HOME

Österreich: Das kann ja Haider werden

Am Wahlsonntag droht Österreichs Demokratie ein Déjà-vu: Die FPÖ ist wieder da. Der neue Frontmann Heinz-Christian Strache kopiert seinen Vorgänger - und gilt als noch radikaler.

Von Claus Hecking, Mürzzuschlag

Nachts in einer einsamen Gasse möchte man den drei Glatzköpfen nicht begegnen. Ihr Anführer trägt einen Schlagring an der Halskette, auf dem Arm seines Kumpels prangt eine "88"-Tätowierung, der Dritte begrüßt seine Freunde mit drei gespreizten Fingern: dem "Kühnen-Gruß" der Neonazis.

Doch fürchten muss sie der Rentner mit dem Tirolerhut neben ihnen an diesem lauen Septemberabend nicht: Hunderte Menschen haben sich auf dem Stadtplatz der steirischen Gemeinde Mürzzuschlag versammelt. Sie stehen zusammen, Biedermann und die Brandstifter, trinken Freibier, lauschen dem Redner auf dem Podium.

"Missbrauchssystem für die Zuwanderer"

Und Heinz-Christian Strache enttäuscht sie nicht. "Die Regierung hat ein Missbrauchssystem für die Zuwanderer geschaffen", ruft der Chef der rechtspopulistischen FPÖ. "Seit drei Jahrzehnten geht das so: Tore auf - komme nur, wer will!"

Straches Kopf wird rot, seine Stimme überschlägt sich: "Es gibt Hunderttausende, die kein Deutsch lernen, nicht arbeiten, nur abkassieren!" Und dann applaudieren sie: der Pensionär, die Kahlköpfe, die Mutter mit Kinderwagen, das Studentenpärchen.

Die Freiheitlichen, wie sie sich nennen, sie sind wieder da. Die Partei, die Ausländer von der Sozialversicherung ausschließen, eingebürgerten Zuwanderern die Staatsbürgerschaft bei fehlenden Deutschkenntnissen entziehen und Minarette und Kopftücher im öffentlichen Raum verbieten will.

Ganz Europa in Aufregung

Zur Jahrtausendwende haben sie schon einmal ganz Europa in Aufregung versetzt, als sie unter ihrem Frontmann Jörg Haider in die Regierung aufstiegen und die EU die politischen Beziehungen zu Österreich einfror. Dann fielen sie in der Wählergunst. Haider sprang ab und gründete seine eigene Partei, das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ). Die FPÖ stand vor dem Aus.

Jetzt feiert sie ihre Wiederauferstehung, mit alten Parolen und neuem Führer: Heinz-Christian Strache. Zwischen 17 und 20 Prozent verheißen ihr die Umfragen für die Parlamentswahlen am Sonntag. "Wir erleben gerade ein Déjà-vu", sagt der Politikberater Thomas Hofer. "Die FPÖ inszeniert sich wieder nach dem Haider-Rezept - mit Erfolg."

Regierungsbildung kaum ohne FPÖ

Sie machen es ihm aber auch leicht, die "Systemparteien", wie sie Strache nennt. Die Große Koalition hat sich Ende Juni nach 18 Monaten Selbstzerfleischung aufgelöst und Neuwahlen ausgerufen. Seither lassen Sozial- und Christdemokraten keine Gelegenheit aus, dem einstigen Partner zu schaden. Ergebnis: Beide Volksparteien liegen in den Umfragen unter 30 Prozent. Bleibt es so, kommen sie bei der Regierungsbildung kaum an der FPÖ vorbei. "Eine weitere Große Koalition kann man dem Wähler nach diesem Wahlkampf kaum verkaufen, wenn es eine andere rechnerische Lösung gibt", sagt der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier. Nur 15 Prozent aller Österreicher wünschen sich noch einmal Rot-Schwarz.

Strache schlachtet dieses Dilemma gnadenlos aus. "Für was haben die Würtschtln zig Millionen Euro für Neuwahlen ausgegeben, wenn danach die Große Koalition weitergeht?", ruft er über den Stadtplatz. "Das ist eine ganz miese, schäbige Geschichte."

So hat auch Jörg Haider einmal gewütet - Strache gibt sich alle Mühe, sein einstiges Idol zu kopieren. Er stellt sich als moderner Robin Hood dar, als Kämpfer für die Rechte des Volkes gegen die abgehobenen Eliten, wie einst Haider. Er polemisiert gegen die Regierung, die Zuwanderer und die EU.

Er trägt den Pullover wie sein früheres Vorbild

Er ist genauso sonnengebräunt, manchmal trägt er gar den Pullover so über den Schultern wie sein früheres Vorbild. Und er hat den gleichen Wahlkampfslogan: "SIE sind gegen IHN, weil ER für EUCH ist."

Wie einst Haider. "Das ist geistiges Eigentum der FPÖ", sagt Strache, als er darauf angesprochen wird. Die Wahlkampfstrategen kupfern auch bei anderen Politikern ungeniert ab. So posiert "Stra-CHE", wie er sich nennt, auf seiner Homepage mit Baskenmütze und Stern, wie einst Che Guevara - er sieht sich auch als Sozialrebell.

Daneben kann man seinen Wahlkampfsong "Viva HC" downloaden. "Yes we can, for a change today", rappt Strache, frei nach Barack Obama. Das trifft den Nerv der Jugend: Bei den unter 20-Jährigen könnte die FPÖ stärkste Kraft werden.

Noch ist Strache rhetorisch nicht so ausgebufft wie Haider, der seinen Gegnern das Wort im Mund umdrehen konnte. Oft beginnt er seine Reden räuspernd, stockend.

Aber spätestens, wenn er aufs Thema Ausländer kommt, wird er frei und predigt sich seine Wut von der Seele: mit ausladenden Gesten, ohne Manuskript.

"Der hat richtig schön gehetzt"

Seine Anhänger lieben ihn dafür. "Der hat richtig schön gehetzt, gegen Rot und Schwarz und den Asylbetrug", sagt etwa Jakob. Der 19-Jährige hat gerade Aufkleber der FPÖ-Nachwuchsorganisation verteilt. Darauf steht: "Die Indianer konnten die Einwanderer nicht stoppen. Heute leben sie in Reservaten!"

Seit Haider setzt die FPÖ auf simple, einprägsame Slogans. "Volksvertreter statt EU-Verräter", "Asylbetrug heißt Heimatflug" - man kann die Plakate mit den Drei-Wort-Sätzen in knallroter Schrift nicht übersehen. "Die FPÖ ist die Protestpartei schlechthin", sagt Hofer. "Ihre Kernbotschaft: Die da oben sind schuld, die Ausländer sind schuld, die EU ist schuld."

Dabei hat kein Land so von der Osterweiterung profitiert wie Österreich: Seit sechs Jahren liegt das Wirtschaftswachstum über dem EU-Durchschnitt. Doch die steigenden Lebensmittelpreise, der Abbau von Sozialleistungen und der ständige Koalitionsstreit sorgen für Unmut - und treiben die Wähler in die Arme der Rechtspopulisten.

Die FPÖ wildert in seinem Revier

Walter Hloch bekommt das zu spüren: Seit vier Jahrzehnten ist der 65-Jährige SPÖ-Bezirkssekretär im Wiener Arbeiterviertel Favoriten, früher räumte seine Partei hier 70 Prozent ab. Am Sonntag wäre Hloch mit 45 Prozent zufrieden. Die FPÖ wildert in seinem Revier: den Sozialwohnungen, wo die Stadt viele Zuwanderer einquartiert hat. "Die schüren Zwist", klagt der Funktionär. "Wenn jemand im Stiegenhaus ein Lamm schlachtet, spielen die das sofort auf ganz Wien hoch. Die setzen Gerüchte in die Welt, die kriegt man nicht aus den Köpfen raus."

Der Islam ist das liebste Feindbild der FPÖ. "Daham statt Islam" lautete eine Parole. Im Januar bezeichnete die Grazer Spitzenkandidatin Susanne Winter den Propheten Mohammed als Kinderschänder. Strache selbst behauptet, die Hälfte der 400.000 Muslime im Land tendiere stark zum islamischen Fundamentalismus, dem "Faschismus des 21. Jahrhunderts".

Strache will der bessere Haider sein. "Er hat damals die richtigen Themen angesprochen. Aber er war nur ein Gaukler", sagt er über seinen Vorgänger. "Ich stehe zu meinen Zielen. Die werde ich nie verraten und verkaufen." Gerade das macht die neue FPÖ so bedrohlich: "Haider war nie Extremist, seine Angriffe gegen Ausländer waren nur Kalkül, um Stimmen zu gewinnen", sagt Politikberater Hofer. "Strache denkt wirklich so: Er ist viel weiter rechts als Haider."

"Rücksichtslos, aggressiv, teilweise rechtsextrem"

Das gibt ihm Rückhalt in seiner Partei. "Rücksichtslos, aggressiv, teilweise rechtsextrem" sei die FPÖ, sagt der Budapester Extremismusforscher Anton Pelinka. "15 Prozent für solch eine Partei bei Bundestagswahlen - in Deutschland würde der Demokratienotstand ausgerufen werden."

Schon bei der Gründung hatte die FPÖ viele braune Flecken. Zu den führenden Leuten im Jahr 1956 gehörten zahlreiche ehemalige NSDAP-Mitglieder; der erste Parteichef Anton Reinthaller war einst SS-Brigadeführer.

Auch Strache hat eine unrühmliche Vergangenheit. Aber die spielt er herunter. Seine früheren Kontakte zur später verbotenen Wiking-Jugend? "Das war Fasching, Volkstanz, wie ein Familienzusammentreffen. Davon kann ich mich nicht distanzieren." Die Fotos, die ihn in Militärkluft bei mutmaßlichen Wehrsportübungen zeigen? "Paintball-Spiele." Die Bilder, auf denen er drei Finger spreizt, wie beim Kühnen-Gruß? Er habe wohl "drei Bier" bestellt. Wer das anders interpretiert, wird verklagt. Immerhin: Eine "Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut" darf man Strache laut Gerichtsurteil ungestraft nachsagen.

Jeden duzt er, jeden fragt er nach dem Namen

Seiner Beliebtheit beim Volk schadet das nicht. Drei Wahlkampfreden hält der Wiener an diesem Tag, dreimal stehen Hunderte Menschen Schlange, um sich ein Autogramm zu holen. "Ein fescher Mann ist des", sagt eine Rentnerin, als Strache im Gewühl sein Sakko auszieht. Stechend blaue Augen, ein paar graue Härchen im sorgfältig gestriegelten Haar, ein strahlend weißes Gebiss, wie sich das für einen gelernten Zahntechniker gehört. Jeden Bittsteller um ihn begrüßt Strache per Handschlag, jeden duzt er, jeden fragt er nach dem Namen. So hat das Haider früher gemacht.

Auch das Original macht es wieder so. Für Straches Vorgänger läuft der Wahlkampf besser als erwartet. Bis zu neun Prozent sagen die Meinungsforscher dem Kärntner voraus - obwohl dem BZÖ in weiten Teilen Österreichs die Basis fehlt, obwohl Jörg Haider seine jugendliche Frische verloren hat.

Vereint wäre das "Dritte Lager", wie sich die Rechtsparteien nennen, auf Augenhöhe mit SPÖ und ÖVP. Eine Wiedervereinigung schließt Strache aber aus. Er fürchtet um seine Alleinstellung an der Parteispitze. Haider hat schon getönt: "Ich bin das Original, er nur die Kopie."

Die Kopie kann es schaffen

Die Kopie will es allein schaffen. Und das kann ihr gelingen. SPÖ-Kandidat Werner Faymann schließt eine von der FPÖ tolerierte Minderheitsregierung nicht aus; die Christdemokraten liebäugeln sogar mit einem Bündnis. Und wenn am Ende doch wieder die Große Koalition kommt? Kein Beinbruch für Heinz-Christian Strache. Dann könnte er richtig gegen Rot-Schwarz hetzen.

Zuschauen, wie sich die großen Parteien gegenseitig fertigmachen. Protestwähler abgreifen. Er ist noch jung, er kann warten. "Ich werde für unsere Ideen Tag und Nacht kämpfen", sagt er, "bis sie in Österreich nicht mehr an uns vorbeikommen."

FTD
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(