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Pressestimmen

Angriff in Syrien: "Dann steckt Trump im Dilemma"

Die Luftangriffe der drei westlichen UN-Vetomächte in Syrien haben zu unterschiedlichen Reaktionen geführt. Das offizielle Amerika jubiliert und Russland verspricht Reaktionen. So reagierte die internationale Presse auf die Angriffe in Syrien.

Donald Trump spricht im Diplomatic Reception Room

Donald Trump spricht im Diplomatic Reception Room des Weißen Hauses. Die USA, Frankreich und Großbritannien haben in der Nacht zu Samstag mit Militärschlägen gegen Syrien begonnen. 

DPA

Die Luftangriffe der drei westlichen UN-Vetomächte in haben zu stark unterschiedlichen Reaktionen geführt. Das offizielle Amerika jubiliert, Frankreich ringt mit seiner neuen Rolle in der Welt und Russland verspricht Reaktionen. So reagierte die internationale Presse auf die Angriffe in Syrien: 

"Washington Post:" "Wenn Assad den einigermaßen zurückhaltenden Militäreinsatz ignoriert und erneut chemische Waffen einsetzt, steckt Donald Trump im Dilemma. Er kann dann die Situation eskalieren lassen und die USA in einen schmutzigen Konflikt hineinziehen, den er eigentlich vermeiden wollte; oder aber er tut nichts und erscheint schwach. Eine schwierige Entscheidung."

The New York Times: "Unausweichlich ist eine Lehre, bei der sich Regierungsmitglieder und externe Beobachter einig sind: Assad kann immer noch Giftgas gegen sein eigenes Volk einsetzen, auch wenn der Angriff doppelt so große Dimensionen hatte wie der Einsatz im Jahr 2017. (...) Die wichtige Lehre ist: Es ist einfach, Assads chemische Einrichtungen in die Luft zu jagen, doch für ihn ist es ebenso einfach, sie an anderer Stelle neu aufzubauen."

"NZZ" (Zürich): "Natürlich kann man den USA und ihren Verbündeten den Bruch von Völkerrecht vorwerfen, doch der Uno-Sicherheitsrat, der für völkerrechtskonforme Militärschläge zuständig wäre, hat sich wegen des russischen Vetos zu oft als handlungsunfähig erwiesen. Die Verantwortung dafür, dass die Situation nicht außer Kontrolle gerät, liegt jetzt bei Russlands Präsident Wladimir Putin, der entgegen allen Versprechen zugelassen hat, dass Syrien seine Chemiewaffen nicht vernichtete. Er sollte endlich dafür sorgen, dass Syriens Regierung künftig auf den Einsatz solcher Waffen verzichtet. Und will er wirklich, dass in Syrien irgendwann bessere Zeiten anbrechen, muss er Baschar al-Assad, der seine eigene Bevölkerung abschlachtet, fallenlassen. Das mag derzeit unwahrscheinlich tönen: Aber man kann es nicht oft genug wiederholen."

"The Guardian" (London): "Die entscheidende Frage ist nun nicht, welchen Schaden der Angriff bei Assads verbliebenen chemischen Waffen angerichtet hat; es geht um das grundsätzliche Kalkül für den andauernden Krieg. (...) Mit einem deutlich limitierteren Luftschlag im April 2017 wollten die USA schon einmal verhindern, dass Assad erneut chemische Waffen einsetzt. Ohne Erfolg. (...) Nicht minder wichtig ist die Warnung Moskaus, erneut darüber nachzudenken, Syrien mit einem modernen Raketenabwehrsystem auszurüsten. (...) Sicher erscheint nur, dass der Konflikt komplizierter denn je ist. Das größte Opfer ist die Bevölkerung Syriens."

"Sunday Times" (London): "Die gemeinsamen Luftangriffe auf Syrien waren eine Reaktion auf die groteske Anwendung chemischer Waffen durch Präsident Baschar al-Assad gegen unschuldige Zivilisten in Duma in der Region Ost-Ghuta - nicht mehr und nicht weniger. Wie Theresa May sagte: "Die Tatsache dieses Angriffs sollte niemanden überraschen." Der syrische Diktator hat sich einmal mehr über das internationale Verbot solcher Waffen hinweggesetzt. Seine Herausforderung zu ignorieren hätte nicht nur bedeutet, dass man Assad erlaubt, weiterhin Massenvernichtungswaffen gegen sein eigenes Volk einzusetzen. Man hätte zudem eine Normalisierung der chemischen Kriegführung riskiert, die als Reaktion auf die Gräuel des Ersten Weltkriegs seit 1925 verboten ist. (...) Assad nicht zu bestrafen hätte ihn zu einem noch schlimmeren Verhalten ermutigt. Wie US-Präsident Donald Trump es in seiner typisch bombastischen Art sagt: "Dies sind nicht die Taten eines Menschen. Es sind die Verbrechen eines Monsters." Aber er fügte umsichtig hinzu: "Amerika will unter keinen Umständen auf unbestimmte Zeit in Syrien präsent sein." Das sind weise Worte."

"La Republica" (Rom): "Es ist nicht der Beginn des Dritten Weltkrieges. (...) Die Pläne, die Trump um 21 Uhr in Washington entworfen hat und die von und Paris bestätigt wurden, beinhalten die Möglichkeit, dass diese Angriffe aus der Ferne wiederholt werden könnten, wobei äußerste Sorgfalt darauf verwendet wird, Zusammenstöße mit russischen Flugzeugen oder Truppen zu vermeiden (...). Das Risiko ist der Unfall, das Unvorhergesehene, die dumme Rakete, die eine russische Abteilung, eine iranische Basis, einen Fliegerhorst mit russischen Flugzeugen trifft, oder dass umgekehrt die russische Abwehr einen amerikanischen oder englischen Bomber abschießt oder ein Schiff trifft. (...) Die Geschichte führt eine lange Liste an Kriegen, die "zufällig" begonnen haben."

"Corriere della Sera" (Rom): "Eine Show-Operation, die es jedem erlaubt, sich einen Teil des "Sieges" zu nehmen, die aber eine Zukunft voller Unbekannter und Situationen vertuscht, die noch viel schlimmer sein könnten. Außerdem sprechen die Protagonisten von einer erfüllten Mission. Putin hat das schon ein paar Mal getan in den vergangenen Monaten, gestern hat ihn imitiert."

vit