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Streit um die Falklands: Scharfe Zungen, stumpfe Schwerter

Wie aus dem nichts sind 30 Jahre nach Maggie Thatchers Krieg im Südatlantik ist der Falklandinsel-Konflikt wieder aktuell. Argentinien und Großbritannien streiten weiter. Jetzt soll sogar der Weltsicherheitsrat die Briten an den Verhandlungstisch zwingen.

Britische Kriegsschiffe, brennende Union Jacks, argentinische Rhetorik und dazwischen ein Prinz: 30 Jahre nach dem argentinisch-britischen Krieg um die Falklandinseln im Südatlantik fliegen die Emotionen auf beiden Seiten wieder hoch. Jetzt will die argentinische Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner sogar die Weltsicherheitsrat anrufen. Die Welt fragt sich: Warum bringt Argentinien das Thema der Falklandinseln wieder aufs Tableau. Warum jetzt? Und warum mit soviel Zorn?

Es ist ein Rezept aus Emotionen und innenpolitischem Kalkül, aus kalten wirtschaftlichen Interessen und Nationalstolz, das auf beiden Seiten ein explosives Gemisch ergibt. Denn die Briten reagieren auf die Rhetorik aus Buenos Aires so, wie sie es in ihrer Geschichte in ähnlichen Fällen oft getan haben: Mit der Demonstration militärischer Stärke. Erst legte mit der "HMS Dauntless" eines der modernsten Kriegsschiffe der britischen Marine mit Ziel Südatlantik ab, dann flog Prinz William zu einem sechswöchigen Einsatz auf die Inselgruppe. Berichte, wonach auch ein Atom-U-Boot unterwegs sein soll, wurden zumindest nicht dementiert.

"Reine Routine", wiegelt die Downing Street ab. Eine Erklärung dafür, warum Prinz William seinen Falkland-Einsatz ausgerechnet in zeitlich so großer Nähe zum 30. Jahrestag des Kriegsbeginnes beenden muss, gibt London nicht ab. Cristina Kirchner hat es deshalb vergleichsweise leicht, Beifall einzuheimsen, wenn sie die Briten der Provokation bezichtigt. William sei "mit der Uniform der Eroberer, und nicht mit der Weisheit der Staatsmänner" in den Südatlantik gezogen, sagte die Präsidentin süffisant.

"Wenn sie will, kann sie uns ausquetschen"

Kirchner hat es bisher vermieden, dem Krieg der Worte auch eine faktische Eskalation des Konfliktes folgen zu lassen. Die Macht dazu hätte sie - auch ohne Militär. Sie bräuchte nur etwa ihren Luftraum für Flüge der chilenischen Fluglinie LAN auf die Falklands sperren - dann wären die Inselbewohner de facto abgeschnitten. "Wenn sie will, kann sie uns ausquetschen", urteilte der "Guardian" jüngst. Ohnehin wird die die Inselgruppe nur einmal wöchentlich kommerziell angeflogen. Ferner geht noch eine Maschine des britischen Militärs alle zwei Wochen.

Selbst wenn die prognostizierten 60 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Rohöl vor den Falklands tatsächlich zu fördern wären: Es gibt bisher keine Infrastruktur. Ohne Hilfe Argentiniens wäre eine wirtschaftliche Nutzung des Öls gar nicht möglich.

Der "Guardian" vermutet, dass Großbritannien das Halten der Inseln irgendwann ohnehin zu teuer werden könnte. "1000 Soldaten sitzen auf einer Insel mit Booten, Flugzeugen und Swimming-Pools - zur Abschreckung vor einer nicht existierenden Invasion", schrieb Kommentator Peter Preston und kommt zu dem Schluss: "Früher oder später werden die Falklands verkauft."

Argentinien stützt sich auf eine UN-Resolution

Kirchner weiß um diese britische Zwickmühle. Sie versammelte Oppositionspolitiker, Unternehmer und Gewerkschafter in der Casa Rosada, dem Regierungsgebäude in Buenos Aires, um den britischen Premier David Cameron aufzufordern, Diplomatie anstelle von Säbelrasseln walten zu lassen. "Ich möchte den britischen Ministerpräsidenten bitten, dem Frieden eine Chance zu geben", sagte die Staatschefin in Anspielung auf John Lennons Song "Give peace a chance".

Argentinien stützt sich auf eine UN-Resolution von 1965, die beide Staaten auffordert, bilaterale Gespräche über den Status der Inseln zu führen. Buenos Aires fordert die Hoheit über den Archipel und betrachtet die rund 3000 Inseleinwohner als britische Bürger, die dort bewusst angesiedelt wurden. Keineswegs seien es die Ureinwohner. Buenos Aires kontert damit das Londoner Argument, es sei der Wunsch der Einwohner, bei Großbritannien zu bleiben.

Die argentinische Regierung ließ zunächst nicht erkennen, wann sie die Beschwerde dem Sicherheitsrat vorlegen wird. Der Konflikt in Syrien und Irans Atomprogramm lassen zur Zeit wenig Spielraum, um dort eine Mehrheit gegen London zusammenzutrommeln.

Juan Garff und Michael Donhauser, DPA / DPA