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Weltwirtschaftsforum in Davos: Greta kommt (und Luisa und Donald) aber "allein um Greta soll es nicht gehen"

Tausende Teilnehmer und mehrere Staats- und Regierungschefs werden im schweizerischen Davos zum Weltwirtschaftsforum erwartet. Die Augen sind alle auf Greta Thunberg richten – und ihr Hauptanliegen, das Klima.

Video: Thunberg fordert mehr Gehör für junge Generation

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) im schweizerischen Davos, das am Dienstag beginnt, steht in diesem Jahr auch im Zeichen des Klimawandels. Wie die Organisatoren im Vorfeld mitteilten, werden insgesamt rund 2800 Teilnehmer und 53 Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Zu den weiteren Gästen zählen US-Präsident Donald Trump, Klima-Aktivistin Greta Thunberg sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Nicht kommen werden den jüngsten Angaben zufolge hingegen der britischer Premier Boris Johnson und Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif.

Bundeskanzlerin Merkel wird vor dem Plenum in Davos eine Rede halten. Während ihres Aufenthalts wird sie außerdem Gespräche mit Staats- und Regierungschefs sowie Vertretern von Unternehmen führen, wie die Bundesregierung mitteilte.

Video: Greta auf dem Weg nach Davos

Klima und Thunberg im Fokus des WEF

Die Veranstaltung soll in diesem Jahr unter dem Motto eines nachhaltigeren Kapitalismus' stehen. "Die Welt ist in einem Ausnahmezustand und das Fenster zum Handeln schließt sich schnell", sagte WEF-Gründer Klaus Schwab. Die Teilnehmer sollen sich auf ein entsprechendes "Davos Manifest" einigen.

Insgesamt sind es sieben Themenbereiche, in die das Jubiläumstreffen gegliedert ist. Doch das Augenmerk gilt außer der Geopolitik mit ihren schweren Krisen wie dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran oder dem Kampf gegen den Terrorismus besonders dem Klima. "Wir wollen nicht, dass diese Dinge bis 2050, 2030 oder sogar 2021 getan werden", schreibt die schwedische Aktivistin Thunberg den Davos-Teilnehmern ins Stammbuch. "Wir wollen, dass sie jetzt erledigt werden - "jetzt" wie in "genau jetzt"." Das Weltwirtschaftsforum könnte zum Weltklimaforum werden.

Luisa Neubauer wird auch in Davos sein

"Wir verlangen", schreibt Thunberg im Namen der weltweiten Klimabewegung in einem offenen Brief in der britischen Zeitung "Guardian", dass alle Teilnehmer, ob Unternehmen, Organisationen oder Regierungen, "unverzüglich und vollständig" alle Investitionen in fossile Brennstoffe beenden. Auch die Studentin und Klima-Aktivistin Luisa Neubauer, die an dem offenen Brief mitgewirkt hat, reist nach eigenen Angaben mit der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg zum Weltwirtschaftsforum. Auch weitere junge Aktivisten und Aktivistinnen sind geladen.

Das WEF will die Aktivistin unterstützen, sich selbst aber vor Vereinnahmung schützen. "Wir haben sie wieder eingeladen, aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht zum Werkzeug für den Hype werden, der um sie herum entstanden ist", sagte Schwab vor kurzem der Zeitung "Die Welt". Wichtig sei, den Blick zu weiten. "Es geht nicht um Greta allein, es geht um die Sorge einer ganzen Generation, dass wir nicht genug tun, um unsere Umwelt so zu erhalten, dass sie uns auch weiterhin Freude machen wird."

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) feiert 50-jähriges Jubiläum

Das Weltwirtschaftsforum feiert 50-jähriges Jubiläum

AFP

Klima-Proteste im Gastgeberland Schweiz

Am Sonntag sind Hunderte junge und alte Klimaschützer in der Schweiz zu einem Protestmarsch nach Davos aufgebrochen. Von der Stadt Landquart aus wollen sie in drei Tagen nach Davos laufen. Sie forderten die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums auf, Verantwortung für das Klima zu übernehmen. Thunberg war in Landquart nicht dabei.

Die Schweizer Behörden haben nur die ersten zwei Etappen des Protestmarsches bis zum Wintersportort Klosters genehmigt. Die Veranstalter haben aber angekündigt, trotzdem weiterzulaufen, um auf Wanderwegen so weit an den Gipfelort heranzukommen wie möglich.

Bereits am vergangenen Freitag ist Thunberg mit mehreren tausend jungen Menschen im schweizerischen Lausanne auf die Straße gegangen. "Wir haben in diesem Jahrzehnt bislang noch nichts gesehen, das darauf hindeutet, dass ein wirkliches Handeln beim Klima kommen wird", sagte die 17-Jährige vor der protestierenden Menschenmenge. "Das muss sich ändern."

"An die Führer der Welt" gerichtet sagte Thunberg: "Das ist erst der Anfang, ihr habt noch nichts gesehen, das garantieren wir euch!" An der Demonstration in Lausanne nahmen nach Angaben des Veranstalters Klimastreik Schweiz 15.000 Menschen teil.

Thunberg schon 2019 bei WEF dabei gewesen

Schon im Vorjahr wurde Thunberg zum Gesicht des WEF-Jahrestreffens. "Ich will, dass Ihr in Panik geratet", denn das gemeinsame Haus Erde stehe in Flammen, hatte die heute 17-Jährige damals den mehr als 3000 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zugerufen.

Das Wirtschaftsforum findet vom 21. bis 24. Januar statt. Seit 1971 treffen sich in Davos jährlich Staatschefs, Manager, Wissenschaftler, gesellschaftliche Akteure und Journalisten zum Weltwirtschaftsforum. Diskutiert wird über Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik. Zur 50. Ausgabe wollen mehr als 3000 Teilnehmer kommen.

Nachdem im vergangenen Jahr die hohe Zahl an Privatjets anreisender Teilnehmer für Kritik am ökologischen Fußabdruck des Wirtschaftstreffens gesorgt hatte, wollen die Organisatoren in diesem Jahr den Umweltaspekt höher hängen: Erstmals sollen für das Kongresszentrum Solarenergie und Geothermie zum Einsatz kommen, außerdem baute die Gemeinde Davos einen neuen Bahnhof, damit die WEF-Gäste per Shuttlezug zum Kongresszentrum gelangen können.  Nach Angaben des Schweizer Senders SRF werden die Kosten für die Veranstaltung auf 45 Millionen Franken (knapp 42 Millionen Euro) geschätzt. Im Zuge der Sicherheitsvorkehrungen sind bis zu 5000 Soldaten im Einsatz.

rw / AFP / DPA