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Verschwörungstheoretiker: Alles nur ein Gag? Wer hinter den Trump-Fans von "QAnon" wirklich stecken soll

Die Anhänger der "QAnon"-Bewegung glauben an die krudesten Verschwörungstheorien: an Schattenstaaten, an Endzeitkriege, an einen Ex-US-Präsidenten, der mit Kindern handelt. Jemand namens Q legte den Grundstein dafür - im Ernst oder als Gag?

Anhänger der QAnon-Bewegung bei einem Auftritt von Donald Trump

Anhänger der QAnon-Bewegung bei einem Auftritt von Donald Trump

AFP

Sie glauben, dass Donald Trump der tapfere Held im Kampf gegen einen Schattenstaat ist; dass Hillary Hilton und der Millionär George Soros einen Umsturz planen und Barack Obama in seiner Freizeit einen Pädophilenring betreibt. Die Verschwörungstheoretiker der Bewegung "QAnon" hängen einem verworrenen Geflecht aus höchst bizarren Ideen nach. Dass es für keine von ihnen auch nur einen einzigen Beweis gibt, stört sie nicht. Sie glauben unbeirrt das, was ein "4chan"-User namens Q schreibt.

Clintons Auslieferung steht bevor

Im Oktober vergangenen Jahres meldete sich der ominöse Q zum ersten Mal zu Wort. Auf der Plattform "4chan" gab er sich als Regierungsinsider mit Zugriff auf streng geheimes Material aus; sein Pseudonym, Buchstabe Q, soll eine Anspielung auf die gleichnamige Sicherheitsstufe sein. In seinem ersten Post behauptete er, die Auslieferung Clintons stehe unmittelbar bevor, wobei er jedoch nicht sagen konnte, wohin sie denn ausgeliefert werden solle. Anschließend prophezeite Q ihre Verhaftung, was natürlich auch nicht geschah. Doch damit begründete Q eine ganze Bewegung. Seitdem ließ er fast 18.000 kryptische Botschaften auf die Welt los, die von seinen Anhängern, die sich "QAnon" nennen, mit Begeisterung aufgenommen, verbreitet und weiter gesponnen werden. Das "Anon" in ihrem Namen steht dabei für anonym.

Wer hinter Q steht, bleibt jedoch ein Geheimnis. Es lässt sich nicht einmal sagen, ob hinter es eine einzige Person oder eine Gruppierung ist. Selbst die "QAnon"-Anhänger sind sich da nicht einig. Die einen glauben, es könnte sich um einen oder mehrere Militärangehörige handeln. Andere behaupten, Trump selbst ziehe hier die Fäden. 

Italienischer Roman als Vorlage für Q?

Doch so manchen kommen die Verschwörungstheorien von Q so abstrus und lächerlich vor, das sie nicht an ihre Ernsthaftigkeit glauben können und wollen. Nun verbreitet sich die Theorie, ein linksradikales Autorenkollektiv aus Bologna könnte hinter Q stecken. Das Ziel: Rechte vorführen. Diese These stützt sich vor allem auf die Ähnlichkeiten zwischen dem italienischen Roman "Q" und den "QAnon"-Ideologien. 

Der Roman, der 1999 von Roberto Bui, Giovanni Cattabriga, Federico Guglielmi und Luca Di Meo unter dem Pseudonym Luther Blissett veröffentlicht wurde, spielt im Mitteleuropa der Reformationszeit. Die Hauptfiguren des Romans sind ein junger Theologiestudent, Verfechter der Bauerninteressen, Anführer des linken Flügels der Protestanten, und sein unsichtbarer Feind: Q, der Mann ohne Gesicht und Spion eines Kardinals, der später Papst wird. Die Autoren verfassten das Werk als historische Allegorie auf die linken Bewegungen in Europa ihrer Zeit. Viele linke Gruppierungen interpretierten den Roman in ihrem Sinne, mal als Allegorie auf militante Autonome, mal sogar als Anleitung für den linken Kampf.

Nicht nur dass die Handlung des Romans Parallelen zur "QAnon"-Bewegung aufweist, das Buch wurde bereits zur Inszenierung von Streichen aller Art verwendet. 

Autoren von "Q" warnen vor "QAnon"

"Die Ähnlichkeiten sind schwerlich zu ignorieren", sagten Bui, Cattabriga und Guglielmi, drei der Autoren von "Q", dem Magazin "Buzzfeed". "Die Botschaften von Q kommen ja angeblich von Insidern, die sich in den höchsten Regierungskreisen bewegen. genauso wie in unserem Buch." Außerdem verwiesen sie darauf, dass die Anhänger von Q ihre Ideengeber ähnlich beschrieben, wie einst ihr Autorenkollektiv charakterisiert wurde, und zwar als "eine Vereinigung aus ungefähr zehn Leuten, die eine hohe Sicherheitsfreigabe haben". 

"Wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass die Aktivitäten von Q eine Hommage an uns sind", sagten die Autoren. "Aber eins ist sicher: Unser Buch hat etwas damit zu tun. Vielleicht begann es als eine Art Fan-Kunst, die von unserem Roman inspiriert wurde, und entwickelte sich dann zu etwas ganz anderem." 

Doch auch wenn die Autoren des Romans sicher sind, dass hinter dem User Q linke Aktivisten stecken, halten sie die Bewegung, die daraus entstanden ist, für nicht weniger gefährlich. Denn der Spaß sei wohl längst außer Kontrolle geraten. 

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ivi