Jakarta Mehrere Tote bei Anschlag auf Luxushotels


Der Terror ist zurück in Indonesien: In der Hauptstadt Jakarta sind zwei Bomben in Luxushotels explodiert. Die Sprengsätze gingen kurz nacheinander im Marriott und Ritz-Carlton hoch, eine dritte Bombe konnte entschärft werden. Mindestens neun Menschen wurden getötet. Unter den Opfern sind offenbar auch Ausländer.

Zwei gewaltige Sprengsätze haben binnen weniger Minuten zwei Luxushotels in Jakarta verwüstet und mindestens neun Menschen in den Tod gerissen. Etwa 50 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt, wie die indonesische Polizei mitteilte. Die Bomben detonierten am Freitagmorgen im Ritz-Carlton und im benachbarten Marriott.

Unter den Toten war nach Angaben des Sicherheitsministeriums ein 62-jähriger Mann aus Neuseeland. Mindestens 17 weitere Ausländer wurden demnach verletzt - Staatsbürger aus den USA, Kanada, Australien, Hongkong, Indien, Südkorea, Italien, Großbritannien, Norwegen und den Niederlanden. Die Fassaden der beiden Hotels wurden von der Wucht der Detonation teilweise weggerissen, dichte Rauchwolken stiegen zum Himmel empor. Die Straße vor den Hotels war von Trümmern und Glassplittern übersät.

Ein Augenzeuge berichtete, er habe zunächst eine laute Explosion im Marriott gehört. Etwa fünf Minuten später sei dann auch im Ritz eine Bombe detoniert. Regierungssprecher Dino Patti Djalal beschrieb die Szene am Tatort nach seiner Ankunft als gespenstisch: "Ich sah Leichen. Einige wurden gerade geborgen, andere lagen noch am Boden."

Nur wenige Stunden nach den Bombenexplosionen entdeckten Sicherheitskräfte einen weiteren Sprengsatz in einem der Luxushotels. In einem Raum des Marriotts hätten Experten den Blindgänger entschärfen können, sagte Präsidentenberater Dschali Jusuf. Eine Explosion im Norden der Stadt erschütterte kurze Zeit später die Umgebung und schürte Angst vor weiteren Anschlägen. Doch es handelte sich nach Polizeiangaben lediglich um ein kaputtes Auto. Ein Insasse des zerstörten Kleinlasters sei bei der Explosion ums Leben gekommen. Der Fernsehsender TV One hatte zuvor berichtet, dass eine Autobombe hochgegangen sei.

Keine EU-Bürger unter den Toten

Nach ersten Erkenntnissen von Diplomaten sind keine EU-Bürger getötet worden. Dies habe ein Abgleich der Informationen der Botschaften von EU-Ländern in Indonesien ergeben, sagte der Sprecher des österreichischen Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal, am Freitag in Wien. Bei einer Abfrage von Behörden und Krankenhäusern habe sich herausgestellt, dass unter den Toten keine Bürger der Europäischen Union sind. Allerdings sollen drei Niederländer verletzt worden sein. Wegen der unübersichtlichen Lage gebe es aber keine hundertprozentige Sicherheit.

Ersten Ermittlungen zufolge hatten die Attentäter als Gäste in den Hotels eingecheckt. Djalal sprach von koordinierten Anschlägen. Die Frage, ob die Terrororganisation Jemaah Islamiyah dahinter stehen könnte, ließ er zunächst offen. Der indonesische Terrorismusexperte Rohan Gunaratna erklärte jedoch in einer ersten Analyse: "Die einzige Gruppe mit der Absicht und dem Potenzial, Angriffe auf westliche Ziele auszurichten, ist Jemaah Islamiyah." Präsident Susilo Bambang Yudhoyono versprach in einer Fernsehansprache, die Verantwortlichen zur Strecke zu bringen. Die Regierung ist in den vergangenen Jahren mit aller Härte gegen Terrorverdächtige vorgegangen, nachdem im Oktober 2002 mehr als 200 Menschen bei der Bombardierung von zwei Nachtclubs auf Bali ums Leben gekommen waren.

Rückschlag im Kampf gegen den Terror

2003 war das Marriott-Hotel in Jakarta schon einmal Ziel eines Anschlags, bei dem zwölf Menschen getötet wurden. Seit fast vier Jahren hat es Indonesien jedoch keinen größeren Terroranschlag mehr gegeben. Die Regierung wertete dies als Erfolg ihrer Sicherheitspolitik. Sprecher Djalal räumte deshalb ein, dass die jüngsten Attentate einen Rückschlag markierten. Er fügte aber hinzu: "Der Präsident hat seinen Ruf mit seiner Anti-Terror-Politik begründet. Er wird jeden jagen, der dahinter steckt - da sollte sich niemand täuschen." Präsident Yudhoyono wurde erst zehn Tage vor den Anschlägen wiedergewählt, das amtliche Endergebnis soll aber erst Ende Juli veröffentlicht werden.

Die EU verurteilte die Bombenanschläge noch am Morgen: Die Union stehe "solidarisch an der Seite der indonesischen Regierung und der Menschen in Indonesien in dieser äußerst schweren Zeit", hieß es in einer Erklärung der schwedischen Ratspräsidentschaft in Stockholm.

Im Ritz sollte am Wochenende die Fußballmannschaft von Manchester United untergebracht werden, die zu einem Freundschaftsspiel in Jakarta erwartet wurde. Dieses Spiel wurde nach den Anschlägen jedoch abgesagt. Man sei zutiefst enttäuscht, dass man unter den gegebenen Umständen nicht nach Indonesien reisen könne, hieß es in einer Erklärung von Manchester United. Die Mannschaft war am Freitagmorgen in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur eingetroffen, Freundschaftsspiele waren auch in Südkorea und China geplant.

Unterdessen hat die australische Regierung bereits eine Reisewarnung für Indonesien herausgegeben: "Wir raten, wegen der sehr hohen Gefahr von Terroranschlägen, zu überlegen, ob Reisen nach Indonesien, auch nach Bali, jetzt nötig sind", hieß es am Freitag auf der Webseite des Außenministeriums. Die Insel Bali ist ein beliebtes Urlaubsziel für Australier. 2002 waren dort bei den Bombenanschlägen auf Strandbars 202 Menschen ums Leben gekommen, darunter 88 Australier. 2004 war auf die australische Botschaft in Jakarta ein Anschlag verübt worden. Neun Menschen starben.

DPA/AP/Reuters/AFP AP DPA Reuters

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