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Konservativer Politiker Multimillionär Rishi Sunak will Boris Johnson beerben. Woher kommt sein Vermögen?

Rishi Sunak, britischer Schatzkanzler, und seine Frau Akshata Murthy bei einem Event
Rishi Sunak, britischer Finanzminister, und seine Frau Akshata Murthy bei einem Event
© Ian West/PA Wire / DPA
Er will Premierminister Boris Johnson ablösen: Rishi Sunak. Der 42-Jährige kämpft in einem Duell mit Liz Truss um die Nachfolge. Der Ex-Finanzminister gehört zu den reichsten Männern des Vereinigten Königreichs. Woher hat er das Geld?

Großbritannien bekommt entweder den ersten hinduistischen Premierminister seiner Geschichte oder zum dritten Mal eine Frau als Regierungschefin: Ex-Finanzminister Rishi Sunak und Außenministerin Liz Truss treten in einer Stichwahl um die Nachfolge von Premier Boris Johnson gegeneinander an. Rund 200.000 Tory-Mitglieder sollen per Briefwahl entscheiden, damit am 5. September der neue Parteivorsitzende benannt werden kann, der dann auch Regierungschef wird.

Eine gute Chance wird dabei Sunak eingeräumt. In allen Abstimmungsrunden hat der Abgeordneten vorn gelegen; bei der Parteibasis scheint er jedoch weniger beliebt zu sein: Eine YouGov-Umfrage unter 725 Mitgliedern der konservativen Partei sagte voraus, dass der ehemalige Finanzminister in der Stichwahl Truss unterliegen würde.

Britische Medien berichten zudem, dass die amtierende Regierung derzeit alle Hebel in Bewegung setze, um eine Wahl Sunaks zu verhindern. Der Ex-Finanzminister hatte mit seinem Rücktritt Anfang Juli erheblich zu Johnsons Fall beigetragen.

Rishi Sunak und seine Frau gehören zu den reichsten Briten

Der 42-Jährige tritt unter anderem für eine sparsame Haushaltspolitik und "grüne Abgaben" zur Bekämpfung des Klimawandels ein. Er hatte sich anders als viele seiner Widersacher kritisch zu möglichen Steuersenkungen geäußert. "Wirtschaftliches Wachstum hat Priorität." Dies gelinge am besten mit Steuersenkungen und einem Abbau der Bürokratie. Allerdings will der ehemalige Finanzminister angesichts der aktuellen Krisen nicht umgehend senken, sondern erst mittelfristig – was ihm in seiner Partei auch viel Kritik einbringt.

In diesem Zusammenhang ist Sunaks Hintergrund interessant: Er gehört zu den reichsten Briten des Königreichs. Auf der "Rich List 2022" der britischen Zeitung "The Times" landen Sunak und seine Frau Akshata Murty auf Platz 222 von 250 – mit einem gemeinsamen Vermögen von rund 730 Millionen Pfund Sterling. Das sind umgerechnet mehr als 860 Millionen Euro.

Sunak ist nach Angaben der britischen Zeitung "The Guardian" der erste Spitzenpolitiker des Landes, der zu den reichsten Menschen Großbritanniens gezählt wird. Dem Paar gehören demnach mehrere Immobilien im Wert von rund 15 Millionen Pfund.

Doch woher haben Sunak, ein ehemaliger Hedgefonds Manager, und seine Frau das Geld?

Der 1980 in Southampton geborene Sunak studierte Politik, Philosophie und Wirtschaft und Oxford, wo er mit Bestnoten abschloss. Später erwarb er den Master of Business Administration an der Stanford University in Kalifornien. Dort traf er seine jetzige Frau, mit der er heute zwei Kinder hat.

Akshata Murty steuert Großteil des Vermögens bei

Später arbeitete Sunak für die Investmentbank Goldman Sachs und war Partner bei zwei Hedgefonds. 2015 wurde er Mitglied des britischen Parlaments. Als Parlamentsmitglied und Finanzminister habe er rund 150.000 Pfund verdient, so die britische BBC.

Doch schon mit Mitte zwanzig sei Rishi Sunak Multimillionär gewesen, berichtete die "Times" im Jahr 2020. Sunak habe aber nie öffentlich über sein Vermögen gesprochen. Nach Informationen der Zeitung "The Sun" wird sein Nettovermögen auf rund 200 Millionen Pfund geschätzt.

Ein großer Teil des Vermögens steuert aber Sunaks Frau Akshata Murty bei, der nachgesagt wird, sie sei "reicher als die Queen". Ihr persönliches Vermögen wird nach Angaben der Zeitung "Metro" auf rund 430 Millionen Pfund geschätzt. Das Vermögen der Queen beläuft sich auf 350 Millionen Pfund.

Die im selben Jahr wie ihr Mann geborene Erbin eines milliardenschweren Vermögens wurde in eine indische Unternehmer-Familie hineingeboren, wie es die BBC schreibt.

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Murtys Vater gründete IT-Firma

Murty wurde in den USA ausgebildet, studierte Wirtschaft und Französisch an einem privaten College in Kalifornien. Im Anschluss erwarb sie ein Diplom an einer Modehochschule und arbeitete bei Deloitte und Unilever, bevor sie in Stanford ihren Master of Business Administration erhielt.

Ihre Familie verdiente ihr Geld unter anderem in der IT-Branche. Ihr Vater war Mitbegründer von Infosys, eine der größten Firmen in Indien, die laut BBC in rund 50 Ländern aktiv ist. 2021 machte die Firma demnach 13,5 Milliarden US-Dollar Umsatz. 2011 trat Narayana Murthy, den man auch den "Steve Jobs Indiens" nennt, als Vorsitzender zurück, behält aber weiterhin 0,39 Prozent der Aktien.

NR Narayana Murthy
NR Narayana Murthy
© Hindustan Times / Imago Images

Er war nach Angaben der BBC zudem im Vorstand von Unternehmen wie den Banken HSBC und ICIC. Er sei auch Vorsitzender von Catamaran Ventures, einer Investmentfirma, die ein Vermögen von über einer Milliarde US-Dollar verwaltet. Nach Schätzungen des "Forbes"-Magazins beläuft sich sein Nettovermögen auf 4,4 Milliarden britische Pfund – umgerechnet mehr als 5,1 Milliarden Euro.

Akshata Murty hält laut BBC ebenfalls Anteile an Infosys – 0,9 Prozent laut Jahresbericht der IT-Firma. Ihr Anteil schwanke im Wert, wird aber auf etwa 700 Millionen Pfund geschätzt. Zudem erhalte sie jährliche Dividendenzahlungen auf die Aktien, die sich letztes Jahr auf 11,6 Millionen Pfund summierten, so die BBC.

Kritik an Murty und Sunak wegen Steuervorteilen

Zudem ist Murty nach Angaben ihres LinkedIn-Profils Direktorin von Catamaran Ventures UK, das in Start-ups investiert. "Wir schauen uns speziell britische Marken an, die Kapital, Management-Know-how und Netzwerkpartner benötigen, um strategisch zu wachsen. Wir konzentrieren uns auf die internationale Expansion als einen der wichtigsten Wachstumspfade", heißt es zu der Firma.

Sie und Sunak gründeten das Unternehmen laut BBC im Jahr 2013. Sunak trat 2015 als Direktor zurück, als er Abgeordneter wurde. Ein Jahr später wurde seine Frau Mehrheitsaktionärin. Im Jahr 2020 gab Catamaran Ventures UK den Wert seiner Investitionen mit 3,5 Millionen Pfund an.

Murty ist laut LinkedIn zudem Direktorin bei anderen Firmen wie Digme Fitness, Trustee und New & Lingwood.

Zuletzt gab es aber Kritik an Murty, Sunak und ihrem Vermögen. Im April wurde laut dem TV-Sender ITV bekannt, dass Murty einen sogenannten "Non-Dom-Status" hatte, der normalerweise für jemanden gilt, der im Ausland geboren wurde und einen Großteil seiner Zeit im Vereinigten Königreich verbringt, aber dennoch ein anderes Land als seinen ständigen Wohnsitz betrachtet.

Schätzungen zufolge hätte Murty laut ITV mit dem "Non-Dom-Status" 20 Millionen Pfund an Steuern auf Dividenden aus ihren Anteilen an Infosys sparen können. Der Oppositionsführer im Unterhaus des britischen Parlaments warf Sunak daraufhin "atemberaubende Heuchelei" vor, da dieser als Finanzminister die Steuern für die arbeitende Bevölkerung erhöht hatte, so ITV weiter.  

Genoss Sunak Vorteile durch Steueroasen?

Murty stimmte später zu, auf ihr ausländisches Einkommen Steuern im Vereinigten Königreich zu zahlen, und Sunak wurde wegen Verstoßes gegen das Ministerialgesetzbuch freigesprochen. Laut ITV hatte Sunak 2018, als er zum ersten Mal Minister wurde, den Steuerstatus seiner Frau angegeben. Es habe keine Hinweise darauf gegeben, dass einer von ihnen etwas falsch gemacht hätte.

Doch auch Sunak selbst stand wegen möglicher Steuervorteile in der Kritik. Die Zeitung "The Independent" berichtete im April dieses Jahres, dass er in seiner Zeit als Finanzminister Nutznießer von Steueroasen-Trusts war. Trusts auf den Britischen Jungferninseln und den Kaimaninseln, die laut "Independent" gegründet wurden, um bei der Verwaltung der Steuer- und Geschäftsangelegenheiten der Familieninteressen seiner Frau zu helfen, nennen Sunak als Begünstigten im Jahr 2020.

Trusts sind Zusammenschlüsse mehrerer Unternehmen, "die ihre rechtliche und wirtschaftliche Selbstständigkeit im Gegensatz zum Konzern aufgeben. Die Fusion von Unternehmen zum Trust erfolgt entweder durch Übernahme des Vermögens der übertragenden Gesellschaft durch eine andere Gesellschaft oder durch die Verschmelzung der Unternehmen und Bildung einer neuen Gesellschaft", so die Bundeszentrale für Politische Bildung.

Politiker mit Aktienportfolios und Investitionen gründen nach Angaben der BBC routinemäßig "blinde Trusts", wenn sie Regierungsjobs bekommen. Auf diese Weise können sie weiterhin Erträge aus ihren Investitionen erzielen, ohne zu wissen, wo das Geld investiert ist. Ziel sei es, potenzielle Interessenkonflikte zu beseitigen, wenn sie wirtschaftspolitische Entscheidungen treffen, die ihnen mehr Geld einbringen könnten. Eine Praxis, die aber umstritten ist.

Sunak habe demnach 2019 seinen Trust gegründet. Die oppositionelle Labour forderte Transparenz vom damaligen Finanzminister. Das Finanzministerium teilte damals mit, Sunak habe "den Ministerkodex treu befolgt". Auch die ehemalige Premierministerin Theresa May hatte laut BBC einen solchen Trust.

mit Material der Nachrichtenagenturen DPA und AFP

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