Taliban-Terror in Kabul Polizei wehrt Sturmangriff auf Regierungsviertel ab


Großoffensive auf das Regierungsviertel in Kabul: Rund 20 Taliban-Kämpfer haben mehrere Gebäude nahe des afghanischen Präsidentenpalasts gestürmt. Sicherheitskräfte bekamen die Lage erst nach erbitterten Kämpfen mit den Aufständischen unter Kontrolle.

Zehn Tage vor der internationalen Afghanistan-Konferenz in London haben die Taliban am Montag in einer koordinierten Kommandoaktion das Regierungsviertel von Kabul angegriffen. An der Attacke waren rund 20 Taliban beteiligt, darunter mehrere Selbstmordattentäter. Nach offiziellen Angaben wurden mindestens neun Menschen getötet und weitere 38 verletzt. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, unter den Toten seien vier Attentäter, Zivilisten und Sicherheitskräfte. Die meisten Verletzten waren demnach Zivilisten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte, unter den Getöteten seien ein Kind und ein Soldat.

Es war einer der schwersten Angriffe auf das festungsartig abgeschirmte Regierungsviertel in den vergangenen Jahren, und er demonstrierte die Fähigkeit der Taliban, auch schwerste Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt zu überwinden. Die Sicherheitskräfte im Regierungsviertel hatten erst mehrere Stunden nach dem Start der Attacke am Vormittag die Situation wieder unter Kontrolle.

Feuergefechte und Flammen

Das Kommando der Aufständischen, dem nach Angaben eines Taliban-Sprechers etwa 20 Kämpfer angehörten, hatte ein Gebäude eines Einkaufszentrums nahe dem Palast von Präsident Hamid Karsai besetzt. Augenzeugen berichteten von mehreren Explosionen. Nach Berichten der afghanischen Agentur Pajhwok gab es lang anhaltende Feuergefechte zwischen den Rebellen und Sicherheitskräften. Fernsehbilder zeigten das in Flammen stehende Einkaufszentrum, über dem Areal stiegen dichte dunkle Rauchwolken auf. Anwohner mussten fliehen. Auch ein Kino war in der Hand der Aufständischen.

Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte, zwei Selbstmordattentäter hätten sich vor dem Präsidentenpalast in die Luft gesprengt. Zwei weitere seien von afghanischen Sicherheitskräften getötet worden. Nach Angaben des privaten Fernsehsenders Tolo soll sich ein weiterer Selbstmordattentäter in der Nähe des Außenministeriums in die Luft gesprengt und mehrere Menschen mit in den Tod gerissen haben. Nach Berichten von Augenzeugen soll es weitere Explosionen gegeben haben, bei denen Selbstmordattentäter beteiligt waren. Die Zahl der Opfer war zunächst unbekannt.

Auch Luxus-Hotel Ziel des Angriffs

Mehrere Stunden nach dem Angriff seien "nahezu alle" von den Aufständischen besetzten Gebäude wieder in der Hand der Sicherheitskräfte, sagte der Ministeriumssprecher. Diese suchten nach restlichen Taliban, die sich darin versteckt halten könnten. Ein Taliban-Sprecher hatte sich zuvor per Telefon von einem geheim gehaltenen Ort zu dem gezielten Angriff auf Regierungsgebäude und den Präsidentenpalast bekannt.

Präsident Karsai verurteilte den Angriff. In einem von seinem Büro verbreiteten Statement versicherte er den Bürgern von Kabul, die Stadt sei unter der Kontrolle der Sicherheitskräfte.

Ein Sprengkörper hat auch den Garten des Serena Hotels, Afghanistans einziges Fünf-Sterne-Hotel, getroffen, sagte ein Gast. In dem Hotel steigen zahlreiche westliche Diplomaten und Journalisten ab. Die Gäste seien zu ihrer eigenen Sicherheit in den Keller des Hotels gebracht worden. Der Taliban-Sprecher behauptete, mehrere Ausländer seien bei dem Angriff auf das Hotel getötet worden. Eine Bestätigung dafür gab es nicht.

DPA/APN/AFP DPA

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