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Ex-Marine-Soldat: Festnahme in Moskau: Ist der US-Bürger Paul Whelan ein Spion? Familie und Experten zweifeln

Der russische Geheimdienst FSB nimmt einen Amerikaner fest und wirft ihm Spionage vor. Die Familie des Mannes widerspricht. Auch Experten zweifeln daran, dass Paul Whelan als Agent in Moskau gearbeitet haben könnte.

Video: Familie von mutmaßlichem US-Spion appelliert an russische Behörden

20 Jahre Haft drohen Paul Whelan, wenn die Vorwürfe stimmen sollten. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat den Amerikaner am 28. Dezember in Moskau festgenommen. Whelan sei auf frischer Tat "bei einem Akt der Spionage" ertappt worden, teilte die Behörde mit. Doch über die genauen Umstände schweigt sich der Dienst aus.

Mittlerweile beschäftigen sich auch höchste diplomatische Kreise mit dem Fall Paul Whelan. US-Außenminister Mike Pompeo fordert von den Russen eine Erklärung. Wenn seine Inhaftierung nicht rechtmäßig sei, werde man seine sofortige Freilassung verlangen. Immerhin durfte der US-Botschafter in Moskau den Gefangenen jüngst besuchen.

Wehlan arbeitete als Sicherheitschef

Wie der Sender CNN und die "Washington Post" berichten, war der 48-Jährige nicht das erste Mal in Russland. Schon während seiner Zeit im US-Marine Corps habe er das Land 2006 besucht - als Ersatz für den Heimat-Urlaub. 14 Jahre diente Whelan bei den Marines, war 2004 und 2006 im Irak im Einsatz. Trotz zweier Auszeichnungen musste er die Truppe 2008 verlassen. Er hatte sich die Sozialversicherungsnummer eines Kollegen ergaunert und Scheckbetrug begangen.

Nach seiner Zeit beim Militär tauchte Whelan in der Privatwirtschaft auf. Zuletzt arbeitete er seit 2017 beim Autozulieferer BorgWarner in Michigan. Er sei dort für die Sicherheit der Produktionsanlagen zuständig gewesen. Fabriken in Russland unterhalte die Firma aber nicht, berichtet CNN . Laut Recherchen der Zeitung "Die Welt" arbeitete BorgWarner im Bereich Entwicklung eng mit dem russischen Lkw-Hersteller Kamaz zusammen.

Touristen-Führer für andere Hochzeitsgäste

War der Amerikaner also doch nur privat nach Russland gereist? So stellen es seine Angehörigen dar. Sein Bruder sagte dem Sender CNN, er halte es für unmöglich, dass Paul ein Spion sei. Dieser sei wegen einer Hochzeit in Moskau gewesen. Paul Whelan sei im Moskauer Metropol Hotel abgestiegen und habe sich als Touristen-Führer für Hochzeitsgäste angeboten. Doch am 28. Dezember erschien er nicht bei einer Feier. Der FSB hatte ihn zu diesem Zeitpunkt schon festgesetzt.

In Sicherheitskreisen gilt es als unwahrscheinlich, dass Whelan von US-Diensten zur Spionage angeworben wurde. Ein ehemaliger CIA-Agent, der Operationen in Moskau leitete, sagte der Nachrichtenagentur AP, Whelan sei für einen Einsatz in der Hauptstadt völlig ungeeignet gewesen. Sein Abgang beim Militär hätte ihn von vorneherein disqualifiziert. Auch sei Moskau ein zu schwieriges Umfeld, um dort Anfänger spionieren zu lassen.

In den USA steht eine Russin unter Anklage

Die Festnahme Paul Wehlans fällt in eine Zeit, in der das Verhältnis zwischen den USA und Russland schwer belastet ist. Die US-Geheimdienste werfen Moskau Einmischung in die Präsidentschaftswahl 2016 vor. Der US-Sonderermittler Robert Mueller ließ im Zuge seiner Russland-Ermittlungen bisher 25 russische Staatsbürger anklagen, darunter Angehörige des Militärgeheimdienstes GRU. In Washington steht die russische Studentin Maria Butina als Agentin vor Gericht. Sie soll im Auftrag russischer Stellen versucht haben, Einfluss auf politische Organisationen in den USA zu nehmen.

stern-Journalist Andreas Petzold über Trump, Merkel und Saudi-Arabien beim G20-Gipfel in Argentinien
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