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Ground Zero in Unruhe: Der Tag der lauten Töne

Gezänk übertönt Gedenken: Zum neunten Jahrestag der Terroranschläge auf das World Trade Center haben sich Gegner und Befürworter der "Moschee am Ground Zero" lautstarke Auseinandersetzungen geleifert. Mittendrin der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders.

Anfangs war es am Ground Zero wie in den Jahren zuvor auch. Schweigeminuten wurden eingehalten, Glockenschläge ertönten und tröstende Lieder erinnerten an den grauenvollen Tag vor neun Jahren, an dem 2752 Menschen in den Trümmern der Zwillingstürme ihr Leben verloren. Familienangehörige hatten Bilder in den Händen und Tränen in den Augen während über Stunden hinweg die Namen der Toten verlesen wurden.

Abseits der stillen Trauerfeier machte sich aber die hitzige Debatte über "Moschee am Ground Zero" Luft, die seit Wochen gärt. Beide Lager hatten am Samstag für Kundgebungen Tausende von Anhänger mobilisiert. Die Gegner unter dem Banner der beiden Organisationen "Freedom Defence Initiative" und "Stop Islamization of America" skandierten teilweise im hysterischen Ton "Keine Moschee" und schwenkten patriotische Sternenbanner.

Der niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders provozierte dort am Rednerpult mit der Verdammung des Islams als "Macht der Finsternis". "Wir müssen die Grenze ziehen, so dass New York, das auf niederländischer Toleranz aufbaut, niemals New Mekka wird", rief Wilders laut "New York Times" unter großem Beifall.

Ein starkes Polizeiaufgebot und Barrikaden sorgten dafür, dass die Gegen-Demos mehrere Blocks voneinander entfernt blieben. "Trauer ist kein Grund für Krieg und Bigotterie" stand auf den Plakaten der Befürworter "International Action Centers", die sich am Broadway neben dem Rathaus versammelt hatten. "Lass doch die Muslime ihre Moschee bauen. Sie dafür verantwortlich zu machen, was am 11. September passiert ist, ist lächerlich", rief eine Teilnehmerin.

Obwohl die Emotionen hoch kochten, blieb die Stimmung friedlich. Die New Yorker Polizei meldete keine einzige Verhaftung. Zur Dramatik des Tages passte allerdings, dass sich der radikale Pastor Terry Jones aus Florida, der mit Koranverbrennung gedroht hatte, in New York aufhielt. Er hatte die Verbrennungen für den 11. September abgesagt, wollte sich aber stattdessen mit dem New Yorker Imam Feisal Abdul Rauf treffen, der die Moschee zwei Blocks nördlich des ehemaligen World Trade Centers bauen will.

In die sogenannte "Moschee am Ground Zero" ist als Gemeindezentrum geplant. Neben Konferenzräumen, einer Bibliothek, einem Theatersaal und Schwimmbad, wird es auch einen Gebetsraum erhalten. Das Zentrum, das zwei Blocks von Ground Zero entfernt ist, soll allen Besuchern offen stehen.

DPA/DPA