Irak US-Offensive gegen Rebellen


Nach den verheerenden Bombenanschlägen mit mehr als 50 Toten haben mehrere tausend US-Soldaten und irakische Nationalgardisten eine Großoffensive gegen die Rebellenhochburg Samarra begonnen.

US-Soldaten und irakische Nationalgardisten haben in der Nacht zum Freitag eine große Militäraktion in Samarra, einem der größten Widerstandszentren im Irak, gestartet. Das teilte das US-Oberkommando am Freitag in Bagdad mit. Ziel sei die Sicherung von Verwaltungs- und Polizeigebäuden. Ein ungehinderter Zugang zu der 100 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt sei "nicht verhandelbar". Die Aktion sei eine Reaktion auf wiederholte Angriffe Aufständischer in der Stadt, die neben Falludscha und dem Bagdader Elendsviertel Sadr City als wichtigstes Widerstandszentrum gilt.

An der Offensive nahmen den Angaben zufolge Einheiten der 1. US-Infanteriedivision und zwei irakische Bataillone teil. Das deutet auf eine Truppenstärke von mehreren tausend Soldaten hin. Eine Reporterin des US-Fernsehsenders CNN, die als so genannte eingebettete Journalistin den Angriff begleitete, berichtete, die Truppen eroberten Samarra systematisch "Abschnitt für Abschnitt". Explosionen und die Detonation von Panzergranaten seien zu hören, so die Korrespondentin. Es würden auch Panzer und die Luftwaffe eingesetzt. In einigen Vierteln sei der Strom abgeschaltet worden. Gegen Mittag nahmen irakische Sicherheitskräfte nach Angaben der US-Armee die Große Moschee von Samarra ein. In der Moschee seien Waffen beschlagnahmt und 25 "anti- irakische" Kämpfer gefangen genommen worden. Ein amerikanischer Soldat sei getötet worden. Vier weitere wurden verletzt.

Krankenhäusern zufolge sind mindestens 47 Menschen getötet worden, darunter auch Frauen, Kinder und ältere Männer Mindestens 56 weitere Menschen seien bei den Angriffen verletzt worden. Nach US-Armeeangaben wurden 94 Aufständische getötet.

Truppen durchsuchten Moscheen

Die Offensive richte sich gegen rund 2.000 Rebellen, die in der Stadt vermutet würden. Die Truppen durchsuchten auch Moscheen. Seit Dienstag waren in Samarra vermummte Bewaffnete aufgetaucht, die in den Straßen Autofahrer und Passanten anhielten und die Herausgabe von Musikkassetten verlangten. Im Austausch gaben sie ihnen Bänder mit Rezitationen von Koranversen.

Samarra ist seit einiger Zeit unter Kontrolle Aufständischer und eine so genannte "no-go"-Zone für US-Soldaten. Die Amerikaner kehrten am 9. September einmal zurück, um ein Friedensabkommen mit Stammesführern zu schließen. Sie sagten Millionen von Dollar für den Wiederaufbau zu, wenn die Angriffe auf amerikanische und irakische Sicherheitskräfte aufhören. In den vergangenen Wochen kam es aber immer öfter wieder zu Zusammenstößen.

Gruppe um Sarkawi bekennt sich zu den Bombenattentaten

Die Terrorgruppe von Abu Mussab el Sarkawi bekannte sich zu drei Autobombenattacken am Donnerstag. In einer Erklärung auf einer Islamisten-Internetseite hieß es, Anschlagziele seien das Rathaus von Abu Ghreib gewesen sowie der Konvoi der "Invasoren". Bei der Explosion von Autobomben neben einem Konvoi der US-Armee waren am Donnerstag in West-Bagdad mehr als 40 Menschen getötet und 140 weitere verletzt worden. Die meisten Opfer waren Kinder. Sarkawis Terrorgruppe El Tawhid wa El Dschihad hält auch die britische Geisel Kenneth Bigley fest und hat bereits mehrere US-Geiseln enthauptet.

Bei dem Selbstmordanschlag in Abu Ghreib wurden am Morgen nach Informationen von El Dschasira zehn Iraker getötet, darunter zwei Polizisten. Bei dem Anschlag starb nach Angaben der US-Armee auch ein amerikanischer Soldat. Drei weitere Amerikaner wurden verletzt. Der Attentäter hatte sich mit seinem Wagen in die Luft gesprengt. In Abu Ghreib kam es am Nachmittag zu Gefechten zwischen Aufständischen und amerikanischen Soldaten. Die US-Truppen wurden von irakischen Nationalgardisten unterstützt. Eine weitere Autobombe detonierte in Tall Afar in der Nähe der nordirakischen Stadt Mossul. Nach Angaben von El Dschasira starben bei der Explosion nahe einer Moschee mindestens 4 Iraker, 26 weitere wurden verletzt.

Neue Entführungen

Die Extremistengruppe "Islamische Armee im Irak" erklärte unterdessen in einem Video, das El Dschasira in Auszügen ausstrahlte, sie habe sechs Iraker, zwei Libanesen und zwei Indonesierinnen als Geiseln genommen. Die Entführten arbeiteten für eine Elektrofirma. Die Geiselnehmer gaben keinen Grund für die Entführung an und stellten zunächst auch keine Forderungen für die Freilassung der Geiseln. Die Gruppe soll auch die französischen Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot in ihrer Gewalt haben.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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