Und so bricht nun los, was man in Europa um jeden Preis hatte vermeiden wollen – ein Reiz-Reaktionsmechanismus, voll mit Drohungen und gegenseitigen Reaktionen, mit neuen Zöllen und anderen Zöllen, die wiederum auf diese folgen.

Es ist ein Rennen, das Europa nicht gewinnen kann. Es ist aber auch eines, das es nicht verhindern kann.

Was folgt daraus? Zweierlei. Erstens: Die Annahme – insbesondere von der Bundesregierung – Trump mit einer Form der handelspolitischen Appeasement-Politik zum Einlenken zu bewegen, ist gescheitert. Das US-Vorgehen in Sachen Handelspolitik wird daher auch als Blaupause für alle Konfliktthemen zu nehmen sein, die zwischen den einstigen transatlantischen Partnern vorhanden sind – und da gibt es einige.

Zweitens: So banal es ist, aber die "Sprache der Stärke" ist offenkundig die einzige, die Trump zu verstehen bereit ist. Das gilt anderswo auf der Welt im Übrigen auch. Angela Merkel ist gerade mit einem ähnlichen Eindruck von ihrer China-Reise zurückgekehrt. Europa wird nur dort ernst genommen werden, wo es als mächtig angesehen wird. Für die anstehenden sich auftürmenden Probleme heißt das oberste Gebot deshalb: Die EU muss einen geschlossenen Auftritt hinlegen, will sie im Konzert der sich neu orientierenden Supermächte auf absehbare Zeit behaupten können. Eine geschlossene Antwort muss her. Ein enges Abstimmen aller, vor allem aber von Frankreich und Deutschland. Denn Trumps nächste Schritte werden nicht lange auf sich warten lassen. Er hat die deutsche Automobilindustrie im Visier. Es wird also noch schmerzhafter.