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MH17-Absturz: Russland soll Satellitenfotos gefälscht haben

Noch immer sind die Schuldigen für den MH17-Absturz im Juli 2014 nicht gefunden. Eine Enthüllungsplattform wirft Moskau jetzt vor, Aufnahmen manipuliert zu haben, die die Ukraine der Tat bezichtigen.

Der MH17-Absturzort im August letzten Jahres: Trümmerteile der abgeschossenen Boeing liegen auf einem Feld in der Ostukraine

Der MH17-Absturzort im August letzten Jahres: Trümmerteile der abgeschossenen Boeing liegen auf einem Feld in der Ostukraine

Noch immer schieben sich Russland und die Ukraine gegenseitig die Schuld am Absturz des Flugs MH17 zu. Die Boeing 777 war am 17. Juli 2014 über dem Kampfgebiet in der Ostukraine abgeschossen worden. Vier Tage später präsentierte das russische Verteidigungsministerium auf einer Pressekonferenz mehrere Satellitenbilder, die beweisen sollten, dass die Ukraine für das Unglück mit 298 Toten verantwortlich sei.

Jetzt, mehr als zehn Monate später, lässt die britische Enthüllungsplattform "Bellingcat" in einem Untersuchungsbericht erhebliche Zweifel an der von Moskau verbreiteten Version des Absturzes aufkommen. Nach forensischer Analyse des Materials kommen die Experten zu dem Ergebnis, dass zwei der sechs präsentierten Sattelitenfotos "eindeutig und unzweifelhaft (…) falsch datiert und durch die Software Adobe Photoshop CS5 digital verändert wurden", wie es in dem Untersuchungsbericht heißt.

Manipuliert und vor Absturz aufgenommen

Manipulation wurde demnach bei einem Foto festgestellt, das laut Moskau belegen soll, dass es kurz vor dem Absturz eine ukrainische Truppenbewegung samt Verlegung eines Buk-Raketenwerfers gegeben haben soll. Für Bellingcat steht indes fest, dass die Aufnahme einer nachträglichen Bearbeitung unterzogen wurde. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden Wolken im linken und rechten Bildbereich digital zugefügt", schreiben die Experten. Dadurch seien Details zum Vergleich mit anderen Bildern verdeckt worden.

Da die Plattform das Bild zudem mit frei zugänglichen Satellitenaufnahmen aus Google Earth verglich, stellte sie ferner fest, dass es "unzweifelhaft im Zeitraum zwischen dem 1. Juni 2014 und dem 18. Juni 2014 entstanden" sei - und damit etwa einen Monat vor der MH17-Tragödie. In ihrer Analyse stützen sich die Enthüller unter anderem auf Veränderungen in der Vegetation.

Auch ein zweites Satellitenfoto muss laut Bellingcat bereits vor dem Absturz entstanden sein. Nach russischen Angaben zeigt es eine am Abschusstag in der Nähe des Dorfes Saroschenskoje stationierte Buk-Batterie des ukrainischen Militärs. Auch hier gehen die Experten nach Bildvergleichen davon aus, dass es nicht nur manipuliert, sondern ebenso "ohne jeden Zweifel vor dem 15. Juli entstanden ist".

Zeitungsbericht stüzt sich auf gefälschte Bilder

Russland hatte auf genannter Pressekonferenz nach dem Unglück die Ukraine unter anderem aufgefordert, Auskunft über einen Kampfjet zu erteilen, der sich damals dem Flug MH17 genähert haben soll. Auch wollte Moskau eine Erklärung dafür, warum Kiew ein Buk-System im Separatistengebiet stationiert habe, obgleich die Aufständigen nicht über Flugzeuge verfügten.

Russland ging es damals offenbar vor allem darum, die Gegner aus Kiew öffentlich zu diskreditieren. Dafür dass harte Fakten dabei scheinbar eine untergeordnete Rolle spielten, spricht ein im Mai von der russischen Tageszeitung "Nowaja Caseta" veröffentlichter Bericht. Darin wird plötzlich behauptet, dass MH17 von einer Buk aus ukrainischer Stellung heraus abgeschossen wurde. Beweise für diese Theorie zieht die Zeitung aus dem Bericht und den Bildern des Verteidigungsministeriums.

Jenen Aufnahmen also, die sich nun als möglicherweise gefälscht und manipuliert herausstellten.

mod