Häuserkampf Der Albtraum der US-Militärs

«Bebautes Gebiet sollte nur angegriffen werden, wenn es keine andere Möglichkeit gibt», heißt es im Handbuch des US-Heeres. Denn beim Kampf um Häuser und Straßen haben Angreifer meist einen hohen Blutzoll zahlen müssen.

Ein Häuserkampf in Basra oder gar in der irakische Fünf-Millionen-Stadt Bagdad gilt als Albtraum der US-Militärs. «Bebautes Gebiet sollte nur angegriffen werden, wenn es keine andere Möglichkeit gibt», heißt es im Handbuch des US-Heeres. Denn beim Kampf um Häuser und Straßen («urban warfare») haben Angreifer meist einen hohen Blutzoll zahlen müssen.

Das Risiko, in einen Hinterhalt zu geraten, ist sehr hoch. Soldaten brauchen zudem starke Bewaffnung und viel Munition, können aber nur bis zu 25 Kilo Gepäck mitnehmen. Panzer oder Kampfhubschrauber können ihnen in Gassen kaum Schutz bieten. Angreifer müssen sich auf Sprengfallen und Heckenschützen gefasst machen.

Traurige Berühmtheit haben die Häuserkämpfe 1943 in Stalingrad mit vielen zehntausend Toten erlangt. Der letzte große «urban warfare» der USA war im Vietnam-Krieg: 1968 besetzten die Vietcong die Stadt Hué und begannen ihre Tet-Offensive. Bei der Rückeroberung starben neben tausenden Vietnamesen offiziell 119 US-Soldaten. Die Schlacht wurde oft als Wendepunkt des Krieges bezeichnet.

Halbinsel Fao - Iraks einziger Zugang zum Meer

Die zwischen Kuwait und Iran in den Persischen Golf ragende Halbinsel Fao ist von großer strategischer Bedeutung. Das schmale Landstück am Schatt el Arab, dem Mündungsfluss von Euphrat und Tigris, ist für den Irak der einzige Zugang zum Meer. Der seit 1951 ausgebaute Hafen von Fao ist zugleich einziger Ölhafen des Iraks und Endpunkt der südirakischen Ölpipeline.

Schon im irakisch-iranischen Krieg (1980-1988) war die Halbinsel heftig umkämpft. Im Februar 1986 eroberten iranische Truppen in einer Großoffensive die Küstenregion und bedrohten von dort aus das seinerzeit als Nachschubbasis für den Irak dienende Öl-Scheichtum Kuwait, die Ölfelder von Kirkut und die strategisch ebenfalls wichtige Stadt Basra.

In der Schlacht von Fao sollen damals auf beiden Seiten bis zu 170 000 Soldaten gefallen sein. Im April 1988 eroberten die Iraker die Halbinsel zurück. Bei den Kämpfen um Fao setzte der Irak nach späteren UN-Ermittlungen auch Giftgas ein.

Umm Kasr - der einzige Tiefwasserhafen Iraks

Die von den Alliierten eroberte Stadt Umm Kasr hat den einzigen Tiefwasserhafen Iraks. 1967 wurde die Hafenanlage am nordwestlichen Persischen Golf eröffnet, im Golfkrieg 1991 stark zerstört, danach aber wieder aufgebaut.

Zu Beginn der Krieges zwischen dem Irak und Iran (1980-88) gewann Umm Kasr an Bedeutung, weil der nach Basra führende Wasserweg des Schatt el Arab stark umkämpft und zudem durch gesunkene Schiffe blockiert war.

Der Verlauf der Grenze im Hafenbereich ist zwischen dem Irak und Kuwait umstritten. 1993 stellten die Vereinten Nationen große Teile des Hafenbereiches unter kuwaitische Hoheit.

Basra - die Metropole der Schiiten

Die Stadt Basra ist die wichtigste Metropole im mehrheitlich von schiitischen Moslems bewohnten Südirak. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz mit rund 1,3 Millionen Einwohnern liegt am Ufer des Flusses Schatt el Arab, der beim Zusammenfluss von Euphrat und Tigris entsteht. Die Stadt dient dem Irak als wichtigster Seehafen und liegt rund 100 Kilometer vom Persischen Golf entfernt.

Basra erlitt in zwei Golfkriegen und folgenden Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und dem irakischen Militär so schwere Schäden, dass die Stadt den Rang als zweitgrößte Stadt einbüßte und nun hinter Bagdad und dem kurdischen Mosul rangiert. Sie beherbergt Ölraffinerien und chemische Industrie. Durch alliierte Luftangriffe im Golfkrieg von 1991 wurden viele Produktionsstätten, Hafenanlagen, Straßen sowie die Strom- und Wasserversorgung zerstört. Die Schäden sind noch immer nicht vollständig behoben. Basra bildet auch das Zentrum der landwirtschaftlich geprägten Region, deren Bauern vor allem Datteln, Getreide, Reis und Hirse anpflanzen.

Gegründet wurde Basra im 7. Jahrhundert als arabischer Militärstützpunkt und Handelsplatz. Ungeachtet des Wüstenklimas und der schwierigen Wasserversorgung wurde die Stadt schon bald ein blühendes Zentrum der arabischen Kultur, Wissenschaft und des Handels. Zahlreiche Baudenkmäler zeugen noch heute davon.

Kirkuk - das Zentrum der irakischen Ölindustrie

Die Stadt Kirkuk ist das Zentrum der irakischen Ölindustrie und daher von hoher strategischer Bedeutung. Von hier aus führt eine Pipeline nach Ceyhan an der türkischen Mittelmeerküste. Die reichen Ölvorräte dieser mehrheitlich von Kurden bewohnten Region könnten - das ist die große Sorge der Türkei - nach dem Krieg auch die wirtschaftliche Grundlage eines unabhängigen Kurdistans sein.

Die Kurden betrachten bei ihren Plänen für einen eigenen Staat das 275 Straßenkilometer nördlich von Bagdad gelegene Kirkuk als traditionelle Hauptstadt. Es liegt allerdings nicht in ihrer halbautonomen Region. Das Regime in Bagdad forcierte in den vergangenen Jahren unter anderem mit der Vertreibung von Kurden eine Arabisierung der Stadt. In und um Kirkuk leben auch zahlreiche türkischstämmige Turkmenen, die ebenfalls Anspruch auf die Stadt erheben und deren Schutz Ankara nach eigener Darstellung ein großes Anliegen ist. Zuverlässige Zahlen zur Einwohnerzahl der Stadt gibt es nicht. Schätzungen gehen von etwa 550 000 Menschen aus.

Im Kurdenaufstand von 1991 kämpften Kurden und Iraker tagelang um Kirkuk. Blutige Schlachten um die an wichtigen Handelsstraßen gelegene Siedlung gab es auch schon zu babylonischer Zeit.

Mosul - die «Perle des Nordens»

Mosul zählt zu größten Städten des Iraks und ist wichtigster Verkehrsknotenpunkt im Norden des Landes. Es liegt rund 400 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bagdad am rechten Ufer des Tigris gegenüber der historischen Ruine von Ninive, Zentrum des Assyrerreiches von 704 bis 612 vor Christus. In der auch «Perle des Nordens» genannten Universitätsstadt und ihren Vororten leben rund eine Million Menschen, mehrheitlich Kurden neben einer großen Minderheit arabisch-sprachiger, assyrischer Christen und einer kleineren der Turkmenen.

Die Ölfelder östlich und nördlich der Stadt zählen zu den wichtigsten im Irak. Neben den Erdölraffinerien gibt es Textil-, Zement- und Zuckerindustriekomplexe. Die Stadt verfügt über einen Flughafen und wichtige Straßen- und Schienenverbindungen nach Bagdad und anderen irakischen Städten.

Schon in seiner frühen Geschichte war Mosul ein bedeutendes Zentrum auf der Handelsroute zwischen Indien, Persien und dem Mittelmeer. Berühmt wurde sie durch feine Baumwollstoffe und Lederprodukte. So ist der Kleiderstoff Musselin nach der Stadt Mosul benannt.

Nahe der Hauptstadt der Provinz Ninive befindet sich ein Palast des irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Zuletzt war Mosul, das innerhalb der nördlichen Flugverbotszone liegt, Hauptquartier mehrerer Divisionen der irakischen Armee.

Bagdad - die Hauptstadt

Bagdad ist seit 1920 Hauptstadt des Irak und mit fast fünf Millionen Einwohnern die größte arabische Stadt Vorderasiens. Etwa jeder fünfte Iraker lebt in diesem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Landes. Die Zerstörungen aus dem Krieg von 1991, an den eine 2001 eröffnete Moschee mit dem Namen «Mutter aller Schlachten» erinnert, wurden weitgehend behoben. Prachtbauten, Brücken und Hochhäuser wurde neu gebaut.

Das Porträt von Präsident Saddam Hussein ist allgegenwärtig in den Straßen und an öffentlichen Gebäuden. Zwei stählerne Fäuste, die den Sockel eines martialischen Triumphbogens in Form gekreuzter Schwerter bilden, sollen Nachbildungen der Fäuste Saddams sein.

Eine umfassende Sanierung der Metropole am Ufer des Tigris hat seit den 50er Jahren zahlreiche Blocks des sozialen Wohnungsbaus entstehen lassen. Vom alten Bagdad ist kaum etwas erhalten. Die Altstadt und ihr Basar wurden für ein modernes Geschäftszentrum mit breiten Boulevards abgerissen. Zum Wahrzeichen der Stadt wurde die Goldene Moschee mit ihren weithin sichtbaren glänzenden Zwillingskuppeln und Minaretten. Sie ist eines der größten Heiligtümer der Schiiten.

Das Irak-Museum beherbergt Funde von den wichtigsten Ausgrabungsorten Mesopotamiens. Zu den wenigen historischen Bauwerken, die zumindest teilweise erhalten geblieben sind, gehören das Talisman-Tor, eine Karawanserei aus dem 12. Jahrhundert und die Reste des Abbasiden-Palastes. Das 762 gegründete Bagdad erlebte seine Blütezeit im 9. Jahrhundert unter dem Kalifen Harun al Raschid, bekannt aus den «Märchen aus 1001 Nacht».

Saddam Husseins Paläste

Acht Präsidentenanlagen Husseins mit mehreren hundert Gebäuden - Paläste, Gästehäuser und Büros mit einer Gesamtfläche von 31 Quadratkilometern - haben die UN-Inspekteure vor dem erzwungenen Ende ihrer Mission 1998 untersucht. Sie entdeckten allerdings keine Hinweise auf geheime Waffenlager.

Über die Besitzungen des irakischen Herrschers sind gesicherte Informationen selten. 1998 ging die Regierung des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton von insgesamt 78 Palästen oder Villen im Besitz von Saddam aus. Heute sprechen viele Quellen von rund 50 derartiger Anwesen, die nur Saddam und seinen Vertrauten zugänglich und weiträumig gesichert sind.

Über Standorte und Ausstattung wird häufig spekuliert. Berichte über Springbrunnen und Fontänen, Swimmingpools, Seen, Marmorhallen, goldene Türklinken oder Statuen Husseins erinnern an Schauplätze der Märchen aus «Tausendundeine Nacht». Nach Angaben von Journalisten soll es etwa in der Hauptresidenz Radwanija bei Bagdad künstliche Seen geben, auf denen exotische Vögel schwimmen. Andere Irak-Kenner sprachen dagegen von «gut ausgestatteten Villen» oder «wenig spektakulären» Wohnhäusern, die Saddam etwa in der Hauptstadt nutze.

Einige Areale der Paläste Husseins sollen gigantische Ausmaße haben. Der kürzlich von der britischen Regierung veröffentlichte Bericht über das irakische Waffenarsenal zeigt die Satellitenaufnahme einer Anlage, genannt «Palast». Darin ist zum Größenvergleich der Londoner Buckingham Palace als kleiner weißer Fleck eingezeichnet. Außer in Bagdad soll Saddam Residenzen in seinem Geburtsort Tikrit, am Thartar-See oder in der Hafenstadt Basra haben. Eines der Familiendomizile liegt nördlich der Provinzhauptstadt Mosul auf einer Felsspitze. Aus Sicherheitsgründen wechselt der irakische Herrscher seine Paläste häufig.

DPA

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