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Illegales Flüchtlingslager: Räumung des "Dschungels von Calais" beginnt friedlich

Am Montagmorgen haben die Behörden damit begonnen, das illegale Flüchtlingslager nahe Calais zu räumen. Der Auftakt verlief friedlich und ohne die befürchteten gewaltsamen Proteste. In der Nacht war es hingegen zu Ausschreitungen gekommen.

Flüchtlinge verlassen das wilde Zelt- und Hüttenlager nahe Calais

Bis zu 6500 Flüchtlinge lebten zuletzt in dem Lager nahe Calais, seit Montagmorgen müssen sie es verlassen

Zuletzt lebten bis zu 6500 Menschen im illegalen Flüchtlingslager im nordfranzösischen Calais, am Montagmorgen haben die Behörden mit der Auflösung der unter dem Namen "Dschungel" bekannt gewordenen Zelt- und Hüttensiedlung begonnen. Die Maßnahme sei anders als befürchtet ruhig angelaufen, hieß es. Bereits im Morgengrauen warteten mehrere hundert Menschen mit Rollkoffern und Taschen bepackt vor einem Registrierzentrum in der Nähe des Camps. "Das ist ein wichtiger Tag. Der Staat macht eine beträchtliche Anstrengung", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Pierre-Henri Brandet. Die Menschen werden seit Montag mit Bussen auf Regionen in ganz Frankreich verteilt.

In dem wilden Flüchtlingslager hatten sich in den vergangenen Jahren Flüchtlinge gesammelt, die illegal über den Ärmelkanal Großbritannien erreichen wollten. Die meisten kamen aus Ländern wie Afghanistan, Äthiopien, Eritrea und dem Sudan.

Räumung dauert wohl die ganze Woche

Noch in der Nacht hatten in dem Camp Mülltonnen gebrannt. Es war zu Zusammenstößen gekommen, als Migranten versucht hatten, auf eine nahegelegene Autobahn zu gelangen. Die Polizei hatte sie zurückgedrängt und dabei auch Tränengas eingesetzt. Verletzt wurde nach Angaben der Behörden allerdings niemand.

Die Befürchtungen der Behörden, Aktivisten könnten die Auflösung des Lagers mit gewaltsamen Protesten begleiten, traten zunächst nicht ein. Die vollständige Räumung soll allerdings noch eine Woche dauern. Für den Montag war dem Sprecher des Innenministeriums zufolge nicht geplant, die Hütten einzureißen.

Die Präfektur sprach von einer "noch nie da gewesenen Operation". Im Einsatz sind nach offiziellen Angaben rund 1250 Polizisten. Die Präfektin von Pas-de-Calais verglich das Registrierzentrum mit einem riesigen, improvisierten Busbahnhof. In dem Zentrum findet nur eine erste Befragung der Migranten statt, noch kein Asylverfahren. Den Menschen sollen zwei Regionen vorgegeben werden, zwischen denen sie wählen können. Ausgenommen sind der Großraum Paris und Korsika.

Unbegleitete Kinder und Jugendliche dürfen in Calais bleiben

Die Behörden betonten immer wieder ein "humanitäres" Vorgehen. Man setze darauf, dass sich die Menschen freiwillig melden, sagte der Sprecher des Innenministeriums. "Keiner wird gezwungen, sich in einen Bus zu setzen." Die Behörden arbeiteten seit langem mit Hilfsorganisationen zusammen, um die Menschen davon zu überzeugen, das Lager zu verlassen. 

Unbegleitete Minderjährige, Familien und Kranke oder Schwangere wurden getrennt registriert. Kinder und Jugendliche, die alleine unterwegs sind, durften zunächst in Containern in Calais bleiben. Für ihr Aufnahmeverfahren gibt es besondere Regeln. Frankreich pocht auf eine Familienzusammenführung, wenn Angehörige bereits in Großbritannien leben.

Der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt, kritisierte am Montag, dass Großbritannien sich abschotte und verschanze. "Flüchtlinge möchten dorthin wo es Communities gibt." Polizeieinsätze seien keine Lösung.

mod / DPA