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Putsch in Thailand: Generäle bitten um Unterstützung

Bei einer Fernsehansprache versicherten die Putschisten, nicht lange an der Regierung bleiben zu wollen. Armeechef Sondhi Boonyaratglin gilt als Gefolgsmann des Königs. Sein Ziel soll die Beendigung des blutigen Konflikts mit den muslimischen Aufständischen sein.

Der thailändische Armeechef Sondhi Boonyaratglin, der nach dem Putsch vom Vortag die Macht übernommen hat, hat sich in einer Fernsehansprache an die Thailänder gewandt. Der Anführer des Militärputsches in Thailand hat die Bevölkerung um Unterstützung für den Staatsstreich gebeten. Flankiert von den Kommandeuren des Heeres, der Marine und der Luftwaffe sagte General Sondhi Boonyaratkalin bei seinem ersten öffentlichen Auftritt, mit dem Putsch sollten die ernsten Konflikte in der thailändischen Gesellschaft gelöst werden, die der entmachtete Ministerpräsident Thaksin Shinawatra geschaffen habe. In der vom Fernsehen übertragenen Ansprache sagte Sondhi, die Putschisten hätten nicht die Absicht, für längere Zeit an der Regierung zu bleiben. Unter dem Bild von König Bhumibol Adulyadej sagte der General, der neu geschaffene Rat für Verwaltungsreform habe die Verfassung außer Kraft gesetzt und das Kriegsrecht verhängt.

In Singapur sagte der thailändische Finanzminister Thanong Bidaya, er habe keinerlei Verantwortung mehr und erkannte den Putsch damit an. "Es tut mir leid, ich kann nichts mehr sagen. Ich bin kein Minister mehr, sagte er.

Beendigung des Konflikts

In Bangkok herrschte einen Tag nach dem Militärputsch gespannte Ruhe. Panzer und Truppen hielten den Regierungssitz umstellt. Etwa 20 Panzer bezogen Stellung vor dem Königspalast, auf dem Königsplatz und vor der Zentrale der Streitkräfte. Der 59-jährige Sondhi gilt als loyaler Gefolgsmann des Königs. Er ist Muslim und wurde von den Putschisten wohl auch deswegen als Regierungschef ausgesucht, weil ihm zugetraut wird, den blutigen Konflikt mit muslimischen Aufständischen im Süden des Landes zu lösen. Der von den Putschisten gebildete Rat für Verwaltungsreform soll die Regierung in Bangkok und benachbarten Provinzen übernehmen. In den weiter entfernten Provinzen wurden regionale Kommandeure der Streitkräfte mit der Verwaltung beauftragt. Die Rundfunksender stellten ihre aktuellen Sendungen ein und übertrugen nur noch Musik sowie Erklärungen der Putschisten. Die Übertragung von CNN und BBC wurde unterbrochen. In den Tourismusregionen des Landes blieb der Putsch weitgehend ohne Auswirkungen. Es war der erste Putsch in dem Land seit 15 Jahren. Die Streitkräfte setzten die Regierung von Ministerpräsident Thaksin Shinawatra ab und die Verfassung außer Kraft. Zudem kündigten sie politische Reformen an.

Thaksin befand sich zu der Zeit des Putsches in New York bei den Vereinten Nationen (UN). Nach Angaben eines Vertreters seines Landes wollte er noch am Dienstag aus New York abreisen. Wohin sich der Regierungschef begeben wollte, war unklar. Thaksin hatte von New York aus den Ausnahmezustand verhängt, konnte damit aber offenbar den Putsch nicht unterbinden.

Reuters/AP