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Naher Osten Hunderte Raketen, dutzende Tote: Warum flammt der Konflikt zwischen Israel und Hamas wieder auf?

Durch den Nachthimmel über einer Stadt ziehen sich Lichtspuren von Raketen, die von zwei Orten am Horizont starten
Sehen Sie im Video: Hamas feuert Raketen auf Tel Aviv – mehrere Israelis kommen ums Leben.




In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv sind bei weiteren Raketenangriffen der radikalislamischen Hamas mehrere Menschen ums Leben gekommen. In der Stadt war auch am frühen Mittwochmorgen binnen kurzer Zeit mehrfach Raketenalarm ausgelöst worden. Es waren heulende Warnsirenen und mehrere Explosionen zu hören. Die Hamas hatte bereits am Dienstagabend 130 Raketen auf Tel Aviv abgefeuert. Der bewaffnete Arm der Hamas teilte mit, er feuere derzeit Geschosse auf Tel Aviv und weitere auf die Stadt Beerscheva ab. Die Attacke sei eine Antwort auf den Angriff des israelischen Militärs auf ein Hochhaus im Gazastreifen. Zuvor hatte die Hamas die Zerstörung eines neunstöckigen Gebäudes im Zentrum von Gaza-Stadt gemeldet. In dem Haus befanden sich demnach Wohnungen, Geschäfte und ein örtlicher Fernsehsender. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte zuvor erklärt, militante Palästinenser würden "einen sehr hohen Preis" für die Raketenangriffe zahlen müssen. Israel werde die "Stärke und Häufigkeit" seiner Luftangriffe angesichts des anhaltenden Beschusses erhöhen. Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hatte sich in den vergangenen Tagen wieder zugespitzt. Militante Palästinenser feuerten nach Angaben der israelischen Armee seit Montag mehr als 800 Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel ab. Israels Luftwaffe habe ihrerseits rund 500 Ziele angegriffen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza stieg die Zahl der getöteten Palästinenser auf 35, darunter Kinder und Frauen. Mehr als 200 Menschen seien verletzt worden. In den Tagen zuvor war es an der Al-Aksa-Moschee in Ost-Jerusalem zu Ausschreitungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Dabei wurden Hunderte Menschen verletzt.
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Drei Kriege zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen hat es seit 2008 bereits gegeben. Beginnt nun die vierte blutige Auseinandersetzung? Seit Tagen beschießen radikale Palästinenser den Nachbarn mit Raketen, die israelische Armee fliegt Angriffe. 

Zwischen Israel und den Palästinensergebieten eskaliert der alte Konflikt erneut: Militante Palästinenser im Gazastreifen haben erneut Hunderte Raketen auf Israel abgefeuert, es gab wieder Tote. Die israelische Armee wiederum Ziele in dem Küstenstreifen angegriffen, auch dort gab es Todesopfer.

Zwischen 2008 und Sommer 2014 hatte es drei Konflikte zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen gegeben. Kurz vor dem Krieg 2014 scheitert der bisher letzte Versuch der beiden Seiten, am Verhandlungstisch einen Frieden zu vereinbaren. Die aktuelle Eskalation begann im muslimischen Fastenmonat Ramadan. In Jerusalem – und dort insbesondere auf dem Tempelberg – stießen mehrfach Palästinenser und israelische Sicherheitskräfte zusammen, Hunderte Menschen sollen dabei verletzt worden sein.

Polizei-Absperrungen waren Mitauslöser

Auslöser waren unter anderem Polizei-Absperrungen an der Altstadt sowie drohende Zwangsräumungen von palästinensischen Familien im Viertel Scheich Dscharrah durch israelische Behörden. Am frühen Montagabend begannen dann militante Palästinenser im Gazastreifen damit, Raketen auf Israel abzuschießen.

Ein Sprecher der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas nannte die Angriffe eine Botschaft an den Feind Israel und eine "Reaktion auf seine Verbrechen und Aggression gegen die heilige Stadt". Mehrere Raketen wurden am Montag am Jerusalem-Tag, an dem in Israel an die Eroberung des arabischen Ostteils einschließlich der Altstadt während des Sechstagekriegs 1967 erinnert wird, auch in Richtung der Stadt abgefeuert.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sah dadurch eine rote Linie überschritten. Er stimmte die israelischen Bürgerinnen und Bürger auf einen längeren Konflikt ein. Die EU und die USA verurteilten die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen.

Tempelberg: heiliger Ort für Juden und Muslime

Der Status Jerusalems ist eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt. Israel beansprucht Jerusalem als "ewige und unteilbare Hauptstadt" für sich. Die Palästinenser halten ihrerseits an ihrem Anspruch auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines unabhängigen Staates fest.

Der Tempelberg in der Altstadt mit dem Felsendom und der al-Aksa-Moschee ist für Juden wie Muslime von herausragender Bedeutung. Es ist die drittheiligste Stätte im Islam. Zugleich standen dort früher zwei jüdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

Einem Armeesprecher zufolge fing das Abwehrsystem "Iron Dome" (Eisenkuppel) einen Großteil der Raketen aus dem Gazastreifen ab. Das von Israel entwickelte mobile System "Iron Dome" soll das Land vor Raketen schützen. Ein Radargerät erkennt anfliegende Geschosse und gibt die Information an einen Raketenwerfer weiter. Der startet eine Abfangrakete, um das feindliche Geschoss möglichst vor dem Einschlag noch in der Luft zu zerstören.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde nach seiner Erstveröffentlichung am 11. Mai aktualisiert.

nik / wue DPA AFP

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