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Nahost: Israel rückt in den Gazastreifen ein

Israel hat seine Drohung wahr gemacht. In der Nacht zu Mittwoch sind israelische Streitkräfte in den Gazastreifen einmarschiert, um dort den entführten Soldaten zu befreien. Dabei hatten es die Israelis auch auf Brücken und ein Elektrizitätswerk abgesehen.

Israel hat ernst gemacht. Drei Tage nach der Entführung eines israelischen Soldaten in den Gazastreifen hat Israel in der Nacht zu Mittwoch eine Militäroffensive im Süden des Palästinensergebiets begonnen. Die Truppen wollten den Gazastreifen nicht erneut besetzen, sondern würden nach der Befreiung des 19-jährigen Gilad Schalit wieder abziehen, sagte eine Militärsprecherin am Mittwochmorgen dem US-Fernsehsender CNN. Gepanzerte Einheiten bezogen in der Nacht Stellungen in unbewohntem Terrain nahe der Stadt Rafah.

Widersprüchliche Entwicklungen in Nahost

Der Konflikt in Nahost ist derzeit von widersprüchlichen Entwicklungen gekennzeichnet. Am Montag erregte die Nachricht Aufmerksamkeit, dass die palästinensischen Organisationen Hamas und Fatah sich darauf geeinigt haben, den Staat Israel faktisch anzuerkennen. Dieser Schritt eröffnet neue Möglichkeiten der Annäherung zwischen Israel und der Regierung der Palästinensischen Autonomiebehörde und lässt eine Zwei-Staaten-Lösung wahrscheinlicher erscheinen. Dieser Entwicklung läuft der nun militärisch geführte Konflikt um den entführten israelischen Soldaten zuwider.

Luftwaffe bombardiert Brücken

Ziele in dem Gebiet würden mit Artillerie beschossen, bestätigte die Militärsprecherin. Es habe zunächst jedoch wenig Widerstand von palästinensischen Kämpfern gegeben, berichteten israelische Medien unter Berufung auf Militärangaben. Gegen Mitternacht hatte die Luftwaffe drei Brücken südlich von Gaza und ein Elektrizitätswerk bombardiert. Große Teile des Gazastreifens lagen daraufhin im Dunkeln. Über mögliche Opfer lagen keine Angaben vor.

Operation "Sommerregen"

Über das genaue Ziel der Militäroperation, die nach israelischen Medienberichten unter der Bezeichnung "Sommerregen" läuft, herrschte zunächst Unklarheit. Es werde vermutet, dass der entführte Soldat im Flüchtlingslager von Chan Junis festgehalten werde, berichtete die Zeitung "Haaretz" in ihrer Internetausgabe. Beobachter spekulierten, möglicherweise solle mit dem Vorstoß auch nur verhindert werden, dass der Entführte über die Grenze nach Ägypten gebracht werde. Ein Militärsprecher sagte, die Brücken seien zerstört worden, um den Transport des Soldaten innerhalb des Gazastreifens zu verhindern.

"Die Entführung war ein "Kriegsakt"

Der israelische Botschafter in Washington, Daniel Ayalon, sagte in einem CNN-Interview, die Entführung des Soldaten sei ein "Kriegsakt" gewesen. Er verwies ferner darauf, dass seit November mehr als 800 Kurzstreckenraketen aus dem Gazastreifen auf israelische Ortschaften abgeschossen worden seien. Sollten die Palästinenser den Soldaten freilassen, könne die Militäroperation sofort beendet werden. Die diplomatischen Bemühungen um eine Freilassung dauerten an.

Die Europäische Union äußerte sich am Dienstagabend über die jüngste Entwicklung im Nahen Osten "tief besorgt" und forderte die radikalen Palästinenser auf, den entführten Soldaten "sofort und bedingungslos" wieder freizulassen. Auch Uno-Generalsekretär Kofi Annan appellierte erneut an die Palästinenser, den Soldaten freizulassen und damit zur Entspannung beizutragen.

DPA/Güss / DPA