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Fall Osthoff: "Der Verdacht ist ehrabschneidend"

An Medienberichten, Susanne Osthoff hätte sich an ihrem eigenen Lösegeld bereichert, ist nichts dran. Diese Vorwürfe haben Ermittler und Diplomaten gegenüber stern.de dementiert.

Von Christoph Reuter

Mit Verwunderung haben Auswärtiges Amt und Bundeskriminalamt auf Presseberichte vom Wochenende reagiert, die vergangenen Dezember im Irak verschleppte deutsche Archäologin Susanne Osthoff sei möglicherweise in ihre eigene Entführung verstrickt gewesen. Laut einem Vorabbericht des Münchner Magazins "Focus" hatten Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Bagdad nach Osthoffs Freilassung Geldbündel in ihren Sachen entdeckt, während sie gerade duschte. Anhand des Nummernvergleichs habe sich herausgestellt, dass die Scheine aus der Lösegeldsumme stammten.

Verdachtsvorwürfe sind "ehrabschneidend"

Inbesondere die in Boulevardblättern geäußerte Schlussfolgerung, Osthoff habe mit ihren Kidnappern gemeinsame Sache gemacht, sei eine völlige Verdrehung der Tatsachen, so die mit dem Fall betrauten Ermittler und Diplomaten. Demnach hatte Osthoff bei ihrer Freilassung außer ihrer Kleidung einen kleinen Beutel dabei, in dem 4000 US-Dollar lagen - Geld, das ihr von den Entführern kurz vor ihrer Übergabe gegeben worden sei als Entschädigung für die ihr gestohlenen knapp 3000 US-Dollar und als Wiedergutmachung für die teilweise brutale Behandlung durch einige der Kidnapper. Sie habe weder versucht das Geld noch dessen Herkunft geheim zu halten.

Dass das Auswärtige Amt sich offiziell nicht äußert, liegt daran, dass es sich schlecht zu Details eines Lösegeldes äußern kann, das offiziell nie gezahlt wurde. Intern bewertete ein Diplomat die Verdachtsvorwürfe als "ehrabschneidend." Aufgrund ihrer unklaren Schilderungen, wie und wo genau sie entführt wurde, war in der Tat ganz am Anfang der Verdacht aufgekommen, Susanne Osthoff könnte in ihre eigene Entführung verwickelt gewesen sein. Doch dieser Anfangsverdacht wurde sowohl vom BKA wie vom Auswärtigen Amt nach kurzer Zeit verworfen, weil keinerlei Indizien für eine Verstrickung auftauchten.

Es gibt keinen "Restverdacht"

Ihre teilweise wirren Angaben führte man auf ihren Schockzustand sowie ihre anhaltende Angst zurück, die Entführer könnten sich auch außerhalb des Irak an ihr rächen. "Wäre da ein Restverdacht geblieben, hätten wir sie kaum in Dubai ihrer Wege ziehen lassen", so einer der Ermittler gegenüber dem stern: "Aber da war nichts, absolut nichts."

Bereits in der Botschaft in Bagdad sei nach ihrer Freilassung kurz über das Geld beraten und beschlossen worden, es ihr "auch aus humanitären Gründen" zu überlassen - zumal jene knapp 3000 US-Dollar, die ihr von den Entführern gestohlen worden, Zuschussgelder der deutschen Regierung für ihr Sanierungsprojekt in Mosul gewesen waren. Bislang gehe man, so heißt es im Auswärtigen Amt, davon aus, dass sie den ihr entwendeten und dann zurückgegebenen Betrag wie ursprünglich vorgesehen verwenden werde. Ebenso wie die 30.000 US-Dollar, die sie noch vor ihrer Entführung auf ein Konto eingezahlt hatte. Das Geld soll an den Bauunternehmer überwiesen werden, der die Renovierungsarbeiten leistet, "und dafür muss sie nicht im Irak sein, das kann sie auch vom Ausland aus tun, meinetwegen von Alaska", so einer der Diplomaten.