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Letitia James Vorladungen an den Ex-Präsidenten und seine Kinder: Diese Frau legt sich mit der Familie Trump an

 Letitia James, Generalstaatsanwältin aus New York, spricht auf einer Pressekonferenz (Archivbild)
"Biete den Mächtigen im Namen der Schwachen die Stirn": Letitia James, Generalstaatsanwältin des Bundesstaates New York (Archivbild)
© Richard Drew / DPA
Letitia James ermittelt gegen Donald Trumps Konzern wegen möglicher Finanzvergehen. Dafür hat sie sowohl den Ex-Präsidenten als auch dessen Kinder Donald jr. und Ivanka vorgeladen. Wer ist die Frau, die es mit den Trumps aufnimmt?

Große Namen machen Letitia James keine Angst: Die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates New York leitete im vergangenen Jahr eine Untersuchung von Vorwürfen sexueller Belästigung gegen den damaligen Gouverneur Andrew Cuomo, die in dessen Rücktritt mündete. Im August 2020 verklagte sie die mächtige Waffenlobby National Rifle Association (NRA) und ihre obersten Führer wegen Misswirtschaft. Und landesweit ist die 63-Jährige für ihre häufigen juristischen Auseinandersetzungen mit Donald Trump bekannt.

Nachdem sie 2019 als erste Frau und erste Schwarze zur New Yorker Generalstaatsanwältin gewählt worden war, hatte James Dutzende Klagen gegen die Regierung des Republikaners Trump wegen bundespolitischer Maßnahmen in den Bereichen Einwanderung, Umwelt und anderen Angelegenheiten eingereicht. "Ich habe die Trump-Administration 76 Mal verklagt. Aber wer zählt das schon?", sagte sie Ende Oktober schulterzuckend und garniert mit einem verschmitzten Lächeln, als sie ihre Kandidatur für die Gouverneurswahlen im November 2022 verkündete. "In meiner Laufbahn habe ich mich von einem einfachen Prinzip leiten lassen: Biete den Mächtigen im Namen der Schwachen die Stirn."

Letitia James ermittelt seit 2019 gegen Konzern von Donald Trump

Aber James – im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren und mit sieben Geschwistern aufgewachsen – knöpfte sich nicht nur Trumps Politik als US-Präsident vor, seit mehr als zwei Jahren leitet sie auch zivilrechtliche Ermittlungen gegen den Konzern des Milliardärs. Der Vorwurf: Die Familienholding soll den Wert von Immobilien künstlich aufgeblasen haben, wenn sie Kredite von Banken erhalten wollte, und kleingerechnet haben, wenn es ans Steuernzahlen ging.

So gab die Trump-Organisation den Wert eines Bürogebäudes in der Wall Street mit 527 Millionen Dollar an, als sie im Jahr 2012 ihre Vermögenswerte für potenzielle Kreditgeber auflistete; einige Monate später teilte sie den Grundsteuerbehörden mit, dass das 70 Stockwerke hohe Gebäude nur 16,7 Millionen Dollar wert sei, wie die "Washington Post" unter Berufung auf Unterlagen der Stadt berichtete. Der Wert eines Golfclubs von Trump in Kalifornien sei je nach Publikum mit 900.000 oder 25 Millionen Dollar angegeben worden, während sich die Bewertungen eines Anwesens in einem New Yorker Vorort zwischen 56 und 291 Millionen Dollar bewegt hätten.

Im Oktober 2020 befragten James' Mitarbeiter bereits Trumps Sohn Eric, Exekutiv-Vizepräsident der Trump-Organisation, zu den Anschuldigungen. Und wie ein Gerichtsdokument nun bestätigte, hat die Generalstaatsanwältin bereits im Dezember auch Donald Trump höchstpersönlich sowie dessen Kinder Donald junior und Ivanka einbestellt. Bereits an diesem Freitag soll der Ex-Präsident aussagen.

Dass Donald Trump tatsächlich in zwei Tagen bei der Staatsanwaltschaft erscheint, ist kaum anzunehmen. Die Familie hat laut den Gerichtsunterlagen bereits die Annullierung der Vorladungen beantragt, was James mit scharfen Vorwürfen quittierte: Seit mehr als zwei Jahren versuchten Mitglieder der Trump-Familie und die Trump-Organisation permanent, ihre Ermittlungen zu "verzögern und behindern", kritisierte die Chefanklägerin, die Mitglied der Demokratischen Partei ist. Gleichwohl müssten die Trumps "trotz ihres Familiennamens" dieselben Regeln beachten wie alle anderen Bürger auch.

James könnte wegen Trump-Vorladungen vor Gericht ziehen

Sollte Trump sich weigern, James Rede und Antwort zu stehen, könnte sie ihn vor Gericht bringen, um ihn zum Einlenken zu bewegen. Anfang 2021 zwang ein Richter den Ex-Präsidenten, in einem Fall auszusagen, in dem seine Sicherheitsleute beschuldigt wurden, 2015 Demonstranten angegriffen zu haben. Und auch Donald junior und Ivanka konnten sich im Dezember 2020 und Februar 2021 einer Befragung unter Eid durch den Generalstaatsanwalt von Washington über ihre Beteiligung an der Amtseinführung ihres Vaters nicht entziehen.

Wie ernst Letitia James ihren Job als Generalstaatsanwältin nimmt, zeigte sich vor vier Wochen: Nach nur zwei Monaten verabschiedete sich die 63-Jährige aus dem Rennen um den Gouverneursposten. Sie werde sich stattdessen für ihr aktuelles Amt zur Wiederwahl stellen, verkündete New Yorks oberste Strafverfolgungsbeamtin Anfang Dezember. "Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich meine Arbeit als Generalstaatsanwältin fortsetzen muss. Es gibt eine Reihe von wichtigen Untersuchungen und Fällen, die im Gange sind, und ich beabsichtige, die Arbeit zu beenden. Ich trete zur Wiederwahl an, um die Arbeit zu vollenden, für die mich die New Yorker gewählt haben."

Den Namen Trump nannte James kein einziges Mal in ihrer Erklärung. Angesichts der Fälle auf ihrem Schreibtisch dürfte jedoch klar sein, welche "Arbeit" sie vollenden will. Gouverneurin Kathy Hochul, Nachfolgerin von Andrew Cuomo, ließ denn auch in ihrer Reaktion auf die Rückzugsmeldung ihrer innerparteiliche Konkurrentin keinen Zweifel an den Adressaten: "Dies ist ein sehr schlechter Tag für Donald Trump und die NRA, wenn wir Tish James, eine der besten Generalstaatsanwältinnen des Landes, haben, die sich endlich darauf konzentriert, dafür zu sorgen, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird."

Quellen: Letitia James' Presseerklärung, Letitia James auf Twitter"Washington Post" I, "Washington Post" II, CNNAssociated Press I,Associated Press II"Huffington Post,


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