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Super Tuesday im US-Vorwahlkampf: Republikaner hoffen auf Befreiungsschlag

Zieht Romney davon? Holt Santorum auf? Steigen Gingrich und Paul aus? Heute wählen die Republikaner ihren Präsidentschaftskandidaten in zehn Bundesstaaten - ein Sieger ist nicht in Sicht.

Von Niels Kruse

So richtig super wird er wohl leider nicht, der diesjährige Super Tuesday. Vor vier Jahren, als Demokraten wie Republikaner noch gleichzeitig auf der Suche nach ihrem Präsidentschaftskandidaten waren, wurde am entscheidenden Vorwahltag in mehr als 20 Bundesstaaten gewählt - darunter in bevölkerungsreichen Ländern wie Kalifornien und New York. Diesmal befinden die Amerikaner nur über den konservativen Bewerber und das in nur zehn Staaten. Und doch ist die Hoffnung groß, mit dem Großwahltag endlich den so lang ersehnten Befreiungsschlag hinzukriegen.

Denn das große Kandidatenkandidaten-Feld muss bald gelichtet werden. Mit jedem Tag, den sich Mitt Romney, Rick Santorum, Newt Gingrich und Ron Paul bis aufs Blut bekämpfen, kann sich Präsident Barack Obama ein Stück entspannter in seinem Amtssessel zurücklehnen.

Allerdings: Selbst wenn es einen echten Gewinner des Tages geben sollte - am Ende wird er im parteiinternen Wettbewerb immer noch nicht die nötige Mehrheit haben, um unangefochtener Herausforderer zu werden. Doch wenn dieser Tag schon keine Gewinner produziert, dann zumindest ein paar Verlierer.

Favorit der Massen-Vorwahl ist weiterhin Multimillionär und Mormone Mitt Romney, allerdings mit hauchdünnem Vorsprung vor seinem ärgsten Konkurrenten, dem ultrakonservativen Ex-Senator Rick Santorum. Newt Gingrich, vor wenigen Wochen noch aussichtsreicher Widerpart von Mitt Romney, scheint genauso aus dem Rennen zu sein wie der libertäre Ron Paul.

Mehr als 400 von 2286 Stimmen werden vergeben

Insgesamt werden am heutigen Dienstag etwas mehr als 400 von insgesamt 2286 Parteitags-Stimmen vergeben. Um im Spätsommer zum Herausforderer von Obama gekürt zu werden, muss ein Bewerber mindestens 1144 Wahlmänner hinter sich bringen. Gewählt wird in Alaska, Georgia, Idaho, Massachusetts, North Dakota, Ohio, Oklahoma, Tennessee, Vermont und Virginia. Die wichtigsten Abstimmungen finden dabei in Georgia, Ohio und Tennessee statt, denen wegen ihrer hohen Bevölkerungszahl viele der begehrten Delegierten zustehen.

Angesichts der aktuellen Umfragen wird kein Kandidat alle Bundesstaaten gewinnen können. Im Gegenteil: Es ist nicht unmöglich, dass alle vier aus zumindest einer Vorwahl als Sieger hervorgehen könnten. Ein Überblick über die Kandidaten und ihre Chancen in den einzelnen Bundesstaaten:

Mitt Romney

Er hat zwar die nötigen Wahlkampf-Millionen, aber leider nicht die vollständige Rückendeckung der Partei. Und doch liegt Mitt Romney derzeit vorne: bei den bereits gesammelten Delegiertenstimmen (203) und ebenso in einigen Umfragen. So nun auch in Ohio, über den Bundesstaat heißt es: "As Ohio goes, so goes the Nation" - so wie Ohio wählt, wählt auch die Nation. Anders gesagt: Noch nie ist ein Konservativer ins Weiße Haus gezogen, ohne dass die Einwohner dieses Bundesstaates ihn mehrheitlich gewählt haben. Sicher ist: Hier wird es eng - sowohl für den Ex-Fondsmanager und Ex-Gouverneur als auch für Katholiken Santorum. Neuesten Umfragen zufolge aber scheint Romney knapp vorne zu liegen - sehr knapp.

Heimbonus genießt Romney in Massachusetts, wo er fünf Jahre Gouverneur war. Im ebenfalls wohlhabenden, im Nordosten gelegenen, Vermont dagegen hat Romney zwar ebenfalls die Nase vorn, doch lange nicht so deutlich wie angesichts der relativ liberalen Wählerschaft zu vermuten ist. Sicheres Territorium ist dagegen Virginia, denn hier stehen nur Romney und Ron Paul auf dem Wahlzettel - weder Santorum noch Gingrich konnten ausreichend Unterstützer sammeln. Laut den Umfragen kann Romney hier sogar auf eine Dreiviertel-Mehrheit hoffen.

Rick Santorum

Er war mal ein Außenseiter-Kandidat mit wenig Geld und radikalen Minderheitenansichten. Doch mittlerweile hat der erzkonservative Rick Santorum, der Abtreibung und Homo-Ehe auf das Schärfste ablehnt, die zweitmeisten Delegiertenstimmen zusammengesammelt (92). Und bis vor wenigen Tagen führte er in den Umfragen im heißumkämpften Ohio. Mittlerweile aber hat er leicht verloren und könnte nur noch 31 Prozent der zu vergebenen Stimmen kommen, Romney 34 Prozent. Ebenfalls knapp wird die Vorwahl in Tennessee ausgehen - allerdings führt Santorum hier: Meinungsforscher sehen ihn zwischen 29 bis 34 Prozent. Auch im ebenfalls konservativen Oklahoma könnte der Sohn italienischer Einwanderer einen Sieg einfahren.

Newt Gingrich

Er ist fast 70 Jahre alt, er gehört seit Jahrzehnten zum Washingtoner Establishment und er sorgte bislang wohl für die lautesten Lacher in diesem Vorwahlkampf als er sagte: "Am Ende meiner zweiten Amtszeit werden wir die erste dauerhafte Basis auf dem Mond haben - und es wird eine amerikanische sein." Lange galt Newt Gingrich als Hauptkonkurrent für Mitt Romney. Doch damit ist es seit dem Höhenflug von Rick Santorum vorbei. Abgeschlagen liegt der alte, wütende Mann auf Platz drei bei der republikanerinternen Kandidatenkür. Doch ans Aufgeben denkt er nicht. Im Gegenteil: Jeder noch so kleine Erfolg ermutigt ihn, weiterzumachen. Zur Not bis zum Nominierungsparteitag im August. So ein Erfolg könnte ihm die Vorwahl in Georgia bescheren. Den Umfragen zufolge liegt der 68-Jährige hier mit 38 Prozent deutlich vor Romney (24) und Santorum (22). Grund: Es ist der Heimatstaat Gingrichs.

Ron Paul

Der älteste Bewerber in der Runde versucht die Konservativen mit Radikalliberalismus zu überzeugen. Er sperrt sich weitgehend gegen die Einmischung des Staates in das Leben der Bürger. Steuern und Sozialleistungen will er auf ein Minimum senken, die umstrittenen Antiterrorgesetze abschaffen, Drogen will er legalisieren, Regulierungen, wo immer möglich, abbauen. Diesen, reichlich konsequenten Ansichten, aber will niemand so Recht folgen - außer Studenten, die seinen Freiheitsdrang und Pazifismus schätzen. Der 76-Jährige baut auf das Vorwahlsystem des Causus, bei dem lange und offen diskutiert und abgestimmt wird. Die Bundesstaaten Alaska, Idaho und North Dakota wählen auf diese Weise - und Paul hofft, zumindest hier ein paar Delegiertenstimmen zu sammeln. Aber selbst wenn er scheitert: Mehrfach ließ er durchblicken, am Vorwahlrennen vor allem teilzunehmen, um seine Positionen öffentlich zu machen, die er wörtlich auf die Verfassung stützt.

Sicher ist, dass dieser Super Tuesday noch endgültige Entscheidung bringen wird. Im besten Fall wird Mitt Romney weitere 164 Stimmen verbuchen können, aber nur, wenn er in Ohio gewinnt. Das würde zwar reichen, um seinen Vorsprung gegenüber Rick Santorum auszubauen, aber den Status als "Frontrunner", als Kandidat der Herzen, als klarer Präsidentenherausforderer, den hat er damit noch lange nicht erkämpft.