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George W. Bush: "Wir sind eine Nation in Gefahr"

US-Präsident Bush will mit der Ernennung eines nationalen Direktors für alle amerikanischen Geheimdienste sowie mit zahlreichen anderen Maßnahmen die Sicherheit der USA erhöhen.

Die Sicherheitsmaßnahmen in den USA sind auf Grund konkreter Erkenntnisse über neue Terrorgefahren massiv verstärkt worden. US-Präsident George W. Bush kündigte am Montag eine Reform der US-Geheimdienste, die Ernennung eines neuen obersten Geheimdienstdirektors sowie die Schaffung eines Zentrums für Terrorismusbekämpfung an. Die jüngsten Warnungen vor Terroranschlägen auf die US-Finanzzentren seien eine "ernste Erinnerung an die anhaltende Bedrohung, mit der wir konfrontiert sind", sagte Bush am Montag in Washington. "Wir sind eine Nation in Gefahr."

Die am Sonntag ausgesprochenen Terrorwarnungen für die Finanzzentren in Washington, New York und Newark wurden auf Grund der jüngsten Festnahme von Schlüsselfiguren der Terrororganisation El Kaida in Pakistan ausgelöst. Die Verhöre der Verhafteten und beschlagnahmte Computer ermöglichten nach US-Medienangaben den US-Geheimdiensten wichtige Einblicke in die Terrorpläne und Kommunikationsstrukturen von El Kaida. Vor allem der am 13. Juli festgenommene Mohammed Naem Noor Khan (25) hat der "New York Times" zufolge zahlreiche Details - so auch über seit Jahren geplante Anschläge auf die Finanzzentren - berichtet.

Sicherheitsmaßnahmen verstärkt

Die Sicherheitsvorkehrungen für die Gebäude der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington sowie die Börse und mehrere Bankgebäude in New York und Newark ( New Jersey) wurden am Montag erheblich verstärkt. Heimatschutzminister Tom Ridge hatte für Washington und Newark die Terrorwarnung "Orange" (hoch) ausgerufen. In New York besteht diese zweithöchste Warnstufe bereits ununterbrochen seit den Anschlägen vom 11. September 2001.

Hinweise auf die bevorstehenden Anschläge wurden einem Bericht des US-Senders CNN zufolge in den E-Mails des in der vergangenen Woche verhafteten Tansaniers Ahmed Khalfan Ghailani gefunden. Zudem sei ein Verdächtiger festgenommen worden, der ein Computer-Experte sei und nun mit den pakistanischen Behörden zusammenarbeite.

Der Holland Tunnel ist bis auf weiteres gesperrt

El Kaida hat laut der "New York Times" schon vor Jahren begonnen, Tage und Uhrzeiten auszuspionieren, an denen sich die meisten Menschen in den Hauptquartieren von IWF oder Weltbank aufhielten. Zudem sei untersucht worden, wie groß Bomben seien müssten, um die Gebäude zum Einsturz zu bringen. Die Terrororganisation soll auch geprüft haben, ob entführte Öltanker als Waffe eingesetzt werden könnten. Diese Themen seien von El Kaida übers Internet und E-Mail-Adressen in der Türkei, in Nigeria und Pakistan erörtert worden. Khan habe Codes, mit denen die Nachrichten verschlüsselt wurden, den Behörden verraten. Die Führung der El Kaida befindet sich dem Bericht zufolge im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan.

In Washington wurden nach Angaben der Polizei die Kontrollen deutlich verstärkt und zahlreiche Überwachungskameras im Zentrum der Stadt aktiviert. Zudem würden verstärkt Sprengstoff-Spürhunde eingesetzt. Die gefährdeten Gebäude von Weltbank und IWF befinden sich in unmittelbarer Nähe des Weißen Hauses. Vor dem Hauptquartier des bedrohten Konzerns Prudential Financial in Newark sowie vor den Filialen der Citibank in Manhattan zogen Anti-Terroreinheiten auf. Der Holland Tunnel - eine der Hauptverbindungen zwischen New Jersey und Manhattan - wurde bis auf weiteres gesperrt.

Bush kündigt Geheimdienstreform an

Die US-Behörden befürchten mögliche Anschläge im Vorfeld des Parteitages der Republikaner Ende August. Auf ihm soll Bush als Kandidat seiner Partei für die Wiederwahl nominiert werden. Die Polizei und das FBI hatten bei einer Krisensitzung Hinweise darauf ausgewertet, dass El Kaida versuche, Attentäter über Mexiko in die USA zu schleusen. Neben Bombenanschlägen von Selbstmordtätern würden die Behörden auch Angriffe mit bakteriologischen Materialien oder giftigen Gasen befürchten.

Das neue Anti-Terrorismus-Zentrum soll nach den Worten von Bush vor allem als Datenbank für alle Informationen über Terroristen und den Kampf gegen den Terrorismus dienen sowie Analysen erstellen und die Anti-Terroraktivitäten der US-Behörden verfolgen und koordinieren helfen. Bush folgt mit der Reform der Geheimdienste den Empfehlungen der Untersuchungskommission zu den Anschlägen vom 11. September 2001. Der künftige vom Präsidenten berufene Geheimdienstdirektor, der keinen Kabinettsrang haben werde, soll «der erste Geheimdienstberater des Präsidenten sein und die in- und ausländischen Aktivitäten der Dienste überblicken und koordinieren.» Der Auslandsgeheimdienst CIA bleibe aber unter der Führung des CIA-Direktors.