HOME

Hamas: "Jeden Tropfen Blut rächen"

Abdel Asis Rantisi, 56, ist seit einer Woche der neue Hamas-Chef im Gaza-Streifen. Anders als sein Vorgänger, der ermordete Scheich Ahmed Jassin, gilt der Kinderarzt innerhalb seiner Organisation als Hardliner.

Herr Rantisi, hat Israel die Hamas mit der Ermordung von Scheich Ahmed Jassin nicht empfindlich geschwächt?

Nein, ganz im Gegenteil. Wir sind stärker als zuvor und genießen die Anerkennung der Muslime überall auf der Welt. Unsere Antwort auf Israels Verbrechen wird schrecklich sein.

Aber liegen Ihre Fraktion aus Gaza und die Führung im syrischen Exil nicht im Streit darüber, wie es überhaupt für Hamas weitergehen soll?

Von Uneinigkeit kann keine Rede sein. Die Zuständigkeiten innerhalb unserer Organisation sind klar verteilt: Khaled Masch’al in Damaskus bleibt Chef der Hamas. Ich bin Nachfolger des Scheichs als Hamas-Vertreter in Gaza.

Wie ist ihr Verhältnis zu Jassir Arafat und seiner Autonomiebehörde?

Arafat ist der Präsident aller Palästinenser. Im Moment ist es wichtiger denn je, dass alle nationalen und religiösen Gruppen an einem Strang ziehen gegen die Besatzung und die Aggression der zionistischen Feinde.

Wie sieht die Strategie der Hamas nach dem Tod Ahmed Jassins aus?

Sie bleibt wie bisher: Wir werden jeden Tropfen Blut rächen, den Israel vergießt. Wir sind stolz auf unsere Kämpfer, die ihr Leben für ihr Volk opfern. Scharon und seine Regierung sind Terroristen. Mit denen kann es keinen Kompromiss geben.

Planen Sie die Ermordung von Ariel Scharon?

Über die konkreten Ziele unserer Aktionen entscheidet die militärische Führung.

Wie reagiert Hamas, wenn sich Israel wie angekündigt aus dem Gaza-Streifen zurückzieht?

Ich glaube nicht, dass sie abziehen werden. Das war ein billiger Vorwand Scharons, um noch mehr Gewalt anzuwenden. Der Tod Jassins beweist das. Es werden weitere israelische Massaker folgen.

Als neuer Hamas-Führer stehen Sie auf der Abschussliste der Israelis ganz oben.

Letzten Sommer haben sie schon mal versucht, mich zu umzubringen. Allah, nicht Scharon, entscheidet, wann meine Stunde gekommen ist. Ob ich an Krebs sterbe oder von einer Rakete getroffen werde, ist letztlich egal. Ich wäre froh, ein Märtyrer zu sein.

Interview: Steffen Gassel / print