Iran-Krieg
Trumps Vorstoß verschärft Lage an Straße von Hormus

Viele Schiffe können die Straße von Hormus nicht verlassen. Foto: Amirhosein Khorgooi/ISNA/AP/dpa
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Die USA wollen blockierte Schiffe aus dem Persischen Golf befreien. Der Iran droht mit Angriffen, sollten sich Schiffe der Meerenge dafür nähern. Legt Trump es auf eine neue Eskalation an?

Die Lage an der blockierten Meerenge von Hormus verschärft sich nach einem neuen Vorstoß von US-Präsident Donald Trump. Die US-Marine begann nach eigenen Angaben mit der von Trump angeordneten Befreiung festsitzender Schiffe im Rahmen der Initiative mit dem Titel "Projekt Freiheit". US-Zerstörer seien durch die Straße von Hormus in den Persischen Golf eingefahren, teilte das für Nahost zuständige Regionalkommando Centcom auf dem Portal X mit. Zwei Handelsschiffe unter US-Flagge hätten das Seegebiet verlassen können. Unabhängige Bestätigungen gab es zunächst nicht.

Die iranischen Streitkräfte hatten zuvor für sich in Anspruch genommen, US-Marineschiffe am Einlaufen in die Straße von Hormus gehindert zu haben. 

 

USA dementieren Raketentreffer

Aus dem Iran gab es auch Berichte, wonach zwei iranische Raketen ein US-Kriegsschiff getroffen hätten. Die USA dementierten diese Angaben und betonten, kein Marineschiff sei getroffen worden. 

Die iranische Militärführung hatte den USA nach Trumps Ankündigung, Schiffen zur Hilfe zu kommen, mit Gegenwehr gedroht. "Wir warnen davor, dass jede ausländische Streitmacht, insbesondere die aggressive amerikanische Armee, angegriffen wird, sollte sie beabsichtigen, sich der Straße von Hormus zu nähern und in diese einzudringen", sagte der Kommandeur der zentralen Militärführung, Ali Abdollahi Aliabadi, laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim. 

Ölpreise steigen weiter 

Für die Ölpreise brachte Trumps Vorstoß nicht die erhoffte Entlastung. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli stieg um 1,54 Prozent auf 109,84 US-Dollar. Händler bezweifeln, dass der US-Plan funktionieren wird. Die Gespräche zwischen Washington und Teheran zu einem Ende des Kriegs gelten als festgefahren. In der vergangenen Woche waren die Ölpreise auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2022 gestiegen.

Vor dem Krieg hatten Tanker etwa ein Fünftel der weltweit gehandelten Menge an Öl- und Flüssiggas durch die Straße von Hormus transportiert. Der Iran kontrolliert die Meerenge seit Kriegsbeginn und hat den Schiffsverkehr mit Drohungen und Angriffen praktisch zum Erliegen gebracht. Die USA wiederum haben ihrerseits eine Seeblockade gegen Schiffe verhängt, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen. 

Bericht: Aktuell keine Eskorten durch US-Kriegsschiffe geplant

Trump sagte, Länder aus der ganzen Welt hätten die USA darum gebeten, ihnen dabei zu helfen, ihre Schiffe zu befreien, sagte er. Er ließ jedoch viele Details zum geplanten Vorgehen offen. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" sieht die Initiative aktuell nicht vor, dass US-Kriegsschiffe Schiffe durch die Straße von Hormus eskortieren. 

Beobachter halten es für möglich, dass Trump mit dem "Projekt Freiheit" der Wiederaufnahme der Kämpfe den Boden bereiten will: Eine Reaktion des Irans zu provozieren, "könnte die überzeugendste Rechtfertigung für die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten liefern", schrieb Hamidreza Azizi, derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit, auf X.

Emirate melden Drohnenangriff auf staatlichen Tanker

Wie brenzlig die Lage für die internationale Schifffahrt in der Region bleibt, machte ein weiterer Vorfall deutlich. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten einen iranischen Angriff mit zwei Drohnen auf einen Tanker des staatlichen Energiekonzerns ADNOC. Verletzte seien nicht gemeldet worden, teilte das Außenministerium mit und mahnte, die Straße von Hormus dürfe nicht als politisches oder wirtschaftliches Druckmittel missbraucht werden. Zunächst war nicht klar, wann genau sich der Angriff ereignet haben soll. 

Am Sonntag hatte die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) erneut Angriffe auf Schiffe in der Meerenge gemeldet. Sie teilte etwa mit, dass der Kapitän eines nordwärts fahrenden Massengutfrachters einen Angriff mehrerer kleiner Boote gemeldet habe. Zu dem Vorfall kam es demnach elf Seemeilen westlich der iranischen Stadt Sirik. 

Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete wiederum, ein Schiff sei auf Anordnung der iranischen Marine gestoppt worden, um Dokumente zu prüfen. Diese Maßnahme sei im Rahmen von Überwachungsverfahren erfolgt. Von einem Angriff war nicht die Rede.

Vorschläge, kaum Fortschritte 

Die Öffnung der Meerenge ist einer der Knackpunkte in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zur Beilegung des Konflikts - neben dem iranischen Atomprogramm und dem in der Islamischen Republik angereicherten Uran. Letzteres will der Iran zunächst ausgespart wissen.

Teheran hatte in den Bemühungen um ein Ende des Kriegs jüngst einen neuen Vorschlag übermittelt. In einer ersten Reaktion, in der er die Prüfung des Vorschlags ankündigte, hieß es von Trump: Er könne sich nicht vorstellen, dass dieser akzeptabel sein werde. Zugleich warnte der US-Präsident, es bestehe weiter die Möglichkeit, den Iran wieder anzugreifen, sollte sich die iranische Führung in seinen Augen falsch verhalten. 

Nach Angaben des iranischen Außenministeriums haben die USA inzwischen auf den iranischen Vorschlag geantwortet. Man sei dabei, diese Antwort nun zu prüfen, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai iranischen Medien zufolge.

dpa

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