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Nordkoreas Diktator: Musste Kim Jong Un am Herzen operiert werden? Südkoreas Geheimdienst sagt nein

Kim Jong Un war drei Wochen von der Bildfläche verschwunden. Nun, da er wieder aufgetaucht ist, gibt es Spekulationen über eine schwere Operation. Doch Südkoreas Geheimdienst hat eine andere Erklärung.

Nordkoreas Machthaber: Nach Spekulationen über seinen Gesundheitszustand: Kim Jong Un zeigt sich angeblich in Düngemittelfabrik

Ganze 20 Tage lang ließ sich Nordkoreas Diktator nicht in der Öffentlichkeit blicken. Plötzlich tauchte er wieder auf – in einer Düngemittelfabrik, die er laut nordkoreanischen Staatsmedien am vergangenen Freitag in der Industriestadt Sunchon einweihte.

Was machte der Diktator in den gut drei Wochen? Was war so wichtig, dass er sogar die Feierlichkeiten zu Ehren seines verstorbenen Großvaters, des Staatsgründers Kim Il Sung, verpasste? Jener 15. April ist der wichtigste Termin des Jahres für die politische Elite des Landes – und da darf Nordkoreas allmächtiger Herrscher eigentlich nicht fehlen.

Hat Kim Jong Un Herzprobleme?

Seit einigen Tagen sind in internationalen Medien Spekulationen zu lesen, wonach der übergewichtige und Kette rauchende Kim Jong Un Herz-Kreislauf-Probleme habe und sich womöglich einer Operation unterziehen musste. Doch diese Gerüchte entbehren jeder Grundlage, heißt es nun offiziell beim südkoreanischen Geheimdienst, der stets ein genaues Auge auf den Machthaber des verfeindeten Nachbarstaates hat und nach Auswertung seiner Daten davon ausgeht, dass Kim Jong Un gesund ist. Es gebe keinerlei Anzeichen für eine Herzoperation, sagte der Chef der südkoreanischen Behörde, Suh Hoon, laut der Agentur Yonhap am Mittwoch in einem Parlamentsausschuss in Seoul. Auch Spekulationen über Kims schlechten Gesundheitszustand seien unwahr, so der Geheimdienstchef.

Allerdings habe sich der Machthaber der stalinistischen Diktatur in diesem Jahr bislang extrem rar gemacht, habe das Komitee weiter erfahren. Bislang sei Kim in diesem Jahr 17 Mal in der Öffentlichkeit erschienen – in anderen Jahren habe er sich bis zu dieser Jahreszeit etwa 50 Mal gezeigt.

Der Grund für das seltene Erscheinen könnte die weltweite Coronavirus-Pandemie sein, wurde ein Mitglied des Gremiums zitiert. Zwar gibt es nach offiziellen nordkoreanischen Angaben keine Covid-19-Fälle in dem abgeschotteten Land. Allerdings hat auch Nordkorea Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, weshalb beispielsweise die Feierlichkeiten am 15. April in einem kleineren Rahmen stattgefunden hätten.

Der Grund könnte ein Coronavirus-Ausbruch in Nordkorea sein

"Man kann nicht ausschließen, dass es einen Corona-Ausbruch in Nordkorea gibt“, zitierte Yonhap einen Abgeordneten des südkoreanischen Parlaments. Schon zuvor habe sich Kim Jong Un auf interne Angelegenheiten der Machtzirkel seines Landes konzentriert, etwa auf das Militär und Partei-Treffen: "Wegen Angst vor der Coronavirus-Pandemie wurden seine öffentlichen Auftritte noch seltener."

Das Webportal "Daily NK", das überwiegend von aus dem Land geflohenen Nordkoreanern betrieben wird, hatte vor einigen Tagen berichtet, Kim habe sich einem dringlichen Eingriff am Herz-Kreislauf-System unterziehen müssen. Ursache für seine gesundheitlichen Probleme seien "exzessives Rauchen, Fettleibigkeit und Erschöpfung" gewesen.

Doch diese Gerüchte stimmen zumindest laut den neuen Geheimdiensterkenntnissen nicht. Schon am Sonntag hatte ein ranghoher Vertreter des Präsidialamts in Seoul der Nachrichtenagentur Yonhap gesagt, Kim sei vermutlich nicht operiert worden. Seoul habe Grund zu der Annahme, dass es sich bei den Berichten über eine schwere Erkrankung und eine OP des nordkoreanischen Machthabers um unbegründete Spekulationen gehandelt habe. Zeitweise war sogar über Kims Tod spekuliert worden, nachdem er seit einem Treffen des Politbüros der Nordkoreanischen Arbeiterpartei am 11. April nicht mehr öffentlich aufgetreten war.

Doch nun ist er wieder da. Am vergangenen Samstag war der Diktator lachend und augenscheinlich gesund auf offiziellen Fotos zu sehen, die ihn bei der Einweihung jener Düngemittelfabrik zeigen sollen. Eine unabhängige Bestätigung für die nordkoreanischen Berichte über Kims Auftritt gab es zunächst jedoch nicht.

US-Präsident Donald Trump zeigte sich nach Kim öffentlichem Auftritt erfreut darüber, dass der nordkoreanische Machthaber anscheinend wohlauf ist. "Ich bin froh zu sehen, dass er zurück und wohlauf ist", twitterte Trump am Samstag.

Kim Jong Un war auch schon früher längere Zeit abwesend

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass Kim für einige Zeit von der Bildfläche verschwand. 2014 ließ er sich 40 Tage lang nicht in der Öffentlichkeit sehen – bevor er dann auf Fotos mit einem Gehstock zu sehen war. Staatsmedien schrieben seinerzeit, er sei momentan in einer unbequemen körperlichen Verfassung. Damals gab es Gerüchte, der Diktator leide unter Gicht. Aber auch das blieb bis heute ein Gerücht.

Quellen: BBC, AFP

anb