Länderporträt Der Irak auf einen Blick


Die erste Schrift, der Turmbau zu Babel und das schwarze Gold: Das Land an Euphrat und Tigris gilt als eine Wiege der menschlichen Zivilisation.

Schon vor rund 10.000 Jahren entstanden im Zweistromland die ersten größeren menschlichen Siedlungen, die zu Stätten des geistigen Fortschritts und - oft durch lange Kriege - zu Zentren von Großreichen heranwuchsen.

Staatsgebiet fast so groß wie Schweden

Das heutige irakische Staatsgebiet, fast so groß wie Schweden, entspricht ungefähr dem antiken Mesopotamien. Etwa 3000 vor Christus entwickelte sich dort die Hochkultur der Sumerer, die als erstes Volk der Welt ein Schriftsystem entwickelten. Zu den legendären Herrschern Mesopotamiens gehörten unter anderem König Sargon von Akkad, der um 2350 v. Chr. durch einen Eroberungsfeldzug das erste Großreich der Geschichte schuf. Um 1700 v. Chr. herrschte König Hammurabi, der das erste Gesetzeswerk entwarf und in dessen Zeit der legendäre Turmbau zu Babel fiel. Der babylonische König Nebukadnezar fiel 587 v. Chr. in Jerusalem ein und trieb die Juden in die Gefangenschaft. Die Ruinen etwa von Ninive, Samarra, Ur oder Babylon zeugen von der kulturellen Bedeutung der Region.

Nach dem Ersten Weltkrieg endete eine fast dreihundertjährige Zugehörigkeit des Gebietes zum Osmanischen Reich. Die Briten übernahmen es als Mandatsgebiet, wo das "schwarze Gold" Öl 1927 entdeckt wurde. Seit 1979 herrscht Saddam Hussein über ein Volk von fast 24 Millionen Menschen mit den Nachbarn Iran, Türkei, Syrien, Kuwait und Saudi-Arabien sind.

Die Bevölkerung des Irak

Die Bevölkerung des Irak unterteilt sich sowohl ethnisch als auch religiös in je zwei große Gruppen. Gut vier Fünftel der rund 24 Millionen Menschen sind Araber, knapp ein Fünftel Kurden. Etwa zwei Drittel der Iraker hängen der schiitischen und ein Drittel der sunnitischen Glaubensrichtung des Islams an. Die Araber sind in der Mehrheit Schiiten, die Kurden Sunniten. Nur drei Prozent der Iraker gehören religiösen und fünf Prozent ethnischen Minderheiten an. Die wichtigste religiöse Minderheit sind die Christen. Schutzmacht der ethnischen Minderheit der Turkmenen ist die Türkei, die vor allem verhindern will, dass die Öl-Stadt-Kirkuk, aus der viele Turkmenen stammen, bei einer politischen Neuordnung des Irak den Kurdenparteien zufallen würde.

Die Hauptstadt Bagdad, im 8. Jahrhundert Zentrum der arabischen Welt und Schauplatz der Erzählungen aus Tausend und einer Nacht, kann zwar eine Reihe von Museen und Moscheen vorweisen. Vieles aber, was im Golfkrieg 1991 zerstört worden war, ließ die Staatsführung in pompösen neuklassizistischen Stil wieder aufbauen. In dem Land, das nach Saudi-Arabien die zweitgrößten Erdölreserven der Welt hat und damit eigentlich immens reich wäre, herrschen nach zwei schweren Kriegen und zwölf Jahren UN- Embargo Arbeitslosigkeit und Not.

Der Irak, der einst landwirtschaftliche Produkte exportiert hatte, ist heute von Importen vor allem von Nahrungsmitteln und Medikamenten abhängig, die aus begrenzten Ölexporten bezahlt werden. Ethnisch und religiös ist das Land praktisch dreigeteilt. Den Ton geben die sunnitischen Moslems im Zentrum an, die auch über die zahlenmäßig stärkeren Schiiten im Süden herrschen. Die Kurden im Norden leben seit einigen Jahren in weitgehender Autonomie. Jede Opposition gegen sein Regime wurde von Saddam in den 23 Jahren seiner Herrschaft blutig unterdrückt.

Die ethnische Mischung der Bevölkerung des Landes ist eine Folge der Staatsbildung nach dem Ersten Weltkrieg. Großbritannien erhielt für Mesopotamien, das bis dahin zum Osmanischen Reich gehörte, ein Völkerbundmandat.

Die Kolonialmacht legte die ehemaligen Provinzen Bagdad, Basra (im Süden) und das kurdische Mosul (im Norden) zum Irak zusammen. Durch die Landflucht und staatlich verordnete Umsiedelungsmaßnahmen leben heute jedoch viele Iraker nicht mehr in ihren angestammten Siedlungsgebieten. In Bagdad sind Angehörige aller Volksgruppen und Glaubensrichtung vertreten.

Religiöse Teilung hat frühe Wurzeln

Die religiöse Teilung der irakischen Bevölkerung hat erheblich frühere Wurzeln: Über die Frage der rechtmäßigen Nachfolge des Propheten Mohammed spaltete sich der Islam im 7. Jahrhundert in die sunnitische und die schiitische Glaubensrichtung. Die Strömungen unterscheiden sich etwa durch ihre Vorstellung von der Vermittlung des Glaubens: Schiiten vertrauen auf einen Imam als geistlichen und weltlichen Führer, während Sunniten keinen Mittler zu Gott anerkennen. Bei den Schiiten spielen darüber hinaus die Trauer und das Märtyrertum eine zentralere Rolle.

Obwohl die schiitischen Araber im Irak die Bevölkerungsmehrheit stellen, werden sie vom Staat ebenso benachteiligt wie die Kurden. Präsident Saddam Hussein ist ein sunnitischer Araber. Diese Minderheit bestimmt die Geschicke des Landes jedoch schon seit Ende der Kolonialzeit. Sowohl die schiitischen Araber im Süden als auch die Kurden im Norden haben wiederholt rebelliert, zuletzt unmittelbar nach dem Ende des Golfkrieges von 1991. Die Aufstände wurden stets grausam niedergeschlagen.

Seit 1920 ist Bagdad die Hauptstadt des Irak und mit fast fünf Millionen Einwohnern die größte arabische Stadt Vorderasiens. Etwa jeder fünfte Iraker lebt in diesem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Landes. Die Zerstörungen aus dem Krieg von 1991, an den eine 2001 eröffnete Moschee mit dem Namen «Mutter aller Schlachten» erinnert, wurden weitgehend behoben. Prachtbauten, Brücken und Hochhäuser wurde neu gebaut.

Husseins Porträt ist allgegenwärtig

Das Porträt von Präsident Saddam Hussein ist allgegenwärtig in den Straßen und an öffentlichen Gebäuden. Zwei stählerne Fäuste, die den Sockel eines martialischen Triumphbogens in Form gekreuzter Schwerter bilden, sollen Nachbildungen der Fäuste Saddams sein.

Eine umfassende Sanierung der Metropole am Ufer des Tigris hat seit den 50er Jahren zahlreiche Blocks des sozialen Wohnungsbaus entstehen lassen. Vom alten Bagdad ist kaum etwas erhalten. Die Altstadt und ihr Basar wurden für ein modernes Geschäftszentrum mit breiten Boulevards abgerissen. Zum Wahrzeichen der Stadt wurde die Goldene Moschee mit ihren weithin sichtbaren glänzenden Zwillingskuppeln und Minaretten. Sie ist eines der größten Heiligtümer der Schiiten. Das Irak-Museum beherbergt Funde von den wichtigsten Ausgrabungsorten Mesopotamiens. Zu den wenigen historischen Bauwerken, die zumindest teilweise erhalten geblieben sind, gehören das Talisman-Tor, eine Karawanserei aus dem 12. Jahrhundert und die Reste des Abbasiden-Palastes. Das 762 gegründete Bagdad erlebte seine Blütezeit im 9. Jahrhundert unter dem Kalifen Harun al Raschid, bekannt aus den "Märchen aus 1001 Nacht".


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