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Gaza-Konflikt: Ben Gurion wird zum Geisterflughafen

Wo sonst Freunde und Verwandte warten, steht jetzt fast niemand: Am Flughafen von Tel Aviv herrscht gähnende Leere. Ein Drittel der Flüge wurde gestrichen. Für Israel ein immenser Schaden.

Der Gaza-Krieg beeinträchtigt nun auch massiv den internationalen Luftverkehr nach Israel. Zahlreiche Airlines stellten Verbindungen zum internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv wegen des dauernden Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen vorübergehend ein. Am Mittwoch seien 80 von insgesamt 209 Flügen gestrichen worden, sagte Flughafensprecherin Liza Dvir.

Die Zahl der Toten bei schweren Kämpfen in dem blockierten Palästinensergebiet stieg am Mittwoch auf über 650 binnen zwei Wochen. Rund 4050 weitere Menschen wurden nach Angaben der Rettungsbehörden verletzt. Mit dem Tod zweier Offiziere stieg die Zahl der getöteten israelischen Soldaten auf mindestens 29.

Wegen der Streichung der Flüge sind viele Israel-Reisende gestrandet. Israels Transportminister Israel Katz kritisierte die Entscheidung als "Belohnung für den Terror" der Hamas im Gazastreifen. Er betonte, die nationale Airline El Al werde mehr Flüge einsetzen, um gestrandeten Reisenden zu helfen. Israel öffnete den Militärflughafen Ovda in der Negev-Wüste im Süden des Landes als Ausweichmöglichkeit für internationale Flüge.

Ein Fluggast twitterte ein Foto vom vereinsamten Flughafen Ben Gurion:

Zahlreiche Flüge waren am Mittwoch gestrichen:

Lufthansa und Air Berlin setzen Flüge aus

Viele Israelis, die ins Ausland fliegen wollten, mussten wieder nach Hause fahren. Andere konnten nicht nach Israel zurückfliegen. Ein Flug der US-Airline Delta etwa hatte wegen der Reisewarnungen am Dienstag einen Zwischenstopp in Paris eingelegt.

Auch die deutschen Gesellschaften Lufthansa und Air Berlin setzten ab Dienstagabend alle für die nächsten 36 Stunden geplanten Flüge nach Tel Aviv aus. Lufthansa wollte im Verlauf des Tages über das weitere Vorgehen entscheiden.

Andere europäische Fluggesellschaften wie die französische Air France, die britische Easy Jet, die niederländische KLM, die spanischen Linien Iberia und Vueling und die lettische Air Baltic strichen ebenfalls Verbindungen nach Tel Aviv. Für US-Airlines galt ein 24-stündiges Verbot. Am Dienstagvormittag war in der Ortschaft Jahud nahe dem Flughafen eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete eingeschlagen.

Auch Journalist Richard Gutjahr war von der Situation am Flughafen betroffen:

Israel betont die Sicherheit der Flüge

Die US-Regierung verteidigte das befristete Flugverbot zum Tel Aviver Flughafen gegen Kritik aus Israel. Die Maßnahme diene einzig dazu, amerikanische Bürger und Airlines zu schützen, sagte US-Außenminister John Kerry nach Angaben seines Ministeriums in einem Gespräch dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Israel betonte hingegen die Sicherheit der Flüge nach Tel Aviv. "Wir sind überzeugt, dass wir den Flughafen schützen können", sagte der israelische Armeesprecher Peter Lerner. Gleichzeitig betonte Lerner jedoch, Israels Raketenabwehr sei "kein hermetisches System". Das System "Eisenkuppel" habe eine Erfolgsrate von etwa 90 Prozent. Es könne immer sein, dass eine Rakete durchrutsche.

Die Militäroffensive Israels im Gazastreifen geht mit unverminderter Härte weiter. Vor allem in dem Gaza-Viertel Sadschaija sei man gegen ein "Bataillon" der Hamas im Einsatz, sagte Lerner. Die Hamas verfüge weiterhin über bis zu 4500 Raketen. Es seien bisher 25 Tunnel mit mehr als 70 Zugängen gefunden worden.

Hamas lehnt Waffenruhe ab

Kerry und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatten am Dienstag ein sofortiges Ende der Gewalt gefordert. Der US-Außenminister appellierte insbesondere an die Hamas, einer Feuerpause mit Israel zuzustimmen. Ägypten hatte eine Waffenruhe vorgeschlagen, die die Hamas jedoch ablehnt. Kernforderung der Hamas für eine Waffenruhe ist eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten.

Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, wurde daraufhin endgültig Makulatur.

mka/DPA / DPA