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Alt-Right in Europa: Steve Bannon – so will der Dunkle Lord Europa in Brand setzen

Bei Donald Trump ist der rechte Chefstratege Steve Bannon in Ungnade gefallen. Nun zieht es ihn nach Europa. Sein Antrieb ist ein brennender Hass auf Eliten und Establishment. Bannon könnte der zersplitterten Rechten in Europa eine gemeinsame Ideologie und Rhetorik verleihen.

In den USA ist Steve Bannon tief gefallen, an Gefährlichkeit  hat er nichts eingebüsst.

In den USA ist Steve Bannon tief gefallen, an Gefährlichkeit  hat er nichts eingebüsst.

Zuerst flog Steve Bannon aus dem Weißen Haus, dann musste er auch noch das alt-rechte Portal "Breitbart" verlassen. Die Zeit des dunklen Lords schien zu Ende, die Gegner der rechten Demagogen triumphierten. Nun zeigt sich, sie haben sich wohl zu früh gefreut, denn Steve Bannon ist so gefährlich wie eh und je.

Ungebrochenes gefährliches Potenzial

Sein Potenzial zeigte sich eindrucksvoll beim Auftritt vor der französischen Front National. Dabei ist der frenetische Beifall nicht entscheidend, mit dem seine Rede begleitet wurde. Aus der Sicht aller Rechten auf der Welt hat Chefstratege Bannon Donald Trump ins Weiße Haus gebracht und damit das Unmögliche wahr gemacht. Hatten doch große Medien noch kurz vor der Wahl von einem Sieg Clintons mit mehr als 90 Prozent Wahrscheinlichkeit fabuliert. Kein Wunder, dass Bannon von rechten Populisten hofiert wird. Vor allem, wenn sie wie der Front National immer wieder beim Griff nach der Macht scheiterten. 

Gefährlich ist der Auftritt Bannons, weil es nicht um Balsam für seine geschundene Seele geht, sondern weil Bannon das politische Programm einer weltweiten Rechten skizziert. Die USA hat er schon erobert, nun folgt Europa und dann die ganze Welt. So stellt sich Steve Bannon den Siegeszug rechtspopulistischer und rechtsextremer Kräfte vor.

Modernisierungsschub

"Ihr seid Teil einer weltweiten Bewegung, die größer ist als Frankreich, größer als Italien, größer als Ungarn, größer als all das", rief Bannon auf dem Parteitag. Und zeigte eindrucksvoll, dass er wie kein anderer die Stimmungsmache gegen die Eliten, das "Establishment" und das "perverse System" gieriger Großkonzerne und Banken beherrscht, und natürlich geht es auch gegen die Presse, die von den Regierungen "wie ein Hund an der Leine" geführt werde. 

Neu ist das alles nicht, aber eindrucksvoll – denn Bannon ist ein Meister der apokalyptischen Rhetorik. Und er beherrscht das Kunststück, auf der rechten Orgel zu spielen und dennoch das nationale und manchmal nur regionale Klein-Klein der klassischen Rechten zu überspielen. Eine Grundvoraussetzung für eine internationale Bewegung. 

Beim Thema Kryptowährungen konnten die Mitglieder des Front Nationals der Bannon-Rhetorik nicht recht folgen. Und genau hier zeigte sich der Modernisierungsschub, den ein rechter Denker vom Kaliber Bannons geben kann. Anders als die Zuhörer hat Steve Bannon das Guerillasystem der Blockchain-Technologie erkannt. Und er hat Folgendes demonstriert: Wenn die alte Rechte zur kommenden Alt-Right werden will, muss sie moderne Themen besetzen und rhetorisch in Stellung bringen. Bitcoin und Identitätsdiebstahl durch Internetkonzerne statt Fahnenappell und Betstunde. Mit "Kameltreiber"-Witzen lässt sich die Macht nicht erobern.

Eine "wahrer Gläubiger"

Bannon will weit mehr sein als ein Grüß-Onkel, der freundlich erzählt, wie er damals den Kampf um das Weiße Haus gewonnen hat. Bannon will der geistige Übervater der "rechten Internationalen" werden. Das "Time Magazin" analysierte, Bannon sei ein wahrer Gläubiger, jemand, den es nicht um Geld oder Posten gehe, sondern der Geschichte schreiben wolle. Auch wenn Bannon mit seinem fleckigen Gesicht auf Fotos häufig etwas derangiert aussieht, darf man ihn nicht unterschätzen. Frühere Geschäftspartner aus Hollywood-Zeiten bescheinigen ihm strategische Weitsicht, er sei seinen Gegnern im Geschäftsleben meist drei oder vier Schritte voraus gewesen, heißt es. Wegen seines phänomenalen Gedächtnisses lautet sein Spitzname "die Enzyklopädie". 

Steve Bannon gilt als überaus belesen. In seinen Reden lassen sich die Einflüsse der rechten europäischen Philosophen des 20. Jahrhunderts nachweisen. Vergessene Denker, die sonst nur noch eine Handvoll von Spezialisten kennen. Ihre traditionellen Gedankenmuster verschmilzt Bannon mit einer schon unheimlichen Wut auf das bestehende System.

In Bannons Denken sind Worte wie Kompromiss und Ausgleich nicht vorgesehen. In seiner Zeit bei Breitbart wählte Bannon den Honigdachs als Motto-Tier, verriet Joshua Green in "Bloomberg Businessweek". In einem damals populären Internet-Video wird der kleine Räuber beobachtet. Das Besondere: Weder Bienenstiche, Schlangenbisse noch andere Widerstände halten das Tier bei seiner Jagd auf. Der Moderator kommentiert lakonisch nur: "Honey Badger don't give a shit" - den Honigdachs juckt das nicht. 

Dazu bringt Bannon exklusives Herrschaftswissen aus dem Innersten der Macht mit. Auch sonst ist Steve Bannon nach seinem Rauswurf keineswegs am Ende. Er ist nach wie vor reich und wird auch weiterhin über die Fähigkeit verfügen, Geldmittel zu mobilisieren, von denen die europäischen Rechten bisher nur träumen können.

Agenda der Destabilisierung

Sein europäisches Hauptquartier hat Bannon in Italien aufgeschlagen. Dort ist die politische Lage ganz nach seinem Geschmack. Die alten Eliten haben in einem bemerkenswerten Maße abgebaut. Die politische Landschaft wird von Populisten, rechten Ideologen und dem politischen Puppenspieler Berlusconi beherrscht. In Italien herrscht eine politisch verfahrene Lage. In der Steve Bannon nun als ungebetener Gast hinzutritt. 

Es gilt als wahrscheinlich, dass Bannon sich nicht allein auf gelegentliche Auftritte und seine Stimme verlassen wird. Er hat bereits angedeutet, dass er sich ein Sprachrohr zulegen will, und spekulierte darüber, entweder ein bestehendes Presseorgan zu kaufen oder ein Web-Portal neu zu gründen.

Mit AFP