HOME

Gipfeltreffen in Japan: Warum sich Szenen wie in Hamburg beim G20-Gipfel in Osaka nicht abspielen

Beim G20-Gipfel in Hamburg 2017 kam es zu schweren Ausschreitungen und Krawallen. Sowas ist beim jetzigen G20-Gipfel in Osaka undenkbar. Das hat mit den Sicherheitsvorkehrungen und den Japanern selbst zu tun.

Links: Die Ausschreitungen bei den G20-Protesten 2017 in Hamburg. Rechts: Proteste in Osaka beim Gipfel 2019

Links: Die Ausschreitungen bei den G20-Protesten 2017 in Hamburg. Rechts: Proteste in Osaka beim Gipfel 2019

DPA / Getty Images

Zwei Tage lang haben die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Wirtschaftsmächte Zeit, sich beim G20-Gipfel im japanischen Osaka über die Probleme dieser Welt auszutauschen - und vielleicht sogar das eine oder andere Problem einer Lösung näher zu bringen. Die Themen auf dem Verhandlungstisch: der Handelskrieg der USA mit China, die Krise im Golf, Klimaschutz und Nordkorea, um die wichtigsten zu nennen.

Die Gefahr, dass es Gewaltexzesse wie beim G20 in Hamburg – übrigens seit 30 Jahren Osakas Partnerstadt – den Gipfel überschatten, geht dabei aber gegen null. Das liegt zum einen an den strengen Sicherheitsvorkehrungen. Laut japanischen Medien seien bis zu 32.000 Polizisten in der 2.7-Millionen-Stadt, mehr als damals in Hamburg. Außerdem seien Schließfächer an Bahnhöfen verschlossen, Überwachungskameras aufgestellt und das Fliegen von Drohnen untersagt worden. Der Verkehr ist zudem massiv eingeschränkt, die Bürger sind aufgerufen, ihre Autos zu Hause zu lassen. Öffentliche Schulen sind seit Donnerstag geschlossen, um die Zahl der Pendler zu reduzieren.

G20: keine Protestkultur in Japan

Ein solcher Aufwand sei aber laut Experten aber nicht notwendig.  "Japan hat seine Protestkultur verloren", so der Politikwissenschaftler Koichi Nakano von Tokios Sophia University. In den 1960er Jahren gingen noch Studenten gegen den Vietnam-Krieg und den Sicherheitsvertrag mit der US-Armee auf die Straße. Damals kam es auch zu Zusammenstößen militanter Demonstranten mit der Polizei.

In den folgenden Jahrzehnten hätten sich öffentliche Proteste zum Tabu entwickelt, sagt Professor Nakano und spricht von einer Stigmatisierung, die bis heute andauere. Erst mit der Atomkatastrophe in Fukushima 2011 kam es auch in Japan wieder zu Protesten - gegen die eigene konservative Regierung. Doch waren sie vergleichsweise klein und gewaltfrei. Der G20-Gipfel mobilisiert noch weitaus weniger Gegner: Zu einer Demonstration vor dem Gipfel kamen nach Angaben lokaler Medien gerade einmal 200 Teilnehmer.

Rappende Omis wollen Bild von Osaka aufpolieren

Japanische Protestierer sind tunlichst darauf bedacht, von der auf Harmonie und Freundlichkeit bedachten Gesellschaft ihres Landes ja nicht als gewalttätig gebrandmarkt zu werden. Das geht so weit, dass nach Demonstrationen Teilnehmer ihren eigenen Müll einsammeln. Statt zu protestieren singen beziehungsweise rappen die Bewohner Osakas lieber und versuchen so ihre Stadt positiv hervorzuheben.

Als Gastgeber des G20-Gipfels der Top-Wirtschaftsmächte kann Osaka aus dem Schatten Tokios treten - zwischen beiden Regionen herrscht seit langem Rivalität. Die Stadt ist vielleicht auch deswegen als Gipfelort ausgewählt worden, weil Tokio schon genug um die Ohren hat: im Herbst findet dort die große Thronbesteigungszeremonie für Japans neuen Kaiser Naruhito statt und im kommenden Jahr ist Tokio Ausrichter der Olympischen Sommerspiele.

Die Bewohner der pulsierenden Hafenmetropole nehmen den ganzen Trubel um G20 gelassen - schließlich sind sie bekannt dafür, unverkrampfter, spontaner und auch lustiger zu sein als die Menschen in der Hauptstadt Tokio. Wie auch die Rap-Omis es zeigen wollen.

US-Präsident Donald Trump (r.) gibt dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zum G20-Auftakt einen Rat

Quellen: "The Japan News", Nachrichtenagentur DPA

rw