Schwerer Schlaganfall Ariel Scharon wird künstlich beatmet


Israels Premierminister Ariel Scharon ist mit einem schweren Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert worden. Nach zwei erfolgreichen Notoperationen ist sein Zustand stabil, aber kritisch.

Der Zustand des schwer erkrankten israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon ist nach Angaben seiner Ärzte stabil, aber dennoch weiterhin kritisch. Scharon müsse für mindestens 24 weitere Stunden künstlich beatmet werden, sagte der Direktor der Jerusalemer Universitätsklinik, Schlomo Mor-Josef.

Scharon war am Vortag mit Hirnblutungen infolge eines schweren Schlaganfalls in die Klinik eingeliefert worden und musste sich einer Notoperation unterziehen.

Nach israelischen Rundfunkberichten gelang es den Ärzten in der Hadassa-Klinik dabei, das ausgetretene Blut aus Scharons Gehirn abzuleiten. Nach mehr als sechs Stunden schafften es die Chirurgen angeblich, die geplatzten Adern zu veröden. Die Operation sei beendet, meldete der Sender Channel 10. Wenig später erklärte Klinikdirektor Mor-Jossef, eine Computertomographie habe ergeben, dass eine weitere Operation notwendig sei.

Scharons Zustand sei kritisch, er werde nach wie vor künstlich beatmet. Ein Radiosender zitierte einen Gesundheitsexperten mit den Worten, die Chancen für eine vollständige Genesung Scharons stünden schlecht.

Am Mittwochabend hatte Scharon plötzlich über Unwohlsein geklagt, wie sein Büro mitteilte. Er wurde sofort mit einem Krankenwagen von seiner Ranch im Süden der Wüste Negev in die etwa eine Autostunde entfernte Jerusalemer Hadassa-Klinik gefahren. Der starke Schlaganfall ereignete sich während der Fahrt, sagte der stellvertretende Klinikdirektor Schmuel Schapira. Einem Bericht des Senders Channel 2 zufolge verschlechterte sich die Lage auf dem letzten Streckenabschnitt dramatisch, Scharon habe mehrere Gliedmaßen nicht mehr bewegen können und sei auf einer Liege in die Notfallaufnahme gebracht worden.

Sein Leben sei in Gefahr, mutmaßten mehrere Experten im Fernsehen. Es wurde gerätselt, warum Scharon von seiner Farm nicht ins nächste Krankenhaus in Beerscheba gebracht worden sei, was sehr viel schneller zu erreichen gewesen wäre.

Vizeministerpräsident Ehud Olmert hat die Amtsgeschäfte übernommen und für Donnerstag eine Krisensitzung des Kabinetts einberufen. Scharons Berater Raanan Gissin warnte die Nachbarn Israels und radikale palästinensische Gruppen: "Wer auch immer diese Situation auszunutzen versucht muss wissen, dass die israelischen Sicherheits- und Streitkräfte für jede Herausforderung gewappnet sind", sagte er vor der Klinik.

Die dramatische Verschlechterung von Scharons Gesundheitszustands ereilte den Regierungschef mitten im Wahlkampf, sein Ausscheiden aus dem Amt könnte die Lage im Nahen Osten weiter destabilisieren.

Scharon hatte erst vor wenigen Wochen den Likud-Block verlassen und die zum Friedensprozess mit den Palästinensern bereite Partei Kadima gegründet. Am 28. März wollte sich Scharon in der Parlamentswahl als Spitzenkandidat von Kadima für eine dritte Amtszeit wählen lassen.

Der Regierungschef erlitt bereits vor anderthalb Wochen einen Schlaganfall. Danach hatte sich jedoch zunächst Erleichterung breit gemacht: Der 77-Jährige verließ das Krankenhaus nach nur drei Tagen wieder, und die Ärzte versicherten, er werde keine bleibenden Schäden davongetragen. Als Ursache wurde ein kleines Loch im Herzen ausgemacht, das eigentlich am Donnerstag mit einem Katheter geschlossen werden sollte.

In Washington löste der neue Schlaganfall Besorgnis aus. Präsident George W. Bush lobte Scharon als "Mann des Mutes und des Friedens". "Wir beten für Scharon und seine baldige Genesung", hieß es in einer Erklärung von Bush und seiner Frau Laura. "Wir teilen die Sorgen der israelischen Bevölkerung." Auch US-Außenministerin Condoleezza Rice übermittelte Genesungswünsche nach Jerusalem.

Der oberste israelische Rabbi Jona Metzger rief die Bevölkerung auf, für Scharon zu beten. "Wir sind sehr, sehr besorgt", sagte er. Auch in arabischen Fernsehsendern wurde live von der Krise Scharons berichtet.

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

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