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Der Kreml und die Rente : Aberwitzige Propaganda: Wie der Kreml den Russen das Altern austreiben will

Eine Rentenreform treibt die Menschen in Russland auf die Straße. Um die Bevölkerung auf Kurs zu bringen, startete der Kreml eine massive Propaganda-Kampagne, die den Russen die Rente ausreden soll. 

Es war ein listiger Plan, den Wladimir Putin da geschmiedet hatte. Im Schatten der WM wollte er eine Reform durchbugsieren, an die sich seit 80 Jahren niemand in Russland gewagt hatte: eine Rentenreform. In Zukunft sollen nach dem Willen der Regierung die Männer mit 65 Jahren statt mit 60 in die Rente gehen, Frauen mit 63 statt mit 55. 

Doch der Plan ging nicht auf. Auch das russische Fußball-Sommermärchen und die unerwarteten Siege der Sbornaja konnten den Schock nicht abmildern. Die empörten Bürger gingen auf die Straße. 

Und was macht der Kreml, um das Volk auf Linie zu bringen? Er startet eine großangelegte Propaganda-Kampagne. In den letzten sechs Wochen gab sich das russische Staatsfernsehen die alle größte Mühe, um den Russen das Alter schmackhaft zu machen oder gar die Rente komplett auszureden. Egal, wann man einschaltete, egal, ob man sich eine Datingshow oder eine Mode-Sendung anschaute, überall schafften es die Moderatoren auf das Thema Rente zu kommen und ihre Parolen aufzusagen.

Von Datingshow bis Polit-Talk - überall dasselbe

Etwa Rosa Sjabitowa. Die bekannteste Heiratsvermittlerin des Landes moderiert an der Seite der Schauspielerin Larissa Gusejewa und sich abwechselnden Astrologen seit zehn Jahren eine der beliebtesten Shows des russischen Fernsehens: "Lass uns heiraten" heißt die Sendung, in der einsame Männer auf Brautschau gehen und Frauen hoffen, doch noch ihren Traumprinzen zu finden. "Ich werde aufhören zu arbeiten, erst wenn ich im Grab liege", verkündete Sjabitowa, die für markante Sprüche bekannt ist, in einer der Sendungen. Ein Leben ohne Arbeit könne sie sich auch nicht vorstellen, fügte ihre Kollegin Gusejewa hinzu, um daraufhin davon zu schwärmen, dass die heutigen 60-Jährigen so fit sind, dass man sie mit den Generationen vor ihnen nicht vergleichen könne. Ganz getreu dem Motto: Sie können auch noch 40 Jahre arbeiten, geschweige denn die paar Jahre mehr, die von der Reform vorgesehen wären.

Der wichtigste Staatssender Perwij Kanal widmete gleich ganze Sendungen den neuen angeblich so fitten Generationen. "Das Alter wird warten müssen", hieß etwa eine der Ausgaben der Talkshow "Lasst sie reden". "Warum heute sich niemand beeilt, alt zu werden. Warum heute Großmütter und Großväter aussehen wir ihre Kinder [...]. Frauen über 50 arbeiten weiter, heiraten, unterziehen sich Schönheitsoperationen und bedienen Gadgets. Wie sich vor unseren Augen die Vorstellungen vom Alter verändern und wie sich in Folge die Grenzen des Renteneintrittsalters verschieben", hieß es in der schwärmerischen Anmoderation zur Sendung. 

"Ich hatte nie vor, mit 55 Jahren meine Arbeit aufzugeben"

Präsentiert wurde etwa Galina Schubenina, die mit 60 Jahren ein Kind bekommen hat. Die erste Frage des Moderators an sie: "Wann haben sie entschieden, dass sie keine Rentnerin sein wollen?" Ihre Antwort: "Ich hatte nie vor, mit 55 Jahren meine Arbeit aufzugeben. Das könnte ich mir selbst ihn meinen wildesten Fantasien nicht vorstellen."

Dafür, dass sie mit 60 Jahren ein Kind zur Welt gebracht hat, erntete Galina von den prominenten Gästen der Sendung viel Beifall. Sie sehe fantastisch aus, höchsten wie 40, lobte der selbsternannte Aktivist Roman Chydjakow, der seinen Lebensunterhalt vor allem dadurch zu bestreiten scheint, dass er durch Talkshow des Staatsfernsehens tingelt und der Regierung gefällige Ansichten breit tritt. "Wenn eine Frau dazu bereit ist, in diesem Alter ein Kind zu gebären, und der Mann bereit ist, es zu erziehen, dann nur zu!", rief er enthusiastisch.

Ein bemerkenswerter Umstand, bedenkt man, dass in Russland sonst weitestgehend die Meinung vorherrscht, dass Frauen bereits mit 30 zu alt für die Geburt eines Kindes sind. "Wie müssen die Klischees, dass Frauen mit 35 Jahren Spätgebärende sind, oder mit 55 Jahren Rentnerinnen, abschaffen", forderte angesichts dieses Umstandes Natalja Potschinok, Leiterin der Russischen Staatlichen Sozialuniversität.

Anna Schatilowa, die einst die bekannteste Nachrichtensprecherin der Sowjetunion war, verstieg sich sogar zu der Behauptung: "Wenn in dem Rentenbescheid unterstrichen wird, dass die Rente wegen des Alters ausgezahlt wird, ist es eine Beleidigung." Ihr wäre es am liebsten, man würde Wörter wie "Alter", "alte Menschen" und ähnliche gänzlich aus der Öffentlichkeit verbannen. 

Steter Tropfen höhlt den Stein

Und im gleichen Tenor ging es eine Stunde lang weiter, wie auch in zahlreichen anderen Sendungen. Das Narrativ, das den Zuschauen Tag für Tag eingebläut wird, ist stets dasselbe: Mit 55 fängt das Leben erst an. Eine Rente zu beziehen ist überflüssig, oder gar eine Schande. Russische Frauen und Männer arbeiten bis zu ihrem Tod - und das auch noch gerne.

Dabei gelingt den TV-Machern und Moderatoren ein rhetorisches Kunststückchen: Sie schaffen es, stundenlang über die Rentenreform zu reden, ohne das Wort "Reform" auch nur ein einziges Mal in den Mund zu nehmen.

Wladimir Putin macht's vor

Wie es geht, machte Wladimir Putin höchstpersönlich am vergangenen Mittwoch vor. Mitten am Tag unterbrachen die Staatssender ihr Programm. Putin hielt eine Ansprache an die Nation. Eine halbe Stunde lang erklärte er, warum die "Änderung der Renten" zwingend notwendig sei. Eine halbe Stunde lang hielt er seinen Vortrag und entpuppte sich als ein Meister der Synonyme: Änderung, Anpassung, Angleichung, Ausbesserung, Erneuerung. Es fand viele Bezeichnungen für seine Rentenreform, nur nicht: Reform. 

Auch auf den Seiten des Staatsfernsehens, wo am Mittwoch die Ansprache des Präsidenten angekündigt worden ist, war kein einziges Mal das Wort "Reform" zu lesen. Stattdessen hieß es etwa beim Perwij Kanal: "Auftritt des Präsidenten zu den Rentenänderungen".

"Auftritt des Präsidenten zu den Rentenänderungen. Ansprache von Wladimir Putin"

"Auftritt des Präsidenten zu den Rentenänderungen. Ansprache von Wladimir Putin". So kündigte der Staatssender Perwij Kanal die Anrede Putins an. 

Ein Zufall? Wohl nicht. Am 16. Juli berichtete der unabhängige TV-Sender "Doschd", dass die Administration Putins loyale Politiker, das Staatsfernsehen, staatliche oder kremlnahe Medien, Redner, Journalisten und Blogger aufgefordert hätte, den Begriff "Rentenreform" nicht zu verwenden. Zwei Quellen, die dem Kreml nahe stehen, hätten diese Information dem Sender zugetragen, ein Vertreter in der Staatsduma hätte sie bestätigt. Der Befehl sei bereits im Juni erfolgt, als die Rentenreform bekannt gegeben wurde. Das Wort "Reformen" soll die Menschen nicht an die Reformen der 90er Jahre erinnern, so die Begründung. 

Sowohl die Berichterstattung der letzten Wochen, als auch die Ansprache von Putin selbst, sprechen dafür, dass es eine solche Anweisung tatsächlich gegeben hat. Auch Quellen des stern bei russischen Medien haben den Bericht von "Doschd" bestätigt. 

Dabei ist die Methode, Medien die Verwendung einzelner Begriffe zu verbieten, keineswegs neu. 2016, als sich die russische Wirtschaft in der Krise befand und der Rubel in die Tiefe stürzte, durften Staatsmedien das Wort "Krise" nicht  benutzen.

Die Menschen erkennen die Propaganda

Doch bislang scheint die Propaganda-Kampagne wenig zu fruchten. Wenig verwunderlich, wo die Menschen die Realität Tag für Tag erleben und wissen, dass sie unter Umständen mit 60 doch nicht so fit und vital sind, wie die Staatsmedien es ihnen weismachen wollen. In sozialen Netzwerken kommentieren hunderttausende Russen die entsprechen Sendungen - wenig wohlwollend. "Überall dasselbe, sie versammelten diejenigen, die nie körperliche Arbeit verrichten mussten. Fragen sie mal Stahlarbeiter oder Drechsler, die für ein paar Pfennige ackern und die Jahre bis zu ihrem 60. zählen. Und dann das! Wartet es ab, die Männer werden in Rente gehen und gleich danach ins Gras beißen. Ich konnte mir die Sendung nicht bis zum Ende anschauen. Es ist zu widerlich", kommentierte etwa ein aufgebrachter Zuschauer der Talkshow "Lasst sie reden" auf Youtube. "Entschuldigung, aber das ist keine Sendung, sondern Propaganda zur Erhöhung des Renteneintrittsalters", schrieb eine Frau. "Man darf diesen Wahnsinn nicht propagandieren", gab eine andere Nutzerin ihr Recht.

Der Unmut aus dem Netz ist längst auf den Straßen angekommen, Seit Wochen gibt es landesweit Proteste gegen die Rentenreform. Auch die Ansprache Putins konnte die Menschen nicht besänftigen. Für das erste September-Wochenende sind erneut Demonstrationen angekündigt.  

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(