VG-Wort Pixel

US-Abgeordneter Zu viel Streit mit Donald Trump? Paul Ryan gibt Sitz im US-Kongress auf

Seit 20 Jahren sitzt Paul Ryan, 48, bereits im US-Kongress. Doch nun hat er keine Lust mehr.
Seit 20 Jahren sitzt Paul Ryan, 48, bereits im US-Kongress. Doch nun hat er keine Lust mehr.
© Saul Loeb / AFP
Vielleicht waren die Konflikte mit US-Präsident Donald Trump einfach zu groß. Paul Ryan hat jedenfalls angekündigt, nicht wieder für den US-Kongress zu kandidieren. Künftig muss ein anderer versuchen, Trump im Zaum zu halten.

Einer der prominentesten Republikaner in den USA, Paul Ryan, hat seinen Rückzug aus dem US-Kongress angekündigt. Der Fraktionschef im Repräsentantenhaus werde sich im November nicht zur Wiederwahl stellen und sich nach dem Ende seines Mandats im Januar aus dem Kongress zurückziehen, erklärte Ryans Vertrauter Brendan Buck am Mittwoch in Washington. Ryan habe seine Kollegen am Morgen darüber informiert, dass dieses Jahr "sein letztes Jahr als Mitglied des Repräsentantenhauses" sein werde.

Der 48-jährige Ryan hatte zeitweise ein sehr konfliktreiches Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump. Zuletzt hatte Ryan etwa die von Trump verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium kritisiert und vor den Folgen eines Handelskriegs gewarnt. Im März appellierte er vergeblich an den Präsidenten, einen "schlaueren" Plan zum Schutz der heimischen Stahl- und Aluminiumindustrie vorzulegen.

Paul Ryan hatte mehrfach Streit mit Donald Trump

Im August hatte Ryan Trumps Umgang mit rechtsextremer Gewalt in der Stadt Charlottesville kritisiert. Mitglieder rechter Gruppen hatten dort gegen die geplante Entfernung des Denkmals eines Generals der Konföderierten-Armee demonstriert, die im Bürgerkrieg für die Beibehaltung der Sklaverei gekämpft hatte. Eine 32-jährige Frau wurde getötet, als ein mutmaßlicher Neonazi sein Auto in die Gegendemonstranten steuerte. Trump beschuldigte jedoch "beide Seiten" der Gewalt. Ryan verlangte daraufhin eine eindeutige Verurteilung des "abstoßenden" Rassismus.

Ryan ist seit Oktober 2015 "Speaker" des Repräsentantenhauses. Damit ist er protokollarisch nach Präsident und Vizepräsident die Nummer drei im Staat. Als Hüter der Gesetzgebungsagenda in der Kongresskammer kann er Debatten ansetzen und Gesetze zur Abstimmung freigeben.

Mit nur 28 Jahren schon Abgeordneter

Ryan hatte lange gezögert, den Posten zu übernehmen, nachdem sein Vorgänger John Boehner zermürbt von jahrelangen Kämpfen mit erzkonservativen Abgeordneten zurückgetreten war. Er sagte erst zu, als er sich die Rückendeckung aller wichtigen Parteiflügel gesichert hatte. Als dreifacher Vater hatte er seine Kandidatur für den "Speaker"-Posten zudem davon abhängig gemacht, dass sein Familienleben nicht unter dem Amt leiden dürfe.

Der Berufspolitiker aus Wisconsin war 1998 mit nur 28 Jahren erstmals in das Parlament in Washington gewählt worden. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 machte ihn der republikanische Kandidat Mitt Romney zu seinem Vize, das Duo verlor die Wahl jedoch gegen den Demokraten Barack Obama.

tkr AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker