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Die Morgenlage: Nicht alles dem Schutz des Lebens unterordnen? SPD nennt Schäuble-Äußerungen "gefährlich"

Boeing will 787 "Dreamliner"-Produktion wieder anlaufen lassen +++ Zwei Polizisten nahe Paris absichtlich von Autofahrer gerammt +++ NBA geht kleinen Schritt: Trainingsgelände könnten demnächst öffnen +++ Die Nachrichtenlage am Dienstagmorgen.

SPD Parteichef Norbert Walter-Borjans

SPD Parteichef Norbert Walter-Borjans warnt vor voreiliger Lockerung der Corona-Maßnahmen

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Äußerungen von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), dass in der Corona-Krise nicht alle Maßnahmen dem Schutz von Leben untergeordnet werden dürften, sind in der SPD-Spitze auf Kritik gestoßen. Damit habe Schäuble "offenbar bei einigen den Eindruck entstehen lassen, nun sei es auch mal gut mit den Einschränkungen", sagte Parteichef Norbert Walter-Borjans der Zeitung "Die Welt". Dies sei "gefährlich". Wenn jetzt wegen einer "falsch verstandenen Güterabwägung zwischen Geld oder Leben" voreilig Beschränkungen gelockert würden, "verlieren wir am Ende beides", warnte Walter-Borjans. Schäuble hatte zur Einschränkung von Grundrechten in der Corona-Krise gesagt: "Wenn ich höre, alles Andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig."

Die Schlagzeilen zum Start in den Tag:

Boeing will 787 "Dreamliner"-Produktion wieder anlaufen lassen

Der angeschlagene US-Luftfahrtriese Boeing will die aufgrund der Corona-Krise gestoppte Produktion seines Langstreckenjets 787 "Dreamliner" wieder aufnehmen. Der Betrieb in den Werken im Bundesstaat South Carolina werde am kommenden Wochenende wieder gestartet, teilte der Konzern am Montag (Ortszeit) in North Charleston mit. Boeing hatte die Fertigung am 8. April wegen der Pandemie vorübergehend ausgesetzt. Inzwischen seien verschiedene Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt worden, teilte das Unternehmen mit.

Zwei Polizisten nahe Paris absichtlich von Autofahrer gerammt

Ein Autofahrer hat in einem Vorort von Paris absichtlich zwei Polizisten angefahren und verletzt. Nach dem Angriff fand die Polizei im Wagen des 29-jährigen Franzosen ein Messer sowie ein Schreiben zu seinen Motiven, wie die Staatsanwaltschaft in Nanterre am Montagabend mitteilte. Näher zu diesem Brief äußerte sie sich nicht. Aus dem Umfeld der Ermittlungen verlautete, der Mann habe seine Tat mit der "Situation in Palästina" begründet.      Die Anti-Terrorismus-Staatsanwaltschaft prüfte zunächst noch, ob sie den Fall übernehmen sollte. Einer der Polizisten, die auf Motorrädern unterwegs waren, wurde nach Angaben der Ermittler schwer am Kopf verletzt. Der andere erlitt Verletzungen an den Beinen und am Becken.

NBA geht kleinen Schritt: Trainingsgelände könnten demnächst öffnen

Die NBA erlaubt ihren Teams einen ersten kleinen Schritt zurück zur Normalität in der Corona-Krise. Einhergehend mit den Lockerungen der Vorschriften in einigen US-Bundesstaaten dürfen Basketball-Profis die Einrichtungen ihrer Clubs zukünftig wieder zum Trainieren nutzen - allerdings frühestens ab dem 8. Mai, auf freiwilliger Basis und ohne die Anwesenheit von Trainern. Zudem dürfen nie mehr als vier Spieler gleichzeitig da sein und eine Zusammenarbeit dieser der Profis ist untersagt. Voraussetzung ist laut Mitteilung vom Montag (Ortszeit) zudem, dass die lokalen Behörden diese Form der Einzeltrainings erlauben. Für Teams, deren Spieler diese Möglichkeit wegen der Situation in den jeweiligen Städten noch nicht nutzen können, will die Liga sich Alternativen überlegen. Ideen nannte die NBA in der Mitteilung keine.

Brasiliens Oberstes Gericht erlaubt Untersuchung gegen Bolsonaro

Wegen des Verdachts politischer Einflussnahme auf die Bundespolizei hat das Oberste Bundesgericht Brasiliens die Eröffnung eines Verfahrens gegen Präsident Jair Bolsonaro genehmigt. Damit wurde einem Antrag des Generalstaatsanwalts vom vergangenen Freitag stattgegeben, wie aus einer Erklärung des Obersten Gerichts vom Montagabend (Ortszeit) hervorgeht. Zuvor hatte der ehemalige brasilianische Justizminister Sergio Moro Bolsonaro schwere Vorwürfe gemacht und war am Freitag von seinem Posten zurückgetreten. Moro hatte gesagt, er sehe nun keine Möglichkeit mehr, die Unabhängigkeit der Bundespolizei zu bewahren, nachdem Bolsonaro den Chef der Bundespolizei, einen engen Vertrauten Moros, entlassen hatte. Moro gilt als einer der bekanntesten Korruptionsermittler des Landes.

Doku über Michelle Obama erscheint kommende Woche bei Netflix

Ein Dokumentarfilm über die frühere First Lady Michelle Obama wird ab kommender Woche im Streamingdienst Netflix gezeigt. "Becoming" begleitet die Ehefrau des früheren US-Präsidenten Barack Obama auf ihrer weltweiten Lesereise zu ihrer gleichnamigen Erfolgs-Autobiografie, wie Netflix am Montag mitteilte.     Die Dokumentation der Filmemacherin Nadia Hallgren "teilt die Geschichten der unglaublichen Menschen, denen ich nach der Veröffentlichung meiner Memoiren begegnet bin", erklärte Michelle Obama. "Ich hoffe, dass dieser Film in dieser schwierigen Zeit Inspiration und Freude bringt." Obamas Autobiografie "Becoming" war Ende 2018 erschienen und schnell zum internationalen Bestseller avanciert. Allein in Nordamerika wurden binnen zwei Wochen mehr als zwei Millionen Exemplare verkauft.

Extrem seltener Affe in Frankreich geboren

In Frankreich ist ein extrem seltener Affe geboren worden: Der Tonkin-Schwarzlangur wächst im Zoo der Zitadelle von Besançon im Osten des Landes auf, wie der Tierpark am Montag mitteilte. Er ist fast sechs Wochen alt - seine Geburt am 18. März ging in der Aufregung über die Corona-Ausgangssperre unter, die einen Tag zuvor in Frankreich verhängt worden war.     "Es handelt sich um eine außergewöhnliche Geburt", betonte die Zooleitung nun. Die Tonkin-Schwarzlanguren sind vom Aussterben bedroht. Von der Art gebe es weltweit "nur geschätzte 2000 Exemplare und nur 133 in Zoos".     Das kleine Männchen hat noch keinen Namen. Das Jungtier macht derzeit mit Vater Johan und Mutter Ping die ersten Ausflüge im Affengehege. In Kürze dürfte sein roter Schopf genauso pechschwarz werden wie der seiner Eltern. Zoobesucher müssen sich noch gedulden, bis sie den kleinen Affen sehen können: Der Zoo ist wegen der Ausgangssperre noch bis mindestens zum 11. Mai gesperrt.

Dr. Eckart von Hirschhausen erklärt den Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und dem Klimawandel.

Das wird heute wichtig:

Merkel spricht auf internationalem Petersberger Klimadialog

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält am Nachmittag eine Rede beim Petersberger Klimadialog. Die Kanzlerin wird sich im so genannten High Level Segment der internationalen Konferenz zum Klimaschutz äußern, die wegen der Corona-Pandemie als Videotagung stattfindet (ab 15.10 Uhr). Als weiterer Redner will UN-Generalsekretär António Guterres sprechen. Am Klimadialog nehmen Minister aus rund 30 Staaten teil. Ziel ist es, auch in der Corona-Krise den Klimaschutz wieder voranzubringen. Mit besonderer Spannung wird erwartet, in welcher Weise sich Merkel auf Verschärfungen der EU-Emissionsziele für die Zeit bis 2030 festlegt, wie sie das Pariser Klimaschutzabkommen vorsieht. 

EU-Innenminister konferieren per Video

Bei der Konferenz soll unter anderem um die in der Corona-Krise eingeführten Grenzkontrollen im Schengenraum und mögliche Lockerungen gehen. Zudem stehen die Folgen der Pandemie auf der Agenda, sowie die Lage an der griechisch-türkischen Grenze sowie die Umsiedlung von Kindern aus den Flüchtlingslagern auf die griechischen Ägäis-Inseln.

Die neue Straßenverkehrsordnung tritt in Kraft

Die Novelle der StVO sieht einige Verschärfungen vor. Temposünder etwa müssen deutlich früher mit Fahrverboten rechnen. Einen Monat gibt es bereits bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von innerorts 21 km/h. Teurer wird außerdem das verbotswidrige Parken auf Geh- und Radwegen sowie das unerlaubte Halten auf Schutzstreifen, ebenso für das Parken und Halten in zweiter Reihe. Für das Überholen auf der Fahrbahn schreibt das Gesetz Autofahrern nunmehr einen Abstand zu Radfahrern oder E-Scootern von mindestens 1,50 Meter innerorts vor.

Corona-Lockerung in Frankreich und Spanien

Die Regierung in Paris will Pläne für die Lockerung der Ausgangssperren vorstellen, in Madrid sol ein Ausstiegsplan für Corona-Ausgehsperre vorgestellt werden.

Prozessauftakt wegen Kindesmissbrauchs

In Berlin beginnt eine Gerichtsverhandlung gegen einen 29-Jährigen wegen Missbrauchs von Kindern im Rahmen eines Online-Spiels. Der Mann soll Kontakt zu mehreren Jungen aufgenommen und sie gezwungen haben, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen und diese online mit ihm zu teilen. Er habe die acht bis zwölf Jahre alten Kinder eingeschüchtert.

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Ihre stern-Redaktion

nik/jek / DPA / AFP