HOME
Interview

Protestbewegung "Strike WEF": "Es ist Zeit, dass das Weltwirtschaftsforum abgeschafft wird"

Am Dienstag beginnt das Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Die Bewegung "Strike WEF" will ihre Proteste gegen Klimawandel in den kleinen Ort tragen – mit einer Wanderung. Im Interview spricht "Strike WEF"-Sprecherin Mitra Tavakoli über die Beweggründe.

Teilnehmer der Demonstration "Winterwanderung Strike WEF"

Teilnehmer der Demonstration "Winterwanderung Strike WEF"

DPA

Im schweizerischen Davos beginnt das Weltwirtschaftsforum, kurz auch WEF genannt. Im Fokus des mehrtägigen Gipfels wird dabei das Klima stehen, der Klimawandel und der Kapitalismus. Insgesamt werden rund 2800 Teilnehmer und 53 Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Zu den weiteren Gästen zählen US-Präsident Donald Trump, Klima-Aktivistin Greta Thunberg sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Im Vorfeld hat es Proteste gegeben. Eine Protestbewegung ist "Strike WEF". Mehrere hundert Klimaschützer wandern derzeit in einem Protestmarsch zum Weltwirtschaftsforum nach Davos. Sie wollen die "Klimagerechtigkeit nach Davos" bringen, wie die Bewegung auf ihrer Internetseite schreibt. Mitra Tavakoli, Sprecherin der Bewegung, spricht im Interview mit dem stern über die Forderungen von "Strike WEF" und warum sie nach Davos wandern. 

"Strike WEF" will Weltwirtschaftsforum abschaffen

Warum wurde "Strike WEF" ins Leben gerufen? 

Es ist Zeit, dass das WEF abgeschafft wird. Das WEF ist maßgeblich verantwortlich für die Klimakrise. Es hat gezeigt, dass sich nichts verändert hat. Es ist sogar schlimmer geworden. 

Warum ist das WEF Ihrer Meinung nach verantwortlich für die Krise?

Seit 1988 sind es mehr als hundert Firmen, die für 70 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. Viele davon sind Mitglieder des WEF. Aber es wird nichts besser. Es wird nur schlimmer bei Klima und sozialer Gerechtigkeit. Außerdem ist es ein exklusiver Klub, das ist eine Elite, die sind unter sich. Die werden nur eingeladen, wenn sie einen gewissen Beitrag zahlen. Das ist nicht inklusive. Deshalb habe wir "Strike WEF" ins Leben gerufen, um das zu ändern.

Warum wandern sie jetzt nach Davos?

Zum einen ist Wandern der klimaneutralste Sport überhaupt. Es ist außerdem ein Mittel zu zeigen, dass wir eine breite und vielfältige Masse sind. Außerdem ist das Wandern viel besser, statt mit dem Flieger oder mit dem Helikopter nach Davos zu fliegen. 

Die Schweizer Behörden haben nur die ersten zwei Etappen des Protestmarsches genehmigt. Wie soll es denn danach für Sie weitergehen?

Wir sind der Meinung, dass es keine Bewilligung braucht, um nach Davos zu wandern. Wir werden friedlich bleiben. Wir sind der Meinung, dass wir das Recht haben, zu Fuß nach Davos zu kommen. 

Was sind die Forderungen des "Strike WEF"? 

Das WEF soll abgeschafft werden. Es gibt keinen Platz dafür in der Welt der Klimagerechtigkeit. Das ist unsere Hauptforderung. Wenn sie ernst genommen wird, bedeutet das eine Umstellung der Art und Weise, wie die Wirtschaft funktioniert. Wir wollen keine Wirtschaftsweise haben, die auf Wachstum basiert. Wenn das passiert, bedeutet dies einen grundlegenden Wandel. 

Video: Greta auf dem Weg nach Davos

Was sind Ihre Erwartungen an Davos? 

Wir wünschen uns, dass die Wirtschaft die Menschen und die Natur in den Mittelpunkt stellt und sie nicht ausbeutet, dass die Grundlage von Menschen nicht zerstört wird. Wir fordern ein Mitbestimmungsrecht. Am WEF in Davos sitzt eine Elite. Wenn das umgesetzt wird, dann haben wir nicht mehr das WEF, wie es heute besteht. 

Wie werden Sie reagieren, je nach Ausgang des WEF? 

Wenn es dieses Mal nicht reicht, mit der Wanderung, ist es denkbar, dass wir noch mal eine machen müssen. Aber wir sind da noch nicht zu einem Konsens gelangt in der Gruppe. In welcher Form unsere Bewegung für Klimagerechtigkeit weitergehen wird, ist noch nicht klar. 

Das Interview führte Rune Weichert

Mit Material der AFP