Italienische Parlamentswahlen Prodi tritt gegen Berlusconi an


Der ehemalige EU-Kommissionspräsident Romano Prodi ist bei Vorwahlen des Mitte-Linksbündnisses zum Herausforderer von Ministerpräsident Silvio Berlusconi gewählt worden. Bei der Abstimmung wurde ein Regionalpolitiker erschossen.

Die Anhänger des oppositionellen Mitte-Links-Bündnisses in Italien haben Nachwahlbefragungen zufolge den ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi zu ihrem Spitzenkandidaten für die Parlamentswahl im kommenden Frühjahr gekürt.

Die Freude des Chefs des Bündnisses "Unione" wurde allerdings durch einen gravierenden Vorfall bei den Vorwahlen getrübt: Ein süditalienischer Regionalpolitiker wurde beim Verlassen eines Wahllokals in der Stadt Locri im Stil eines Mafia-Mordes getötet. Vor Schließung der Wahllokale erschossen zwei maskierte Männer nach Angaben der Polizei den Vize-Präsidenten der Regierung der Region Kalabrien, den 54-jährigen Francesco Fortugno.

"Entschlossene Reaktion" auf den Mord

"An einem Tag der Freude hat die Kriminalität versucht, ihrer mörderischen Stimme Gehör zu verschaffen", sagte Prodi zu den Angehörigen Fortugnos. Die Erschießung Fortugnos war die Aufsehen erregendste Tötung in Kalabrien seit 16 Jahren. Nach Ansicht von Innenminister Giuseppe Pisanu wirft die Tat einen dunklen Schatten auf die Vorwahlen. Der Staatsanwalt von Locri, Giuseppe Carbone, kündigte derweil einer Meldung der Nachrichtenagentur Ansa zufolge eine entschlossene Reaktion an: "Wir arbeiten an einer Antwort, die entschieden und kraftvoll ausfallen wird."

Bei den ersten Vorwahlen in der Geschichte Italiens, mit denen die "Unione" den Herausforderer von Ministerpräsident Silvio Berlusconi bestimmte, war die Wahlbeteiligung überraschend hoch. In rund 10.000 Wahllokalen gaben bis zu deren Schließung nach Schätzungen der Organisatoren mehr als drei Millionen Menschen ihre Stimme ab. Das wäre das Dreifache dessen, womit die Veranstalter gerechnet hatten.

Erste Nachwahlbefragungen zeigten einen Stimmanteil von 75 Prozent für den ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Prodi - deutlich mehr als vorhergesagt. Auf Rang zwei der insgesamt sieben Kandidaten landete demzufolge Kommunistenchef Fausto Bertinotti mit rund 14 Prozent. Die Anführer der in der "Unione" vereinigten Parteien deuteten den Zuspruch für die Vorwahlen und für Prodi als Stärkung für dessen Kandidatur. "Heute haben die Wähler eine deutliche Botschaft gesendet: Dass die Arroganz der Regierung keinen Erfolg haben wird", sagte Prodi, nachdem erste Ergebnisse bekannt wurden.

Prodi solle seinen Sieg auskosten

Berlusconi entgegnete unterdessen, Prodi solle seinen Sieg bei den Vorwahlen auskosten, denn es sei der einzige, den er feiern werde. Seine Anhänger haben die Vorwahlen als Farce bezeichnet. Angesichts der Wahlrechtsreform seien diese ohne Bedeutung. Die Opposition sieht in der Änderung des Wahlrechts, über die noch die zweite Parlamentskammer abstimmen muss, einen Schritt, um Berlusconi an der Macht zu halten. Das Wahlgesetz sieht eine komplizierte Form des Verhältniswahlrechts vor.

Jüngsten Umfragen zufolge würde Prodi Berlusconi nach dem noch gültigen alten Wahlrecht bei der Parlamentswahl deutlich besiegen. Nach den künftigen Regeln wäre der Abstand wesentlich kleiner, weil diese die einzelnen Parteien gegenüber Parteienbündnissen stärker gewichten. Für Prodi besteht ein Nachteil darin, dass er selbst keiner Partei angehört. Nach altem Wahlrecht war ihm das möglich, und er konnte das Oppositionsbündnis unabhängig von innerparteilichen Querelen anführen. Künftig müsste er sich einer der Bündnis-Parteien anschließen und seine Unabhängigkeit einbüßen, oder eine eigene Partei gründen, die mit den Bündnispartnern konkurrieren würde.

Reuters Reuters

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