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Israel: Annan fordert Friedenstruppe für Nahen Osten

Nach einer erneuten Welle der Gewalt im Nahen Osten sprach sich UN-Generalsekretär Kofi Annan für eine bewaffnete Friedenstruppe aus. Sie soll als "Pufferzone" zwischen den Konliktparteien stationiert werden.

Angesichts der neuen Welle der Gewalt hat sich UN-Generalsekretär Kofi Annan für die Entsendung einer bewaffneten Friedenstruppe in den Nahen Osten ausgesprochen. Nach einem neuen israelischen Raketenangriff auf Hamas-Aktivisten am Donnerstag im Gazastreifen mit sieben Toten wurden am späten Abend zwei Mitglieder der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad im Westjordanland von Israelis erschossen. Am Mittwoch waren bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag und israelischen Vergeltungsaktionen fast 30 Menschen getötet worden.

Pufferzone zwischen Israelis und Palästinensern

Annan sagte in einem Interview mit der israelischen Zeitung «Haaretz» und dem Fernsehsender «Channel Two News», diese «bewaffnete Friedenstruppe» könnte als «Pufferzone zwischen Israelis und Palästinensern» stationiert werden. Offenkundig seien die beiden Konfliktparteien unfähig, ohne fremde Hilfe zu einer Regelung zu kommen. Das Interview, dass in einem Teil in der Internetausgabe von «Haaretz» in der Nacht veröffentlicht wurde, soll in voller Länge in der gedruckten Ausgabe am Freitag erscheinen.

Der Hamas-Führer Mahmud Asahar erklärte nach dem israelischen Angriff auf Gaza, «alle Israelis und vor allem (Ministerpräsident Ariel) Scharon» seien von nun an Zielscheiben seiner radikal- islamischen Organisation. Er rief alle ausländischen Staatsbürger dazu auf, Israel und die Palästinensergebiete so schnell wie möglich zu verlassen, weil Hamas schwere Anschläge plane. Am Mittwoch hatte sich die Hamas zu einem Bombenanschlag auf einen Bus in Jerusalem bekannt, bei dem ein Selbstmordattentäter 17 Menschen mit in den Tod gerissen hatte.

Israelische Kampfhubschrauber feuerten nach Augenzeugenberichten drei Raketen auf ein Fahrzeug im Stadtzentrum Gazas ab, in dem die Hamas-Mitglieder Jassir Taha und Dschihad Surur sowie Tahas Frau und seine beiden Kinder im Alter von drei und fünf Jahren unterwegs waren. Bei den weiteren Toten handelte es sich um Passanten, die den Insassen des brennenden Autos helfen wollten und dabei selbst von einer weiteren Rakete getroffen wurden.

Israel kündigt unerbittlichen Kampf an

Nach dem blutigen Selbstmordanschlag von Jerusalem mit 18 Toten und mehr als 100 Verletzten hatte Israel die Palästinenserführung am Donnerstag scharf angegriffen und einen unerbittlichen Kampf gegen die Hamas «mit allen Mitteln» angekündigt. Hamas teilte daraufhin mit, der Anschlag in Jerusalem sei «nur der erste in einer Serie» gewesen.

Scharon hatte vor dem neuen Hubschrauberangriff in Gaza gesagt, wenn er sich «zwischen dem Kampf gegen den Terror und der Unterstützung für (Ministerpräsident) Mahmud Abbas entscheiden» müsse, «werde ich die erste Option wählen».

Er bezeichnete die palästinensische Führung während einer Kabinettssitzung in Jerusalem als «Jammerlappen». Sie unternehme nichts gegen den Terror. «Aber wenn er dann passiert, heulen sie nur rum.» Parlamentspräsident Reuwen Riwlin sagte, Scharon werde «keinerlei Ratschläge oder Anordnungen der USA oder Europas hinsichtlich des Kriegs gegen den Terror akzeptieren».

Arafat verurteilt Selbstmordanschlag

Palästinenserpräsident Jassir Arafat und Abbas hatten am Mittwochabend den blutigen Selbstmordanschlag in Jerusalem klar verurteilt. Abbas sei ein politisches «Küken», meinte Scharon am Donnerstag, weil dieser sage, er könne nicht gegen die extremistischen Palästinensergruppen vorgehen. «Ich werde nicht warten, bis dieses Küken Federn bekommt», sagte Scharon seinen Ministern.

Der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas wies die Armee nach dem Anschlag in Jerusalem dazu an, Hamas «mit allen Mitteln» zu bekämpfen. Der israelische Rundfunk zitierte am Donnerstag Regierungskreise in Jerusalem mit der Äußerung, bei dem Friedensgipfel in Akaba vor einer Woche sei ein Ende der Liquidierungen überhaupt nicht zur Sprache gekommen. Daher habe Israel nicht versprochen, sie zu stoppen. Solange die Autonomiebehörde den Terror nicht bekämpfe, werde Israel dies selbst tun.