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Gouverneur von New York Neue Vertuschungsvorwürfe gegen den einstigen Corona-Helden Andrew Cuomo


Bis vor ein paar Wochen galt Andrew Cuomos Kampf gegen Corona als vorbildlich, doch mittlerweile wird immer deutlicher, dass New Yorks Gouverneur getrickst hat. Offenbar ließ er Todeszahlen nach unten manipulieren.

Andrew Cuomo, Gouverneur des Bundesstaates New York, gehörte zu den ganz wenigen Gewinnern der Corona-Pandemie. Sein Krisenmanagement war vorbildlich, seine Kommunikation transparent, seine Bilanz eindrucksvoll. Doch der Glanz, in dem sich der Demokrat sonnte, war offenbar erschwindelt. Zumindest in wesentlichen Teilen. Seit einiger Zeit gibt es Vorwürfe gegen Cuomo, dass die Zahl der Corona-Toten in Alten- und Pflegeheimen nach unten gerechnet wurde, um das wahre Ausmaß der Sterbefälle zu verschleiern. Jetzt melden US-Medien, dass Mitarbeiter des Gouverneurs Berichte des Gesundheitsamts manipuliert haben sollen.

Laut der "New York Times" und des "Wall Street Journals" hätten Cuomo-Vertraute Behördenvertreter im Sommer dazu gedrängt, Tote aus der Juli-Statistik zu nehmen, die sich zwar in den Heimen infiziert, aber im Krankenhaus verstorben waren. Auf diese Weise sei die im ersten Bilanz-Entwurf genannte Zahl von 9200 Corona-Tote auf 6432 gedrückt worden, heißt es in den beiden Medien, die sich auf entsprechende Dokumente und beteiligte Personen berufen. Wegen dieser Vorwürfe ermittelt bereits das Justizministerium, das in den USA zugleich die Staatsanwaltschaft ist.

Frauen erheben Vorwürfe gegen Andrew Cuomo

Zu Beginn der Pandemie hatte Andrew Cuomo verfügt, dass Alten- und Pflegeheime auch infizierte, aber nicht lebensbedrohlich erkrankte Menschen aufnehmen müssen, um so Krankenhausbetten für Intensiv-Betreuung frei zu machen. Kritiker werfen ihm vor, dass sich dadurch in den Alten- und Pflegeheimen deutlich mehr Menschen infiziert hätten und gestorben seien. Cuomo bestreitet das. Auch soll er Kritiker aus der Politik aggressiv angegangen sein und versucht haben, sie einzuschüchtern, wie viele nun offen berichten.

Die mutmaßlichen Falschangaben bei den Todeszahlen sind allerdings nicht das einzige Problem des 63-jährigen Politikers. Noch größere Wellen schlagen Vorwürfe sexueller Belästigung, die drei Frauen im Abstand von nur wenigen Tagen gegen ihn erhoben haben. Eine ehemalige Beraterin beschuldigte ihn, sie 2018 in seinem Büro in Manhattan ungefragt auf den Mund geküsst zu haben. Eine weitere Frau sagte, er habe sie verbal bedrängt und eine dritte Frau wirft Cuomo vor, sie unangemessen angefasst und gefragt zu haben, ob er sie küssen dürfe.

Der Regierungschef hat sich für mögliche "Fehlinterpretationen" entschuldigt. "Ich räume ein, dass einige der Dinge, die ich gesagt habe, als unerwünschte Flirts fehlinterpretiert worden sind. Soweit das jemand so empfunden hat, tut mir das aufrichtig leid", erklärte er per Mitteilung – betonte aber auch, dass er "nie jemanden unangemessen berührt" und auch nie jemandem unsittliche Avancen gemacht habe.

Rücktrittsvorwürfe blockt er ab

Cuomos Büro kündigte eine unabhängige Untersuchung an, in deren Rahmen der Gouverneur und alle Mitarbeiter "voll kooperieren" würden. New Yorks Justizministerin Letitia James versprach: "Am Ende der Überprüfung werden die Ergebnisse in einem Bericht veröffentlicht." Hochrangige Demokraten unterstützen die Überprüfung – allen voran Präsident Joe Biden.

Rufe nach einem Rücktritt – auch aus der eigenen Partei wie von seinem Dauerfeind, New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio – blockt Cuomo bislang ab. Sollten sich die Vorwürfe gegen ihn erhärten, wird er sich nicht mehr lange im Amt halten können.

Quellen: "New York Times", "Wall Street Journal", NBC News, DPA, AFP

nik

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