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Ärmelkanal Britische Innenministerin will Migranten-Boote in Richtung Frankreich abdrängen lassen

Priti Patel im Gespräch
Priti Patel gehört der konservativen Partei von Premierminister Boris Johnson an. Ihre Strategie zur Abwehr illegaler Migranten im Ärmelkanal wird in Großbritannien kontrovers diskutiert.
© Niklas Halle'n / AFP
Bei dem aktuell warmen Wetter machen sich viele Migranten mit Booten aus Frankreich in Richtung englische Küste auf. Großbritanniens Innenministerin weist ihre Grenzschützer zu einer Null-Toleranz-Strategie an.

Zwischen Großbritannien und Frankreich ist ein Streit über den Umgang mit illegalen Migranten im Ärmelkanal entbrannt. Britische Patrouillen sollen mehreren Presseberichten zufolge Boote mit Einwanderern künftig aus den eigenen Gewässern im Ärmelkanal zurückweisen, statt sie an die englische Küste zu geleiten. Die britische Innenministerin Priti Patel habe eine entsprechende Anweisung an die Grenzschutzbehörde gegeben, berichteten mehrere Medien übereinstimmend am Donnerstag unter Berufung auf Regierungskreise.

Priti Patel spricht mit französischer Amtskollegin über Migration – ohne Ergebnis

Ein Treffen zwischen Patel, die der konservativen Tory-Partei angehört, und ihrem französischen Amtskollegen Gérald Darmanin zu dem Thema war am Mittwoch ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. London treibe die Pläne voran, obwohl die französische Gegenseite gewarnt habe, dieses Vorgehen könne Menschenleben gefährden, berichtet der "Guardian". Britische Grenzschützer sollten in naher Zukunft – abhängig vom Wetter – entsprechende Manöver trainieren, mit denen Boote und kleine Schiffe aus britischen Gewässern zurückgedrängt werden sollen.

Der britische Premierminister Boris Johnson hatte zuvor angekündigt, "jede mögliche Taktik, die uns zur Verfügung steht", zu nutzen, um die Überquerungen der Meerenge zu stoppen. Experten halten die Zurückweisung von Booten ohne Kooperation der französischen Behörden jedoch in der Praxis kaum für umsetzbar. Die Taktik berge zu viele Gefahren angesichts der oft kaum seetüchtigen Boote, mit denen die Migranten unterwegs sind. Seit dem Brexit können britische Behörden illegal eingereiste Asylbewerber nicht mehr ohne weiteres an EU-Länder zurückgeben.

Boris Johnson empört über Schlepper 

Angesichts der zunehmenden Fluchtbewegung über den Ärmelkanal brachte Johnson seine "Empörung" und "Frustration" über daran beteiligte Schlepper zum Ausdruck. Bei einer Fragerunde im Parlament beklagte Johnson am Mittwoch die Aktivitäten von "Gangstern, Kriminellen, die Geld von verzweifelten und verängstigten Menschen verlangen". Bei der Überquerung des Ärmelkanals zwischen Frankreich und Großbritannien handle es sich um eine "sehr, sehr gefährliche Überfahrt".

Warmes Wetter hatte in den vergangenen Tagen zu einem Anstieg der Überquerungsversuche geführt. Allein am Montag sollen dem britischen Innenministerium zufolge 785 Menschen in kleinen Booten über den Ärmelkanal nach England gefahren sein. Insgesamt sind der BBC zufolge bereits mehr als 13.000 Menschen in diesem Jahr über die Meerenge nach England gelangt. Im gesamten Jahr 2020 waren es 8400 Menschen, die auf diesem Weg nach Großbritannien reisten.

Johnson sieht im Kampf gegen illegale Migration am Ärmelkanal vor allem französische Behörden in der Pflicht. "Wir sind größtenteils davon abhängig, was die Franzosen machen", hatte der konservative Politiker am Mittwoch im Parlament außerdem gesagt. Trotzdem werde "jede mögliche Taktik, die uns zur Verfügung steht", genutzt, um die Überquerungen der Meerenge zu stoppen, bekräftigte der Regierungschef.

Quellen: dpa, AFP, "The Guardian"

anb DPA AFP

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