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Gefechte: Heftige Gegenwehr vor Bagdad

Alliierte Truppen haben sich am Montag knapp 100 Kilometer südlich vor Bagdad erbitterte Kämpfe mit irakischen Truppen geliefert. Der Sender CNN berichtete, irakische Einheiten hätten sich im Gebiet der Städte Hilla und Hindija verschanzt und leisteten heftige Gegenwehr.

Amerikanische Bodentruppen haben sich am Montag erstmals südlich von Bagdad erbitterte Kämpfe mit den irakischen Elite-Truppen der "Republikanischen Garde" geliefert. Es seien die "ersten ernsthaften Zusammenstöße" mit den auf insgesamt 60 000 Mann geschätzten Kerntruppen Saddam Hussein zum Schutz der Hauptstadt gewesen, berichtete der britische TV-Sender BBC. Die US-Armee wolle damit "die Stärke der irakischen Einheiten testen". Sie seien bereits "bedeutend" geschwächt, erklärte das Pentagon.

<zwitit>Verschanzte Einheiten

Die irakischen Einheiten hätten sich im Gebiet der Städte Hilla und Hindija verschanzt und leisteten heftige Gegenwehr mit Artillerie und Raketenwerfern. Etwa 100 Iraker und ein Amerikaner seien getötet worden. Bei Kämpfen um die Kontrolle über die eingeschlossene zentralirakische Stadt Nadschaf wurden nach Angaben von BBC ebenfalls viele Iraker getötet.

Nadschaf noch immer umkämpft

Bei den Gefechten um Nadschaf sollen nach BBC-Angaben etwa 100 irakische Soldaten getötet und 50 gefangen genommen worden sein. Über Opfer unten den US-Einheiten wurde nichts bekannt. Am Samstag hatte sich bei Nadschaf ein Iraker in die Luft gesprengt und vier amerikanische Soldaten mit in den Tod gerissen. Die Stadt, die den Schiiten heilig ist, liegt etwa 120 Kilometer südlich von Bagdad.

Großoffensive gegen Basra

Britische Truppen begannen am Montag nach BBC- Angaben in Abu el Chasib, einem südlichen Vorort von Basra, ihre bislang größte Offensive. Der Vorort sei eingenommen worden. Er gilt als "Tor zu Basra". Die Einheiten, insgesamt rund 1.000 Mann, seien etwa eineinhalb bis zwei Kilometer von Basra entfernt, hieß es. Die Stadt sei praktisch umzingelt, sagte eine BBC-Reporterin. CNN berichtete, der Flüchtlingsstrom aus der Stadt reiße nicht ab. Ein Militärsprecher sagte, nördlich von Basra seien Hunderte von irakischen Soldaten gefangen genommen und 17 irakische T-55-Panzer zerstört worden.

Alliierte Kontakte zu irakischen Führern

Die USA haben nach eigenen Angaben Kontakte mit mehreren zivilen und militärischen Führern im Irak, um sie zur Aufgabe zu bewegen. Derartige Bemühungen, über die US-Stellen bereits zum Auftakt des Irak-Krieges berichtet hatten, dauerten an, sagte General Vincent Brooks vom US-Zentralkommando am Montag in Doha (Katar). Es gebe Kontakte auf "verschiedenen Ebenen". Zum Teil basierten sie auf Informationen von gefangen genommen irakischen Soldaten.

Große Töne aus Bagdad

Der irakische Außenminister Nadschi Sabri forderte die alliierten Truppen zum sofortigen Abzug aus dem Irak auf. Während die Amerikaner ihre Luftangriffe auf die irakische Hauptstadt fortsetzten, sagte er vor der Presse in Bagdad: "Den Invasoren bleibt gar nichts anderes übrig, als aufzugeben". Sonst würden noch viele britische und amerikanische Soldaten ihr Leben verlieren. Bislang kamen nach CNN- Angaben mindestens 67 alliierte Soldaten ums Leben.

Der stellvertretende irakische Ministerpräsident Tarik Asis verteidigte in einem Interview des US-Senders ABC Selbstmordangriffe im Irak-Krieg. Die Invasion gebe das Recht auf Verteidigung mit allen Mitteln. Diejenigen, die die Eindringlinge bekämpften, seien "Freiheitskämpfer und Helden", keine Terroristen.

Wer gerät ins Visier der Amerikaner?

US-Außenminister Colin Powell forderte am Sonntagabend (Ortszeit) die irakischen Nachbarstaaten Iran und Syrien auf, sich jetzt gegen den Terrorismus und für den Frieden zu entscheiden. Iran müsse sein Streben nach Massenvernichtungswaffen einstellen und seine "Opposition gegen alle Terrorgruppen erklären, die gegen den Friedensprozess im Nahen Osten arbeiten", sagte der Minister. Syrien stehe ebenfalls vor einer entscheidenden Wahl: Es müsse damit aufhören, Terroristen-Gruppen im "sterbenden Regime" des irakischen Präsidenten Saddam Hussein zu unterstützen, sagte Powell. Iran warf Washington vor, eine Hegemoniestellung im Nahen Osten anzustreben.

Irakische Kämpfer aus dem Exil

Die irakische Armee erhält nach einem CNN-Bericht Unterstützung von etwa 6.000 Exil-Irakern, die über die jordanische Grenze in ihr Heimatland zurückgekehrt seien, um gegen die Alliierten zu kämpfen. Der britische Sender BBC berichtete unter Berufung auf US- Geheimdienstinformationen, militante Islamisten verstärkten die irakischen Truppen bei Nasirija im Süden des Landes. Dabei handele es sich unter anderem um Palästinenser, Jemeniten und Tschetschenen.

Probleme für Hilfsorganisationen

Die US-Luftangriffe der vergangenen Tage zerstörten weitgehend das irakische Telekommunikationssystem, wodurch auch die Arbeit der internationalen Hilfsorganisationen weiter erschwert wurde. Es sei unmöglich geworden, Informationen und beunruhigende Gerüchte aus den verschiedenen Landesteilen zu überprüfen, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Bagdad mit. Nach IKRK-Angaben wurden seit Kriegsbeginn täglich rund 100 Zivilisten verletzt. Die Iraker seien gut in der Lage, mit den zivilen Kriegsverwundeten fertig zu werden, sagte ein Vertreter der Organisation in Bagdad.

DPA