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Kämpfe im Jemen: EU fordert Ende der Gewalt - Deutsche Botschaft wird geschlossen

Die Situation im Jemen gerät außer Kontrolle. Deutschland hat wegen der zunehmenden Gewalt seine Botschaft in dem arabischen Land geschlossen. Die EU fordert einen sofortigen Waffenstillstand.

Der Jemen kommt nicht zur Ruhe. Deutschland zieht nun seine Diplomaten aus dem Land ab. Das Personal der Vertretung werde das Land verlassen, "sobald dies sicher und möglich ist", hieß es in einer am Samstag vom Auswärtigen Amt verbreiteten Mitteilung. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte demnach in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, die Regierung sehe sich "angesichts der anhaltenden Kämpfe" in Sanaa dazu gezwungen, die Botschaft vorübergehend zu schließen. Außerdem forderte er alle Bundesbürger im Jemen auf, das Land "umgehend zu verlassen, sofern dies sicher und möglich erscheint".

Die EU-Außenbeauftragte Cathrine Ashton hat derweil ein Ende der Gewalt gefordert. "Ich verlange einen sofortigen Waffenstillstand", sagte Ashton am Freitag in Brüssel. Regierungstruppen und Stammesmilizen sollten sich zurückhalten und die "Eskalation der Gewalt" beenden. "Ich habe Präsident (Ali Abdullah) Salih immer wieder ermahnt, den Forderungen der Menschen im Jemen zu folgen und die Macht zu übergeben." Auch die USA verurteilten die "sinnlose Gewalt" in dem vom Terror heimgesuchten Armenhaus der arabischen Halbinsel.

Präsident Salih war am Freitag während eines Gebetes, das er mit anderen Politikern in einer Moschee neben dem Palast verrichtete, von einem Granatsplitter am Kopf getroffen worden. Das sagte einer seiner Vertrauten dem Nachrichtensender Al-Arabija. Der seit 1978 herrschende Salih drohte seinen Gegnern nach dem Anschlag blutige Rache an. Nach seinen Angaben starben bei der Attacke vom Freitag sieben Menschen.

Salih machte eine verfeindete Gruppierung, die die seit Monaten demonstrierenden Regimegegner unterstützt, für das Attentat verantwortlich. Das Büro des oppositionellen Scheichs Sadik al-Ahmar verneinte eine Verwicklung in den Zwischenfall.

Unmittelbar nach der Attacke auf die Residenz waren in dem Viertel der Hauptstadt noch Schüsse und Detonationen zu hören. Nach ersten Angaben des staatlichen jemenitischen Fernsehens wurden der Prediger der Moschee und drei Angehörige der Präsidentengarde getötet.

"Dies war ein Attentatsversuch und er ist fehlgeschlagen. Seiner Exzellenz dem Präsidenten geht es gut und er wird bald vor die Presse treten", sagte Jassir al-Jamani, ein Parteigenosse des Präsidenten, nach dem Anschlag. Mehrere Politiker seien verletzt worden, darunter Parlamentspräsident Jahja al-Rai und Vize-Ministerpräsident Raschad al-Alimi.

Nach Augenzeugenberichten hatte die Republikanische Garde, die loyal zu Präsident Salih steht, vor der Attacke die Häuser von General Mohsen al-Ahmar und Oppositionspolitiker Scheich Hamid al-Ahmar angegriffen. Die Anhänger der beiden Männer hätten daraufhin zum Gegenschlag ausgeholt und auf das Gelände des Präsidentenpalastes gefeuert, sagten die Augenzeugen.

In den vergangenen Tagen hatten sich die Regierungstruppen in der Hauptstadt Gefechte mit Kämpfern des Al-Ahmar-Clans geliefert. Die Demonstranten selbst waren an den Kämpfen aber nicht beteiligt. In der Stadt Tais feuern Soldaten von Einheiten, die loyal zu Salih stehen, seit Tagen auf Demonstranten.

Der Armeekommandeur Ali Mohsen al-Ahmar gehört zur Familie des Präsidenten. Al-Ahmar hatte bislang versucht, die von ihm befehligte Brigade aus den seit rund zwei Wochen anhaltenden Gefechten zwischen den Regierungstruppen und den Kämpfern von Scheich Sadik al-Ahmar herauszuhalten. Mehrere Staaten hatten diese Woche ihre Diplomaten aus Sicherheitsgründen aus Sanaa abgezogen. Fast alle Deutschen haben das Land bereits verlassen.

cjf/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters