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US-Vizepräsident Trumps treuer Gehilfe: Warum Mike Pence kurz vor dem Ende der Amtszeit ein Problem hat

Mike Pence
Mike Pence, Vizepräsident der Vereinigten Staaten
© Jeff Kowalsky/AFP
Mike Pence steht Donald Trump seit mehr als sechs Jahren treu zur Seite. Selbst jetzt gehört der Vize noch zu den Hardlinern im Clan des Präsidenten, die den Wahlsieg von Joe Biden bisher nicht eingestanden haben. Das könnte sich allerdings schon bald ändern.

Batman hat Robin. Mick Jagger hat Keith Richards. Michael Jordan hatte Scottie Pippen. Alle großen oder auch bloß gernegroßen Männer haben ihn: den treuen, manchmal gar ergebenen Sidekick, den Sparringpartner und Dulder, der manchmal plötzlich aus dem Hintergrund tritt und zum Helden der Geschichte wird.

Donald Trump hat Mike Pence

Seit Trump ihn im Sommer 2016 während des Wahlkampfs zum Running Mate machte, steht der ehemalige Gouverneur von Indiana dem US-Präsidenten bedingungslos zur Seite. Weder die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Trump, noch dessen unberechenbare Launen, noch das Impeachment-Verfahren, noch nicht einmal das eindeutige Wahlergebnis im November haben dafür gesorgt, dass der konservative Christ seinem irrlichternden Boss auch nur einen Millimeter von der Seite wich.

Mike Pence muss Bidens Sieg im Kongress bestätigen

Aber wie so viele Facetten der Ära Trump könnte auch die Personalie Pence kurz vor dem Ende noch einmal eine besondere Wendung erfahren. Zwar hat der Vizepräsident zu einem Zeitpunkt, da viele Republikaner langsam die Zeit nach dem 20. Januar – dem Datum von Joe Bidens Vereidigung als 46. Präsident der Vereinigten Staaten – ins Visier nehmen, dem Demokraten immer noch nicht zum Wahlsieg gratuliert, was er nur noch mit dem harten Kern um Trump gemeinsam hat. Aber im Gegensatz zu ihnen könnte sich das für Pence in Kürze ändern.

Denn am 6. Januar leitet er die Sitzung im Kongress, bei der Bidens Sieg im Electoral College bestätigt wird. Das heißt: Er wird vor dem Senat und dem Repräsentantenhaus das Ergebnis verlesen, dass er bisher noch nicht öffentlich anerkannt hat – eine Realitätsverweigerung, zu der Trump ihn via Twitter bereits aufgefordert hat.

Pence ist ein erfahrener Politiker, der zwölf Jahre im Kongress gedient hat. Natürlich weiß er, dass er und Trump die Wahl gegen Biden und Kamala Harris verloren haben. Aber trotzdem ist es ihm bisher gelungen, weiter dem Kurs seines Vorgesetzten zu folgen. Man werde nicht aufhören zu kämpfen, verkündete Pence noch Mitte Dezember in den sozialen Medien, "bis jede legale Stimme gezählt und jede illegale Stimme verworfen" sei.

Natürlich steckt Kalkül hinter dieser Form der Treuebekundung. Pence war schließlich Zeuge, wie in den letzten Wochen viele Weggefährten des Präsidenten allein aufgrund der Tatsache, dass sie die Niederlage akzeptierten, den Zorn des Donald auf sich zogen. Man frage nach bei Mitch McConnell oder gleich beim gesamten Supreme Court.

Andererseits ist Pence ein zurückhaltender Typ, bei dem eine zweite Ebene immer durchaus denkbar ist. So führt beispielsweise das US-Nachrichtenmagazin "The Daily Beast" einen anonymen Regierungsbeamten als Quelle an, der behauptet: "Der Vizepräsident möchte nicht mit diesem Schiff untergehen." Auch sei Pences Konterfei aus dem Logo von Trumps Wahlkampagnen und sein Name aus dem Absenderbereich der Mails des Komitees entfernt worden, hätten weitere Recherchen von "The Daily Beast" ergeben.

Sehen Sie im Video: Wie eine Fliege zum heimlichen Star des TV-Duells zwischen Harris und Pence wurde.

Die Auslandsreise in den Nahen Osten

Allerdings gibt es darüber hinaus, objektiv betrachtet, wenig Anhaltspunkte, warum Pence nach viereinhalb Jahren des mehr oder weniger ausgeprägten Wahnsinns unter Trump ausgerechnet jetzt seine Loyalität aufgeben sollte. Entsprechend hat einer seiner Sprecher den Bericht von "The Daily Beast" bereits dementiert.

Trotzdem dürften die traditionellen Abläufe dafür sorgen, dass Pence in den nächsten Tagen einen besonderen Druck verspürt. Denn mit der offiziellen Auszählung am 6. Januar würde er sozusagen höchstpersönlich eine reibungslose Amtsübergabe an Joe Biden initiieren, was für den neutralen Beobachter nicht einer gewissen Ironie entbehrt. Für Pence dürfte es ein innerer Kampf werden, aus dem er kaum ohne Kratzer hervorgehen kann.

Wahrscheinlich würde Pence unter diesen Voraussetzungen am liebsten ganz schnell das Weite suchen, sobald der offizielle Teil überstanden ist. Da verwundert es wenig, dass das US-Portal "Politico" berichtet, Pence habe noch eine Auslandsreise in den Nahen Osten geplant, unter anderem nach Israel und Bahrain. Das passt natürlich ins Bild der vergangenen Bemühungen von Trumps Administration in der Region. Und wer wäre ein besserer Botschafter als der evangelikale Pence?

Laut "Politico" ist der Starttermin des Trips für den 6. Januar angesetzt.


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