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"Lookin' for a Leader 2020" Dieser Neil-Young-Song wird garantiert nicht im Trump-Wahlkampf benutzt

Neil Young mit akustischer Gitarre auf der Bühne
Rockstar Neil Young sucht in einem neuen Song einen Führer für die USA. Donald Trump will er abwählen.
© Neils Meilvang / DPA
Rockstar Neil Young hat sich in seinen Songs immer wieder politisch positioniert. Jetzt tut er es wieder. In "Lookin' for a Leader" greift er Donald Trump massiv an – ohne dessen Namen zu erwähnen.

Wenn die US-Amerikaner Anfang November einen neuen Präsidenten wählen, dann kann auch Neil Young erstmals seine Stimme abgeben. Obwohl der knorrige Rockstar seine Karriere komplett in den USA aufgebaut hat und dort seit Jahrzehnten erfolgreich ist, hat der Kanadier erst seit Januar auch die US-Staatsbürgerschaft.

Dass er am 3. November nicht Donald Trump wählen wird, ist offensichtlich. Nicht nur, weil er Trump die Nutzung seiner Hymne "Rockin' in the Free World" gerichtlich untersagen lassen will, sondern auch weil er einen neuen Song veröffentlicht hat, in dem Trump – natürlich – alles andere als gut wegkommt.

Neil Young: "Lookin' for a Leader"

"Lookin' for a Leader 2020" heißt der zur akustischen Gitarre gesungene Protestsong, der seit ein paar Tagen auf Youngs Webseite zu finden ist. Und vor allem diese vier Zeilen dürfte das Stück mit größter Sicherheit davor bewahren, von Trumps Wahlkampfteam missbraucht zu werden:

"America has a Leader
building walls around our house.
He don't know black lives matter
and we got to vote him out."

("Amerika hat einen Führer, der Mauern um unser Haus baut. Er weiß nicht, dass schwarze Leben zählen und wir müssen ihn abwählen.").

Die politische Botschaft des Songs ist durchweg so schlicht und klar wie der Song selbst: Trump muss weg! An einer Stelle trauert Young zudem sehr deutlich Barack Obama hinterher und ruft zur Wahl von Joe Biden auf, Obamas früheren Vize-Präsidenten:

"Yeah, we had Barack Obama
and we really need him now.
The man who stood behind him
has to take his place somehow."

("Ja, wir hatten Barack Obama, und wir brauchen ihn jetzt wirklich. Der Mann, der hinter ihm stand, muss irgendwie seinen Platz einnehmen.") Dass Biden für ihn nicht das Format von Obama hat, lässt Young in diesen Zeilen mehr als nur durchscheinen. Aber: Alles ist besser als Trump. Außerdem scheint der 74-Jährige die Hoffnung zu haben, dass der Ex-Präsident über Biden wieder mitregieren könnte.

Im Original eine Kritik an Politik von George W. Bush

Der Zusatz "2020" im Titel deutet nicht nur auf die US-Wahlen in diesem Jahr hin. "Lookin' for a Leader" stammt ursprünglich von 2006 und stammt von Youngs ebenfalls sehr politischem Album "Living With War" – einer Abrechnung mit der Politik des jüngeren Bush-Präsidenten George W. Für die neue Version stellte Young Textzeilen um und ergänzte die auf Trump gemünzten Verse. Youngs Kommentare zur politischen Situation vor 14 Jahren könnten auch aus jüngster Zeit stammen. "Würde man Bush impeachen", sagte er damals der "New York Times", "würde man den Republikanern einen großen Gefallen tun. (...) Sie könnten dann mit Stolz weitermachen."

Auch das von Trumps Wahlkampfmannschaft so gerne verwendete "Rockin' in the Free Wolrd" kritisiert übrigens eine republikanische Regierung – die des älteren Bush-Präsidenten George H.W. Voller Sarkasmus übernimmt Young darin Zeilen aus dessen Inaugurationsrede, in der Bush ein mitfühlendes Amerika entworfen hatte, in dem eine "freundlichere Hand" gereicht werde, um die USA und die Welt zu einem besseren Ort zu machen – ein leuchtendes Beispiel aus "tausend Lichtpunkten". Young münzte diese Zeilen auf den Golfkrieg gegen das Irak des Saddan Hussein, der mit Nachtangriffen im grün schimmernden Licht der Flugabwehr begann: "Wir haben tausend Lichtpunkte für den obdachlosen Mann. Wir haben eine freundlichere, sanftere Maschinengewehr-Hand." Der Kriegsgrund ("Saddam habe Massenvernichtungswaffen") war immer umstritten, später musste die US-Regierung eingestehen, dass er vorgeschoben war. So genau haben sich Trumps Wahlkämpfer den Song offenbar nicht angehört.

Vor 50 Jahren: "Soldaten und Nixon kommen"

Mit "Lookin' for a Leader 2020" feiert Young übrigens so etwas wie ein Jubiläum in seinem Protest gegen republikanische Präsidenten. Vor 50 Jahren schon sang er gegen die Politik von Richard Nixon an, der 1974 wegen der Watergate-Affäre zurücktreten musste. Vier Jahre zuvor, am 4. Mai 1970, ereignete sich das Kent-State-Massaker, bei dem die Nationalgarde des Staates Ohio während einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg an der Kent State Universität das Feuer auf die Menge unbewaffneter Demonstranten eröffnete. Vier Studenten starben, neun wurden teils schwer verletzt. Bis heute wurde niemand für diesen Vorfall zu Rechenschaft gezogen.

Young schrieb: "Zinnsoldaten und Nixon kommen. Wir sind letztlich allein. Diesen Sommer höre ich das Trommeln. Vier Tote in Ohio." Und später im Text: "Was wäre, wenn du sie kennen würdest. Und fändest sie tot auf dem Boden. Wie kannst du davonlaufen, wenn du davon weißt?"

Quellen: Neil Young Archives; "Variety"; "Rolling Stone"; "New York Times"

dho

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