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Griechenland und die Troika: Zwei Deutsche und ein Däne regieren Athen

Die Troika kontrolliert, ob Griechenland weiteres Geld bekommt. Doch wer ist das? An der Spitze stehen drei Männer, die Öffentlichkeit meiden – und an deren Urteil die Weltwirtschaft hängt.

Von Ina Linden

Sie sind die Männer der Stunde: das Dreiergespann aus Matthias Mors, Klaus Masuch und Poul Thomsen. Sie entscheiden darüber, ob Griechenland pleite geht oder ob die nächsten Milliarden fließen können. Es ist deshalb gar nicht sehr übertrieben zu sagen: An diesen drei Männern hängt das Schicksal der Weltwirtschaft. Mors, Masuch und Thomsen sind die Vertreter der sogenannten Troika. Sie repräsentieren die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und den Internationalen Währungsfonds (IWF). Diese Institutionen überprüfen, ob Athen alles tut, um seinen Schuldenberg abzubauen. Wenn ja, steht aus dem Rettungsschirm weiteres Geld für die Griechen bereit. Wenn nein, dann wird es zappenduster an der Akropolis.

Poulsen, Mors und Masuch - ein Däne und zwei Deutsche - sind erfahrene Technokraten, sie blicken auf lange Karrieren in ihren Institutionen zurück. In der Öffentlichkeit haben sie sich bisher eher selten gezeigt.

IWF-Troika-Chef Poul Thomsen findet die richtigen Worte

Am bekanntesten ist noch der Chef der IWF-Gesandtschaft, Poul Thomsen. Den Dänen begleiten auf seinen Athen-Besuchen acht bis zwölf Mitarbeiter, darunter Finanz-, Haushalts- und Bankenexperten. Thomsen ist stellvertretender Leiter der Europaabteilung und arbeitet seit 1982 für den Währungsfonds. Mit Krisenländern hat er Erfahrung: Schon bei dem durch die Finanzkrise stark gebeutelten Island leistete er als Chefverhandler erste Hilfe. Früher schon leitete er IWF-Einsätze im ehemaligen Jugoslawien, Slowenien und Rumänien. Er vertrat den Währungsfonds in Belgrad und von 2001 bis 2004 in Moskau.

In der Öffentlichkeit präsentiert sich der Däne als Vermittler. "Ich hatte ausschließlich positive Erfahrungen", sagte Thomsen vor einem Jahr zu einem Journalisten der griechischen Zeitung „To Vima“, der ihn fragte, ob er sich im maroden Ägäisstaat nicht unerwünscht fühle. "Die Leute sind äußerst freundlich und verstehen, dass wir hier sind, um zu helfen."

Matthias Mors ist einer der erfahrensten Eurokraten

Das Team der Europäischen Kommission wird von Matthias Mors geleitet. Anders als seine Kollegen, die schon mal ein Lächeln für die Pressefotografen übrig haben, sieht man Mors stets perfekt gescheitelt und mit versteinerter Miene. Mit dem 48-jährigen Deutschen hat der europäische Kommissar für Wirtschaft und Finanzen, Olli Rehn, einen seiner erfahrensten Eurokraten nach Athen geschickt, heißt es aus EU-Kreisen. In der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen hat er den Posten eines Direktors für die „Volkswirtschaften der Mitgliedsstaaten“ inne. Der Wirtschaftswissenschaftler studierte in München, Regensburg und Oxford, bevor er 1984 bei der Europäischen Kommission anheuerte. Seit zwei Jahren berät Mors eine Expertengruppe um Frankreichs ehemaligen Zentralbankchef Jaques de Larosière und hilft dabei, Reformvorschläge für die Regulierung der Finanzmärkte zu erarbeiten

Klas Masuch- locker im Auftreten, hart im Verhandeln

Für die europäische Zentralbank überprüft mit Klaus Masuch ebenfalls ein Deutscher die Spar- und Reformbemühungen der Griechen. Etwa zehn Spitzenbeamte gehören zu seinem Team, unter ihnen Banken- und Finanzmarktfachleute. Masuch leitet innerhalb des Direktorats für wirtschaftliche Entwicklungen die Abteilung für die einzelnen Mitgliedsländer. Vor seiner EZB-Laufbahn arbeitete der Finanzprofi für die Bundesbank und das Europäische Währungsinstitut. Der Deutsche kennt sich nicht nur mit den griechischen Schuldenproblemen aus: In einer ähnlichen Mission reiste Masuch im November 2010 zusammen mit Experten des IWF und der Europäischen Kommission nach Irland, um sich ein Bild von der Haushaltspolitik zu machen und mit Politikern und Finanzexperten zu reden.

Auf Bildern ist er der einzige der Troika-Vertreter, den man schon mal locker gekleidet sieht - im Kurzarmhemd, das Sakko in der Hand, die Aktentasche locker über der Schulter. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, weiß der Deutsche die Hemdsärmeligkeit in Verhandlungen jedoch abzulegen. So habe er bei Verhandlungen im griechischen Arbeitsministerium erklärt, ein Rentner lebe mit 720 Euro im Monat gar nicht mal schlecht.

Das Hauptproblem ist, schnell an Geld zu kommen

Aus dem IWF heißt es, die Zusammenarbeit der drei Teams sei außerordentlich eng. Die drei Delegationschefs seien einander gleichgestellt. Die Beamten schauten sich Daten und Statistiken an, nationale Gesetze sowie die Athener Wirtschafts- und Finanzpolitik. Gemeinsam mit den Fachleuten in Ministerien und Ämtern versuche man Lösungen zu finden.

Das Hauptproblem sei, möglichst schnell an Geld zu kommen, heißt es aus Troika-Kreisen. Man versuche, neue Steuern aufzulegen und ausstehende Steuern schneller einzutreiben. Die Delegationen seien sich darüber einig, dass man bei Löhnen und Renten nicht mehr viel kürzen könne.

Mit der Griechenland-Mission haben die Rettungsbemühungen der drei Institutionen eine neue Intensität erreicht. In Athen seien die Strukturprobleme um einiges tiefer als das in Lettland und Ungarn der Fall war, heißt es aus den Institutionen. In Lettland und Ungarn hatten die Partner zuvor bereits gemeinsam gearbeitet – in Griechenland testen die Teams bereits zum fünften Mal mehrere Wochen lang, ob die Hellenen ihre Reformversprechen einhalten. Für die EU-Sorgenkindern Irland und Portugal laufen mittlerweile ähnlich enge Kooperationen.