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Treffen mit Olaf Scholz Mariam al-Mheiri: In Aachen ausgebildet, in Abu Dhabi Ministerin

Mariam al-Mheiri, die Olaf Scholz in den Emiraten getroffen hat
Bundeskanzler Olaf Scholz traf unter anderem auch Mariam al-Mheiri. 
© Picture Alliance
In der Hitze eines Mangrovenwaldes trifft Kanzler Olaf Scholz eine interessante Frau: Mariam al-Mheiri ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten die Kombination aus Robert Habeck und Steffi Lemke.

Es ist schwül-heiß in Abu Dhabi, der Weg des Kanzlers führt durch sumpfiges Gebiet und die Sonne scheint ungehindert auf den unbehaarten Schädel von Olaf Scholz. Auf einem Holzsteg führt die Umwelt-und Klimaschutzministerin der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) den Gast aus Berlin durch einen Mangrovenwald. Mariam al-Mheiri berichtet Scholz über die ökologischen Vorzüge der Bäume und erläutert dem einstigen Bürgermeister die Bedeutung des Tidenhubs für das Gedeihen der Mangroven. Auf dem weißen Hemd des Kanzlers malt die Hitze allmählich ihre feuchten Landschaftsbilder.

Olaf Scholz trifft Mariam al-Mheiri, Arabische Umweltministerin mit deutscher Vergangenheit

Scholz und al-Mheiri reden Englisch miteinander, was überraschend ist, weil die Ministerin fließend Deutsch spricht. Ihre Mutter kam 1978 aus Deutschland nach Dubai und heiratete einen Emirati. Die gemeinsame Tochter Mariam ging nach der Schule ins Land ihrer Mutter, studierte als erste Frau aus den Emiraten an der RWTH Aachen und machte einen Abschluss in Maschinenbau. "Ich bin eine Dipl.Ing", sagt sie und lacht.

Al-Mheiri blieb zunächst in Deutschland und arbeitete in einer Firma, die Kugellager für Rennwagen konstruierte. Doch in der Community gut ausgebildeter Emiratis sprach sich ihre Qualifikation schnell herum, die Verbindungen ihres Vaters taten ein Übriges: So trat al-Mheri in den Staatsdienst ein, wo sie binnen weniger Jahre zur Ministerin aufstieg. Quasi im Nebenjob ist sie Beauftragte für die Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland und in Berliner Ministerien von Roibert Habeck und Steffi Lemke offenbar eine geschätzte Gesprächspartnerin. 

Was die Rolle der Frauen betrifft, heben sich die Emirate von den meiste Nachbarstaaten in der Golf-Region deutlich ab. Schon Staatsgründer Sheikh Zayed habe Wert darauf gelegt, dass Mädchen zur Schule gehen dürfen, erzählt al-Mheiri. In der Regierung liege der Frauenanteil bei 30 Prozent, im – allerdings nicht sehr einflussreichen - Parlament der Emirate sogar bei 50 Prozent. Auch in wissenschaftlichen Berufen gibt es viele Frauen, 2021 bildeten die VAE die erste Astronautin aus. Die staatliche Förderung sieht ausdrücklich gleiche Bezahlung vor. "Und was ich als Frau verdiene, gehört mir", sagt al-Mheiri. "Das muss ich mit niemandem teilen."

Emirate werden Gastgeber für die 28. Weltklimakonferenz

Allerdings gilt diese Gleichberechtigung vor allem für emiratische Frauen. Der Bevölkerungsanteil an Emiratis indes beträgt nur rund 10 Prozent. Wie in anderen Golf-Staaten kommen viele Arbeitskräfte aus dem Ausland, in den VAE leben rund 200 Nationalitäten. Menschenrechtsorganisationen kritisieren vor allem, dass ausländische Frauen in Dienstleistungsjobs schlechter gestellt seien. 

Mariam al-Mheiris Führung des Kanzlers durch den Mangrovenpark auf Jubail Island ist nach gut 20 Minuten beendet. Doch man wird mit dieser Frau weiter zu tun haben. Denn 2023 sind die Emirate Gastgeber für die 28. Weltklimakonferenz. Al-Mheiri will dort vor allem eine Bestandsaufnahme mit Blick auf die Umsetzung der Pariser Klimaziele vornehmen, sagt sie: "Was ist unsere Vision? Was haben wir erreicht?". Hitzig dürfte es dabei in jeder Hinsicht zugehen: Auf der Konferenz wegen der Erderwärmung, draußen wegen der tropischen Schwüle.

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