HOME

Krim-Krise: Merkel und Tusk drohen Putin gemeinsam

In Polen wächst die Angst vor einer Eskalation in der Ukraine - und zugleich die Sorge, Deutschland könnte gegenüber Moskau nicht genug Härte zeigen. Doch Merkel verschärft den Ton gegenüber Moskau.

Es ist ein sonniger Tag in Warschau, die Menschen genießen das Frühlingswetter. Doch Beunruhigung ist spürbar. Es herrscht Angst vor einer Eskalation im Nachbarstaat Ukraine mit Russland. Die Grenze zur Ukraine ist von Warschau nur 250 Kilometer entfernt. Polnische Bürger fragen sich, ob die Sicherheit ihres Landes wieder bedroht ist, ob sich Geschichte wiederholt. Erinnerungen an den Kalten Krieg werden wach, den Polen bis zur demokratischen Wende vor bald 25 Jahren unter sowjetischer Herrschaft verbrachte.

Polens Alarmglocken schrillen

Eigentlich stimmt die Chemie zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Polens Ministerpräsidenten Donald Tusk. Doch in der Krim-Krise schrillen in Polen die Alarmglocken, dass Berlin nicht die Härte gegenüber Moskau zeigen könnte, die Warschau fordert. Besonders Polens Außenminister Radoslaw Sikorski hatte gewarnt, dass Russland auf der Krim vollendete Tatsachen schaffe, während der Westen zögere.

Die Gründe für Deutschlands bisherige Zaghaftigkeit waren schnell gefunden: Deutschland sei zu sehr abhängig von russischem Erdgas. Die Energiewende mit dem Atomausstieg in Deutschland mache alles noch schlimmer. Denn mit der Abschaltung alter Atommeiler steige der Appetit auf russischen Rohstoff. Polen geht den umgekehrten Weg und will bis 2024 sein erstes Atomkraftwerk ans Netz bringen.

Merkel und Tusk sprechen Klartext

Aber nach einem Vier-Augen-Gespräch mit Tusk in der Hauptstadt Warschau sichert Merkel Polen erneut volle Solidarität zu: "Was ein Verstoß gegen die polnische Sicherheit ist, das ist auch ein Verstoß gegen die deutsche Sicherheit." Auf den Tag vor 15 Jahren - am 12. März 1999 - trat Polen der Nato bei.

Gemeinsam sprechen sie und Tusk Klartext. "Wenn es zu keiner Kontaktgruppe kommt, wenn die Gespräche nicht erfolgreich sind, dann sind Sanktionen unabdingbar", sagt Merkel an die Adresse des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Doch die Hoffnung, Russland und die Ukraine an einen Tisch zu bringen, schwindet von Tag zu Tag. Ihren Kurs fasst Merkel so zusammen: Erstens Hilfe für die Ukraine, zweitens Gesprächsbereitschaft mit Russland zur Konfliktlösung, drittens Sanktionen. Sie sagt: "Wir sind im 21. Jahrhundert, wir lösen unsere Konflikte nicht militärisch, das haben wir gesagt, aber wir gehen ihnen auch nicht aus dem Weg."

Konkrete Hilfen für Kiew geplant

Polen und Deutschland wollen nun Kiew konkrete Hilfe anbieten, etwa Finanzexperten entsenden, die bei den schwierigen Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds beraten könnten. Auch Grenzschützer an der EU-Außengrenze könnten mit ihren ukrainischen Kollegen kooperieren. Und vor allem: Das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine soll bereits in der kommenden Woche unterzeichnet werden.

Eigentlich wollte Merkel ihren Duzfreund Tusk gleich nach ihrer Wiederwahl im Dezember besuchen, doch ein Skiunfall zwang sie, den Termin vom 8. Januar zu verschieben. "Es hat doch ein bisschen gedauert, bis ich wieder gesund bin", entschuldigte sich Merkel. Dann beschwören beide die guten deutsch-polnischen Beziehungen.

mod/DPA / DPA