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Das ist Nordkoreas Staatschef: Kim Jong Un - sein Jet, sein Kind, sein Gewicht

1,79 groß, 95 Kilo schwer, spricht gut Deutsch. Das ist Kim Jong Un, Führer Nordkoreas. Ein US-Magazin hat den Versuch eines Porträts gewagt - und zeichnet ein erstaunlich zwiespältiges Bild von ihm.

Von Niels Kruse

Kim Jong Un verbeugt sich nicht oft und wenn, dann nur vor seinen Ahnen - wie hier am Geburtstag seines verstorbenen Vaters Kim Jong Il

Kim Jong Un verbeugt sich nicht oft und wenn, dann nur vor seinen Ahnen - wie hier am Geburtstag seines verstorbenen Vaters Kim Jong Il

Was weiß die Welt eigentlich über Kim Jong Un, den undurchschaubaren Diktator des undurchschaubaren Nordkoreas? Eigentlich nicht viel. Seit neuestem zum Beispiel wie der "Dienstjet" des "Obersten Führers" aussieht. Das ist mehr, als man von vielen westlichen Staatschef behaupten kann, aber natürlich nichts, was einem den Menschen näher bringt, der dort drin auf cremefarbenen Sesseln sitzt, wie so oft im langen Wollmantel und vor einem rustikalen Aschenbecher. Das Regime in Pjöngjang achtet wie ein Zerberus über das Bild ihres geheiligten Oberhaupts, nach innen vermutlich mehr als nach außen.

Im Rest der Welt genießt der junge Despot ohnehin dasselbe Image wie seine Vorfahren, die anderen beiden Kims, die mit dem Adjektiv bizarr noch schmeichelhaft beschrieben wurden. Das US-Magazin "Vanity Fair" hat den eigentlich unmöglichen Versuch gewagt, ein Porträt über ihn zu schreiben - unmöglich, weil es ihn, wie allen anderen Medien der Welt auch, nie persönlich zu Gesicht bekommen hat.

Und doch: "Kim Jong Un verstehen - der rätselhafteste Diktator der Welt" fügt zwar sehr lang, aber sehr packend bekannte als auch weniger bekannte Puzzleteile über ihn zu einem dichten politisch-persönlichen Mosaik zusammen. Die Lektüre erinnert an einigen Stellen an den Hollywood-Kim-Jong-Un aus dem Film "The Interview": Auch dort ist der nordkoreanische Staatschef ein durchaus charmanter, aber auch einsamer und brutaler Herrscher. Und man weiß nicht, ob man den Kerl nun hassen oder bemitleiden muss. Vermutlich beides.

Dinge, die man von Kim Jong Un sicher weiß:

  • Er ist 1,79 Meter groß
  • Er besuchte in der Schweiz die Internationale Schule im Schweizer Gümligen sowie die Liebefeld Steinhölzli Schule
  • Er war als Schüler schlank und trug Nike-Turnschuhe
  • Er wurde offiziell 1982 geboren, aber nach eigener Aussage 1983
  • Er ist der jüngste Staatschef der Welt
  • Er spricht ordentlich Deutsch und Englisch und zumindest etwas Chinesisch
  • Er raucht nordkoreanische Zigaretten
  • Er ist verheiratet und hat eine Tochter
  • Er verehrt Basketballlegende Michael Jordan
  • Er wiegt rund 95 Kilo
  • Er, sein Vater sowie Großvater werden die "großen Männer des Peaktusan" genannt (der bei den Koreanern sagenumwobene Berg wird von Pjöngjang als "heiliger Geburtstort" der letzten beiden Kims glorifiziert)
  • Er liebt Fußball
  • Er hat zwei Brüder und zwei Schwestern
  • Er ist Viersterne-General
  • Er hat eine dunkle Stimme und ist ein guter Sprecher

Dinge, die man von Kim Jong Un nicht ganz sicher weiß:

  • Er leidet vermutlich unter Diabetes
  • Er soll eine Obsession für Schweizer Käse haben
  • Er schätzt wohl Bier und Schnäpse und mehr davon, als gut ist
  • Er soll die Musik von Madonna und Michael Jackson mögen
  • Er hat anscheinend ernste Probleme mit den Knien und Knöcheln
  • Er soll einen schweren Autounfall gehabt haben
  • Er liebt angeblich teure Sport- und Rennwagen
  • Er gilt als impulsgetrieben
  • Er habe stark an Gewicht zunehmen müssen, um an die Erscheinung seines Großvaters Kim Il Sung zu erinnern
  • Er soll Witze über seine eigene Unerfahrenheit machen
  • Er leidet angeblich unter Impotenz

Für sich allein genommen werfen diese Stichworte und Gerüchte nur ein kleines Schlaglicht auf Kim Jung Un. "Vanity Fair"-Autor Mark Bowden hat allerdings mit vielen Menschen gesprochen, die Nordkorea seit Langem beobachten, die dort gelebt haben oder die Kim Jong Un und Teile seiner Entourage persönlich begegnet sind. Etwa Basketball-Exzentriker Dennis Rodman, US-Botschafter Bill Richardson und Jean H. Lee, US-koreanische Journalistin mit mehrjähriger Vororterfahrung. Menschen, die so nah dran sind an dem rätselhaften Staat und seinem Führer, wie man nah dran sein kann.

Guter Kim, böser Kim

Ihr Urteil über den Jungspund fällt erstaunlich zwiespältig aus: Seine Wirtschaftsrefomen trage erste Früchte, vor allem in der Hauptstadt entsteht so etwas wie eine Mittelschicht, und Bauern dürften nun ein Teil ihrer Ernte behalten. Die extrem totalitäre Unterdrückung der eigenen Bevölkerung weiche etwas auf und Kim scheine ein echtes Interesse daran zu haben, sein Land etwas zu öffnen. Auf der anderen Seite ist da immer noch Kim Jung Un, der Bizarre. Der etwa ein Luxus-Skiressort eröffnet und ernsthaft mit einer Million ausländischer Gäste rechne. Pro Jahr. Obwohl die Infrastruktur für so einen Ansturm überhaupt nicht ausgelegt ist. Und Kim Jong Un, der Despot, der kurzerhand engste Vertraute über die Klinge springen lässt, weil sie ihm den Respekt versagen.

An einer Stelle des Porträts heißt es: "Im Alter von fünf Jahren kreist die ganze Welt um einen. Danach lernen Kinder, dass sie nicht das Zentrum des Universums sind. Nicht so Kim. Er ist immer noch ein Fünfjähriger - im Alter von 32. Alles existiert nur, um ihm zu dienen. Er regiert wie ein König des 16. Jahrhunderts - als Herrscher von Gottes Gnaden. Unser Dilemma im Umgang mit ihm und seinen Staat ist: Wir haben schlicht das Gefühl für den Absolutismus verloren."